Abreißen oder erhalten? - Warum das als „Schandfleck“ geschmähte Haus Landmesser unter Denkmalschutz steht

Das Landmesser-Haus auf einer Postkarte aus dem Jahr 1919.
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  • Das Landmesser-Haus auf einer Postkarte aus dem Jahr 1919.
  • Foto: Leins
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(ch) Seit rund 40 Jahren ist es manchen ein Dorn im Auge. Wenn von dem äußerlich vernachlässigten Anwesen an der Ecke Melanchthonstraße/Gottesackertor im Brettener Gemeinderat die Rede war, fiel in jüngster Zeit öfter das herbe Wort vom „Schandfleck“.

Am 21. Februar verabschiedete der Gemeinderat mit großer Mehrheit eine – in letzter Minute entschärfte – Resolution, die energisch eine Lösung für das sogenannte Landmesser-Haus in der Melanchthonstraße 49 fordert. Freilich ohne Festlegung, wie diese Lösung letztlich aussehen könnte.

Uneinigkeit in Erbengemeinschaft

Wie in der Gemeinderatssitzung anklang, stand in den vergangenen Jahrzehnten vor allem die Uneinigkeit innerhalb der Erbengemeinschaft einer einvernehmlichen Lösung im Weg. Wichtig ist aber noch ein anderer Aspekt. Dass das rund 230 Jahre alte Gebäude, das zeitweilig auch einen Gasthof beherbergte, überhaupt noch da ist und nicht schon längst – wie in vielen ähnlichen Fällen geschehen - abgerissen wurde, geht auf seinen Status als schützenswertes Denkmal zurück.

Die Gründe des Denkmalschutzes

Was aber macht dieses Haus zum Denkmal? Wie aus dem Brettener Baurechtsamt in seiner Eigenschaft als Unterer Denkmalbehörde zu erfahren ist, beruht die Denkmaleigenschaft in diesem Fall auf wissenschaftlichen, heimatgeschichtlichen und künstlerischen Gründen.

Beispiel für barocken Gasthof

Erstens steht das zeitweilige Gasthaus Zum Grünen Baum als überdurchschnittlich große Fremdenherberge mit zahlreichen Räumen und einem Tanzsaal modellhaft für einen barocken Gasthof in Baden. Weil der Gastbetrieb schon im 19. Jahrhundert aufgegeben wurde, entging das Gebäude der üblichen Modernisierung und hat heute Seltenheitswert. Dadurch, dass es im späten 18. Jahrhundert unmittelbar vor dem ehemaligen Stadttor erbaut wurde, markiert es zweitens die Anfänge der westlichen Vorstadt von Bretten.

Hier spielte sich das gesellschaftliche Leben ab

Bedeutung kommt ihm drittens auch aus sozialgeschichtlicher Sicht zu. Denn im Gasthaus Zum grünen Baum spielte sich jahrzehntelang ein Teil des gesellschaftlichen Lebens in Bretten ab. Und viertens schließlich stufen die Denkmalschützer auch einige architektonische Merkmale als künstlerisch wertvoll ein, darunter die frühklassizistischen Torpfeiler, die von mit Tuchgehängen geschmückten Flammenvasen gekrönt sind.

Mehr über das Landmesser-Haus lesen Sie auf unserer Themenseite

Autor:

Chris Heinemann aus Bretten

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