Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Bretten: „Jeder muss zur Verkehrsentlastung beitragen“

Wollen Parteitaktik überwinden: (von links) Nadia Hamed-Keim, Kathrin Breuer und Henning Landgraf von der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Bretten erläutern im Redaktionsgespräch ihre Ziele. Foto: ch
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  • Wollen Parteitaktik überwinden: (von links) Nadia Hamed-Keim, Kathrin Breuer und Henning Landgraf von der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Bretten erläutern im Redaktionsgespräch ihre Ziele. Foto: ch
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Im Redaktionsgespräch bei der Brettener Woche spricht die Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Bretten (BIVEB) erstmals ausführlich über ihre Ziele und nimmt Stellung zu über sie kursierenden Behauptungen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Redaktionsleiter Christian Schweizer.

BRETTEN (ch) Nach ihrem ersten öffentlichen Auftritt bei der Bürgerinformation über Varianten einer Verkehrsentlastung Ende Juni im Brettener Ratssaal und ihrem offenen Brief an Oberbürgermeister Martin Wolff und die Gemeinderäte im Juli meldet sich die „Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Bretten“ (BIVEB) kurz vor Ende der Sommerferien zurück. In einem Redaktionsgespräch bei der Brettener Woche erläutern die drei BIVEB-Aktivisten Kathrin Breuer, Nadia Hamed-Keim und Henning Landgraf ihre Ziele und nehmen zu Behauptungen Stellung, die über ihre Gruppe kursieren.

„Was passiert mit den Ideen?“

Zunächst wollen sich die drei nicht als offizielle Sprecher der Initiative mit einem Dunstkreis von geschätzten mehr als 200 Interessierten verstanden wissen, sondern einfach als „engagierte Mitglieder“. Zwar habe man ursprünglich daran gedacht, selbst ein Verkehrskonzept zu entwickeln, sagt Kathrin Breuer. Aber seit dem offenen Brief der BIVEB sei „viel passiert“. Das Thema Verkehrsentlastung habe sich erfreulicher Weise in der Öffentlichkeit verbreitet und es seien viele Ideen vorgetragen worden. „Aber was passiert jetzt damit?“ fragt die 51-jährige Unternehmensberaterin.

Konzept parteiübergreifend entwickeln

Kathrin Breuer kann sich eine neue Rolle der Bürgerinitiative als inhaltliche „Klammer“ vorstellen: „Wir sammeln und bringen die Ansätze und Ideen von allen Seiten zusammen, ohne sie zu bewerten.“ Weitere Ziele der BIVEB sind: über Verkehrsentlastung informieren, aufklären und Ursachen bewusst machen, Impulse für konstruktive Diskussionen und Anstoß zu einem zeitnahen Gesamtverkehrskonzept für alle Verkehrsteilnehmer geben sowie Offenheit für Alternativen mit möglichst geringem Naturverbrauch und hoher Entlastungswirkung. Parteitaktisches Verhalten und dahinter stehende Ideologien, wie sie im Gemeinderat teilweise erlebbar gewesen seien, müssten zum Wohle Brettens und für zielführende Lösungen überwunden werden, meint Henning Landgraf, der „Mut zum Querdenken“ einfordert. Ein Gesamtverkehrskonzept könne nur im parteiübergreifenden Konsens entwickelt werden. Deshalb verstehe sich die BIVEB als „überparteilich“. Klar sei auch: „Wir sind keine Verkehrsexperten.“ Umgesetzt werden könne ein Gesamtkonzept nur mit professioneller Unterstützung.

Hauptproblem hausgemachter Verkehr

Zugleich verzichtet die Initiative, die sich laut Breuer in Arbeitsgruppen aufgeteilt hat, keineswegs auf eigene Vorstellungen. Ausgehend von der Bürgerinformation und dem damals vorgestellten Ergebnis der jüngsten Verkehrszählung, wonach das Hauptproblem in Bretten nicht der Durchgangsverkehr, sondern der hausgemachte Ziel- und Quellverkehr ist, können sich die BIVEB-Vertreter einen Katalog von kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen vorstellen. Vorrang hätten demnach Maßnahmen zur innerstädtischen Verkehrsentlastung. „Wir glauben nicht, dass die neue, optimierte Ampelschaltung ausreicht“, zeigt sich Henning Landgraf skeptisch. Was die von den Freien Wählern vorgestellte Idee eines „Großen Kreisels“ angehe, um den Verkehr flüssiger zu machen, sei man indes „nicht so weit von anderen entfernt“.

Verkehrsbelastung betrifft alle Brettener

Kathrin Breuer tritt dem Verdacht entgegen, den Mitgliedern der BIVEB gehe es nur darum, eigene Interessen zu vertreten: „Unsere Mitstreiter kommen aus ganz Bretten, und das Hauptverkehrsproblem haben die Leute in der Innenstadt, nicht die Bewohner vom Steiner Pfad.“ Die Verkehrsbelastung betreffe alle Brettener. Auch die Behauptung, die BIVEB wolle nur die Umgehungsstraße verhindern, treffe nicht zu: „Wir sind nicht per se gegen eine Umgehung, sondern für eine wirkungsvolle Entlastung vom Verkehr.“ Andererseits grenzen sich alle drei von Vorstellungen einer „Nebenautobahn“ auf der Achse Pforzheim-Bruchsal scharf ab: „Wir unterstützen keine Autobahnabkürzung zu Lasten von Bretten.“

„Was trage ich selbst zur Verkehrsbelastung bei?“

Ausgehend von ihrem Hauptmotto „Mehr Lebensqualität in Bretten“ fordern die drei Aktivisten, den Blick zu weiten auf andere Möglichkeiten der Verkehrsentlastung. „Wir müssen wegkommen von der eindimensionalen Blickrichtung auf das Auto“, so Kathrin Breuer. Sie selbst sei zum Beispiel von ihrer Wohnung im Steiner Pfad zu diesem Gespräch zu Fuß gekommen. Die Familie besitze nur ein Auto und ihre Kinder gingen zu Fuß zur Schule. Jeder Brettener müsse sich fragen: „Woher kommt der starke Binnenverkehr, was trage ich selbst zur Verkehrsbelastung bei?“ Dann kämen sehr schnell alternative Verkehrsarten wie zum Beispiel bessere Fuß- und Radwege, sichere Radunterstellmöglichkeiten, besserer Personennahverkehr oder intelligentere Autoteiler-Ideen ins Blickfeld.

„Jeder kann mitmachen“

Henning Landgrafs Schlussfolgerung: „Wir müssen überlegen, wie können wir den Verkehr intern reduzieren, ohne jemand vorzuschreiben, was er zu tun und zu lassen hat.“ Oder wie Nadia Hamed-Keim formuliert: „Es gibt wahrscheinlich nicht das eine Allheilmittel-Konzept, sondern eine Summe aus vielen Möglichkeiten der Verkehrsentlastung, wozu jeder etwas beitragen muss.“ Was wiederum Kathrin Breuer zu der Einladung veranlasst: „Jeder kann mitmachen, wir sind offen für jeden, der Ideen und Zeit einbringen will.“ Anfragen beantwortet die BIVEB unter der E-Mail-Adresse verkehrsentlastung.bretten@gmx.de.

Alle aktuellen Artikel zum Thema Verkehrsentlastung finden Sie auch auf unserer großen Themenseite „Verkehrsentlastung“.

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