"Correctiv"-Faktenckeck der Woche
Personalausweis wird nicht durch implantierte Mikrochips ersetzt

In einem Artikel der Seite "Neue Weltpresse" vom 20. Juli 2019, der aktuell wieder viel auf Facebook geteilt wird, heißt es, dass ab dem 1. Januar 2021 der Personalausweis schrittweise ersetzt werden solle durch einen implantierten Mikrochip.
  • In einem Artikel der Seite "Neue Weltpresse" vom 20. Juli 2019, der aktuell wieder viel auf Facebook geteilt wird, heißt es, dass ab dem 1. Januar 2021 der Personalausweis schrittweise ersetzt werden solle durch einen implantierten Mikrochip.
  • Foto: Pixabay, ArtificialOG
  • hochgeladen von Christian Schweizer

Überspitzte Behauptungen, unbelegte Gerüchte und gezielte Lügen schüren Ängste in unruhigen Zeiten, wie sie gerade aufgrund der Corona-Krise herrschen. Daher arbeiten das Recherchezentrum "Correctiv" und die Wochenblätter des Bundesverbands Deutscher Anzeigenblätter (BVDA), zu denen auch die Brettener Woche gehört, ab sofort zusammen, um gemeinsam vor gezielten Desinformationen zu schützen.

Region (kn) In einem Artikel der Seite "Neue Weltpresse" vom 20. Juli 2019, der aktuell wieder viel auf Facebook geteilt wird, heißt es, dass ab dem 1. Januar 2021 der Personalausweis schrittweise ersetzt werden solle durch einen implantierten Mikrochip. Was es für Hunde und Katzen schon seit Jahren gebe, werde nun auch für alle EU-Bürger eingeführt. Die Chips würden Säuglinge angeblich direkt nach der Geburt eingepflanzt.

Satire wird für Wahrheit gehalten

Es handelt sich um einen Satire-Artikel, der jedoch offenbar von vielen Menschen missverstanden und für korrekt gehalten wird. Das Analysetool "Crowdtangle" zeigt, dass der Text bereits mehr als 18.600 Mal auf Facebook geteilt wurde. Zum Beispiel wurde er im Mai 2020 in der Facebook-Gruppe "Corona-Wahrheiten???" geteilt, und im Juni 2020 von einer Merkel-kritischen Facebook-Seite . Die Kommentare zeigen, dass viele Menschen die Satire nicht erkennen und die Meldung für wahr halten.

"Online-Nachrichten seit 1492"

Der Text ist in der Tat sehr detailliert und auf eine Weise geschrieben, die die Satire nicht sofort erkennbar macht. Allerdings sollten Behauptungen wie "Mediziner und Datenschützer haben keine Bedenken" und der Verweis auf eine "noch nicht veröffentlichte Pressemitteilung der EU-Chip-Kommission" als Quelle misstrauisch machen. Ebenso wie ein Blick auf das Logo der Webseite, wo steht, sie liefere "Online-Nachrichten seit 1492".

"Alle Beiträge auf dieser Seite sind frei erfunden"

Ganz klar wird es, wenn man auf der Seite der "Neue Weltpresse" in der Rubrik "Über uns" nachschaut. Dort steht: "Alle Beiträge auf dieser Seite sind frei erfunden und erlogen. Es dient ausschließlich der Belustigung und Unterhaltung unserer Leser". Der alte Satire-Artikel fällt wohl aktuell in Sozialen Netzwerken auf fruchtbaren Boden. Denn im Rahmen der Corona-Pandemie kursiert im Netz unter anderem die Behauptung, der US-Unternehmer Bill Gates wolle Menschen mit Corona-Impfungen auch gleich Mikrochips einpflanzen lassen - eine "vollkommen unbelegte These", wie die Faktenchecker der Deutschen Presseagentur (dpa) kürzlich feststellten.

Fakten für die Demokratie

In den Wochenblättern des BVDA erscheint regelmäßig ein Faktencheck des unabhängigen
und gemeinnützigen Recherchezentrums CORRECTIV. Die vielfach ausgezeichnete Redaktion deckt systematische Missstände auf und überprüft irreführende Behauptungen in den sozialen Medien. Wie Falschmeldungen unsere Wahrnehmung beeinflussen und wie Sie sich vor gezielten Falschnachrichten schützen können, erfahren Sie unter correctiv.org/faktencheck

Autor:

Christian Schweizer aus Bretten

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