Ein Aufschrei gegen den Abriss von Fachwerkhäusern in der Brettener Altstadt!
"Tausche sexy Flanierstädtchen mit gemütlichem Charme gegen Beton- und Asphaltidylle"

Die Stadt Bretten in Baden-Württemberg 1645 auf einem Kupferstich von Matthäus Merian.
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  • Die Stadt Bretten in Baden-Württemberg 1645 auf einem Kupferstich von Matthäus Merian.
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Bretten (Matthias Goll) Damit du dir überlegen kannst ob du dir die Mühe des Lesens antun willst: Dieser Artikel zielt darauf ab, alle Brettener Bürger – und alle die es gerne wären – dazu zu ermuntern, für den Erhalt des historischen Brettener Stadtbildes einzutreten. Warum? Leben in der Altstadt, altstädtisches Flanieren, verkaufsoffene Sonntage, Konzerte oder Peter-und-Paul feiern finden wir alle charmant und cool! Oder? Geh mal in dich. Hätte feiern, Shopping, Essen- und Ausgehen in modernen Stadtgebieten wie Wanne, Kupferhälde oder Industriegebiet Gölshausen denselben Charme? Falls nein: Lies weiter! 

Du bist noch da? Dann noch eins, bevor ich loslege: Du magst geneigt sein, das Thema vorschnell entsprechend zu kategorisieren. Aber nein, weit gefehlt! Ich bin kein verstaubter alter Herr, der nur rückwärtsgewandt alles „Alte“ bewahren will. Ich bekenne mich zu technologischem Fortschritt (brauch ich sogar beruflich) und bin offen für jede Idee, die Geschichte und Gegenwart mit der Wahrung des gebührenden gegenseitigen Respekts zusammenführt. Und nein, ich kriege keine Kohle für meine Zeit hierfür, von niemandem. Ich möchte schlichtweg erreichen, dass Bretten sorgsamer mit seinem Kapital umgeht – für uns und für kommende Generationen.

Die Stadtverwaltung und das angestrebte Brettener Außenbild

Ich musste beim Lesen laut lachen. Erst als dieser Artikel recht weit gediehen war, stieß ich bei meinen Recherchen auf folgendes Vorwort von OB Wolff, brandaktuell erschienen im Infoheft 2022 der Stadtinformation. Eine echte Steilvorlage für mein Anliegen, hier in Auszügen:

„Mitbürgerinnen und Mitbürger, verehrte Gäste Stadt,
[…] So überzeugt die badische Kleinstadt nicht nur mit seinen [sic] Fachwerkhäusern, malerischen Altstadtgassen, dem individuellen Einzelhandel zum Einkaufen im Herzen der Stadt sowie der vielseitigen Gastronomie, sondern auch mit speziellen Geheimtipps, die Bretten zu Besonderem machen. Die Kombination aus idyllischem Stadtbild, individuellem Charme, gepaart mit der Dichte an Cafés und Einzelhandelsgeschäften zeichnet die „Kleinstadtperle" Bretten aus. Alleinstellungsmerkmal ist außerdem der hohe Anteil an inhabergeführten Unternehmen in Einzelhandel und Gastronomie. Daraus entsteht ein attraktiver Angebotsmix, der nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt, sondern auch für Gäste aus nah und fern interessant ist. Der berühmteste Sohn der Stadt ist der Humanist und Reformator Philipp Melanchthon (1497-1560). […] 2015 erhielt Bretten daher den Titel „Reformationsstadt Europas" und zählt somit zu den bedeutendsten Orten der Reformation. Außerdem lebt Bretten seine Geschichte alljährlich mit dem mittelalterlichen Peter-und-Paul-Fest, das 2014 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission aufgenommen wurde. Ebenso ist Bretten zukunftsorientiert. […]“

Warum ich lachen musste? Weil die Bekenntnisse zum kulturellen Kapital der Stadt in diesen Worten – vorsichtig formuliert – weitgehend Fassade sind. Dir als Leser der Grußworte des Oberbürgermeisters wird nämlich verschwiegen, dass der Erhalt des Status quo alles andere als gesichert ist. Es ist leider schon fünf vor zwölf, denn die Dezimierung des oben gelobten historischen Gebäudebestandes – der Grundlage des postulierten Charmes – schreitet mit großen Schritten voran. Statistisch gesehen wird beim aktuellen Abriss-Tempo – auch ohne Katastrophen – in spätestens 300 Jahren kein historisches Gebäude der Altstadt mehr existieren. In zahlreichen Aktionen haben sich Bürger bereits gegen diese Tendenz gewehrt, ohne ein Einlenken der Stadt zu erreichen. Kritik wird kommentarlos ignoriert.

Ich stelle ableitend folgende These auf:
Es existiert eine eklatante Widersprüchlichkeit zwischen der – seitens der Stadtverwaltung – gerne in Anspruch genommenen Vorteile bei zeitgleicher Zerstörung des materiellen Kulturerbekapitals der Stadt Bretten.

Dieser Artikel und damit zusammenhängende Aktivitäten zielen darauf ab, die Verwaltung dazu zu bewegen, diesen Widerspruch zugunsten des Kulturerbes dauerhaft aufzulösen.
Bretten könnte nämlich sogar noch cooler sein! Eine schimmernde Perle unter den umliegenden tristen, ähnlich großen Städten. Der weit und breit einzigartige Charme der heutigen Altstadt könnte durch eine Erweiterung der Fußgängerzone noch attraktiver werden und zusätzliche Gastronomie und Shoppingmöglichkeiten bieten. Ein Peter-und-Paul-Fest Zentrum mit digitalem Archiv, Museum und Veranstaltungsräumen würde Gäste und Einheimische einladen. Fändest du auch cool, aber was kannst du dafür tun? Nutze deine Birne für kreative Alternativen zur Abrissbirne.

Kulturerbe. Was ist das überhaupt?

Kulturerbe ist der „Zement der Identität“ (geil! Danke Maria Gravari-Barbas). Okay, leiten wir das mal an einem Brettener Beispiel her: Das hast du – nicht nur in schriftlichen Grußworten des OB – auch schon hundertmal gesehen. Seit Jahrzehnten wirbt die Stadt Bretten um öffentliche Aufmerksamkeit unter anderem mittels Abbildungen ihrer historischen Gebäude. Auf Logos im Netz, auf Werbeartikeln oder auf Schildern an den Stadtzufahrten prangen das Melanchthonhaus, die Türme der Stadt und das Fachwerkensemble am Marktplatz. Man ist Stolz auf Philipp Melanchthon, das Peter-und-Paul-Fest und traditionsreiche Firmen wie […] (Unsere Initiative sucht Sponsoren: Hier könnte ihr Firmenname stehen!). Geschichtliches ist ganz offensichtlich wichtig für die Stadt, man könnte auch sagen, all die genannten Fakten und Objekte sind unser kultureller Zement, unser Kulturerbe. Immer noch nicht klar? Okay, dann ein Erklärungsversuch mit Hilfe der Frage, wie ich mir selbst einen Sinn aus Geschwurbel abzuleiten versuche: „Was wäre ohne?“ – Ein Leben ohne Kulturerbe kommt einer Einsiedelei auf dem Mars gleich. Wer hat Bock?

Zur Wirtschaftlichkeit der Pflege von Kulturerbe

Der Brettener Schatzmeister rückt nicht zum Spaß Gelder für die oben genannten Werbekampagnen heraus. Das Kulturerbe wird im Brettener Rathaus als ein Kapital zur Verfolgung wirtschaftlicher Zwecke eingesetzt. Völlig okay und üblich. Denn Besucher bringen Geld in die Stadt und tauschen es dort gegen Übernachtungen, Essen, Trinken und Waren. Aber noch viel einträglicher: Eine lebenswerte Stadt lockt auch gebildete Bürger (unter anderem Arbeitnehmer, Steuerzahler) und in deren Schlepptau Unternehmen (Arbeitgeber, Steuerzahler).

Jede Verwaltung öffentlicher Angelegenheiten und Güter ist bei wirtschaftlichen Entscheidungen dazu verpflichtet, zu berücksichtigen ob und welches vorhandene Kapital zum Wohlstandserhalt beiträgt. Nach Kenntnis des Autors wurde der Return on Invest (ROI) aus der städtischen und privaten Instandhaltung der historischen Bausubstanz jedoch niemals betriebswirtschaftlich ermittelt. RO was? Okay. Vereinfacht: Wie viel Kohle bringt uns unser Kulturerbe denn ein?

Warum das ausblieb? Verwaltungen schubsen doch sonst gerne Zahlen!? Ganz einfach, Mensch! Denk nach! Wäre das Ergebnis eine – möglicherweise sogar stattliche – positive Summe, so ließen sich diese Einnahme von Kulturfreunden auch gegen jede Kürzung im kulturellen Bereich ins Felde führen. Na, gecheckt? Würdet ihr also auch gar nicht wissen wollen, wenn ihr Verwalter wärt, wiedergewählt werden wolltet und dafür kurzfristig eure Sparkompetenz herauskehren müsstet. Es ist einfacher zu sagen: Kultur kostet nur.

Für historische Gebäude heißt das; Abreißen ist günstiger als sanieren

Haha, wenn du aufmerksam gelesen hast, bist du jetzt aber schlauer. Du kannst jetzt mitreden und darfst frech fragen: Was verschlingt noch mehr Asche als Kulturpflege? Antworten darfst du selbst: Keine Kulturpflege! Denn eine Gesellschaft ohne Kultur – ohne Kunst, (ansprechende) Architektur, Kino, Kulinarik, Museen, Mode, Musik, Theater etc. – verarmt garantiert. Zumindest geistig. In tristen, grauen Städten mit hoher Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Und wie wir wissen hilft aus der Armut nur eine Sache. Richtig. Geld. (Krasse Herleitung, was?)

Brettens Zwiespältiges Verhältnis zu seinem Kulturerbe

So, jetzt kommt, was den stillen Betrachter stutzig machen muss. Bei näherer Betrachtung des Umgangs der Stadt mit dem Gesamtkorpus ihres materiellen Kulturerbes fällt überraschend folgendes auf: Die in den Werbekampagnen nicht abgebildeten Ecken der Altstadt scheinen kein sachdienliches Kapital darzustellen. Altstadt ist nur Marktplatz.

„Häh? Quatsch!“ sagst du? Doch. Ist so. Seit Jahren wird rings herum abgerissen und neugebaut, was das Zeug hält. Archäologische Untersuchungen finden – wenn überhaupt – nur als oberflächliche Notgrabungen statt. Die Verwaltung beruft sich bei Abrissentscheidungen lapidar auf – aus meiner Sicht – fragwürdigen Beurteilungen des Landesdenkmalamtes (doch, ich darf das kritisieren, hab in meinem ersten Leben einen Doktor in Kunstgeschichte gemacht! [hosenträgerschnalz]). Leider bittet sie aber niemals ihre Bürger oder Stadtbesucher um deren Meinung. Was nicht vom Landesdenkmalamt als Denkmal deklariert wird, darf endlich weggerissen werden. „Puh! Was ein Glück!“, freut man sich in der Verwaltung. Nutzungskonzepte und Sanierungen sind doch so anstrengend!

Was für eine Argumentation ist das eigentlich? Es war doch nicht das Landesdenkmalamt (gibt’s ja erst seit ein paar Jahrzehnten), welches unsere schönen Altstädte über die vergangenen Jahrhunderte schützte! Das war die nostalgische Liebe, der Verstand oder der leere Geldbeutel der Menschen, die in ihren Häusern lebten und leben. Wieso verlässt sich die Stadt heute auf die Gutachten einzelner Studierter?

Sei’s drum. Die Einheimischen und die Touristen werden diese Argumentation schon nachvollziehen und verzeihen – nehmen die Entscheidungsträger wohl insgeheim an. In der Tat ging das vielleicht eine ganze Zeit lang gut. Aber was, wenn die Besucher eines Tages ausbleiben, da sie feststellen, dass hinter den Werbeplakaten eine in weiten Teilen ausgestorbene Innenstadt steht, dass ausschließlich die beworbenen Gebäude noch historisch sind? Werden sie die Stadt noch lieben, wenn alle anderen Altstadtgebäude durch moderne Neubauten, Straßen oder Parkplätze ersetzt wurden? Alles Hypothese, richtig. Aber was, wenn es durch den aktuell beschrittenen Weg doch so kommt?

Wer sich von unumkehrbarem Stadtbildvandalismus ein Bild machen will, der sollte die Stadt Bernau bei Berlin besuchen. In den 1980er Jahren wurden alle altstädtischen Fachwerkhäuser abgebrochen und durch Plattenbauten ersetzt. Die Innenstadt ist heute so attraktiv wie Fußpilz. Oder bist du schon mal in einem Reiseprospekt über Bernau bei Berlin gestolpert?

Ein Exkurs in Brettens Baugeschichte und jüngste Verluste

Auch Bretten hat bis heute viele schmerzliche Verluste hinzunehmen. Teilweise durch eine natürliche Stadtentwicklung, durch Größenwahn der Verwaltung (Sporgassenparkplatz) aber auch durch kriegerische Ereignisse. Da dies vermutlich vielen Lesern nicht bekannt ist (Skandal!) hier in aller Kürze ein Exkurs zu Brettens Baugeschichte:

Bretten war bis um 1800 ein hübsches mittelalterliches Bilderbuchstädtchen. Eine Stadtmauer mit Toren im Westen, Süden und Osten umzog die Stadt. Mit einigen dazwischenliegenden Bäuchen verlief sie vom Simmelturm über das Achathotel bis nördlich des Kinos, von dort über den Pfeiferturm bis westlich des Melanchthongymnasiums und von dort bergab zum Simmelturm. Die größten Verluste erlebte Bretten im Jahre 1689, als die Franzosen die Fachwerkhäuser der Stadt nahezu vollständig niederbrannten. Um 1700 wurden die privaten Häuser innerhalb der erhaltenen Stadtbefestigung – wiederum Großteils in Fachwerkbauweise – auf den mittelalterlichen Grundrissen wieder aufgebaut. Viele Keller unter den „Neubauten“ stammen daher noch aus dem Mittelalter. Zahlreich große Gewölbekeller sind erhalten, aber kaum bekannt – eine Stadt unter der Stadt. Seit etwa 1700 erlitt Bretten keine größeren Verluste mehr durch Kriege oder Brände. Bis zum 19. Jahrhundert war die Stadt quasi immer noch ein mittelalterlich-spätbarockes Bilderbuchstädtchen. Durch zuzugbedingtes Wachstum wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts alle Stadttore und große Teile der Stadtmauer abgerissen. Die Verluste im zweiten Weltkrieg hielten sich in Grenzen, Artilleriefeuer beschädigte lediglich drei Gebäude in der Weißhofer Straße. Weitaus zahlreicher hingegen sind die Hausabbrüche der Nachkriegszeit. Beispielhaft seien hier genannt: Das Hebererhaus in der Pforzheimer Straße, ein Haus am Kirchplatz, ganze Straßenzüge an Seedamm, Engelsberg und Sporgasse (samt Stadtmauerabschnitten!).

Große Rettungsprojekte – wie die Sanierung des Schweizer Hofs oder des Gerberhauses – sind seit den 90er Jahren kaum mehr angegangen worden. Wenigstens wurde vor einigen Jahren der Pfeiferturm dank eines immensen privatwirtschaftlichen und ehrenamtlichen Einsatzes saniert und zugänglich gemacht. Einzig löblich zu erwähnendes städtisches Projekt der letzten Jahre ist die aktuell laufende Sanierung des „Käseladens“ in der Sichtweite des Marktplatzes. Keine 100 Meter östlich des Marktplatzes verfolgt die Stadt weiterhin – gänzlich ohne Not – den Abriss intakter Fachwerkhäuser, s.u. (#AltstadtistnurMarktplatz. Tsss...).

Um auf das Thema des Altstadtschwundes aufmerksam zu machen, schrieb Dr. Christopher Retsch 2016 den Artikel „Brettens historische Bauwerke: Vom Mittelalter über den Stadtbrand 1689 bis in Gegenwart und Zukunft?“. Darin zeigte er auf, welche historischen Gebäude erhalten sind und welche in jüngster Zeit aus dem Stadtbild verschwanden. Im Saal des alten Rathauses hielt er zudem am 24.04.2017 einen Vortrag zum Thema. Heute, mehr als vier Jahre später, sieht es leider so aus, als hätten die Appelle an die Brettener Mitbürger und die Stadtverwaltung wenig bis keine Wirkung gezeigt. Währenddessen verschwanden mit städtischer Genehmigung allein seit 2016 mehrere private Gebäude aus der ehemaligen Altstadt: Ein Fachwerkhaus in der Oberen Kirchgasse gegenüber dem Amtsgericht, mehrere Gebäude in der Lammgasse/Wassergasse und am Leyertor. (Gemeinheit. Christopher Retsch hat extra ehrenamtliche Stunden investiert. Pft.) Nun ja, das waren zumeist private Häuser. Was soll man da schon machen, seitens der Stadt. Das Landesdenkmalamt hat schließlich…

Aktuelle Abrisspläne

In Ordnung. Kommen wir nun aber zu den historischen Gebäuden in städtischem Besitz. Wie in jeder Verwaltung müssen auch in unserer Stadt Investitionen nach der Potenz des Stadtsäckels ausgerichtet werden. Schon klar, Geld liegt nicht auf der Straße. Für den Ankauf von drei Häusern zum Zweck des Abrisses ohne Anschlusskonzept war aber genügend da. Obwohl Wohnraum derzeit auch nicht in Hülle und Fülle zur Verfügung steht. Brandaktuell sollen eben diese drei (Fachwerk-) Häuser aus dem Stadtbild verschwinden. Ginge es nach der Stadt, noch vor März 2022: Das „Böcklehaus“ samt Nachbar- und Nebengebäuden, Weißhofer Straße 33-37. Alle drei stehen derzeit größtenteils leer. Der Zustand ist jeweils sanierungsbedürftig, die Dächer sind jedoch dicht, die Gebäudehüllen intakt.

Das Böckleensemble heute. Das Fachwerk im Wärmebild. Das mögliche zukünftige Erscheinungsbild.
  • Das Böckleensemble heute. Das Fachwerk im Wärmebild. Das mögliche zukünftige Erscheinungsbild.
  • Foto: Collage aus Fotos (kraichgau.news, Verein für Stadt- und Regionalgeschichte)
  • hochgeladen von Matthias Goll

Ist das ein Denkmal oder kann das weg?

Die Stadt hatte in Vorbereitung auf die Abrisse das Landesdenkmalamt gebeten zu prüfen, ob die die Gebäude als Denkmäler einzustufen sind. Hatte sich ja auch bei anderen Abrissen schon als cleverer Weg erwiesen. Wahrt den Anschein eines unanfechtbaren Verwaltungsaktes. Hier die Antwort des Landesdenkmalamtes vom März 2021:

„[…] kommen wir nach ausführlicher Prüfung einhellig zum Schluss, dass dem in seinem Baubestand bis in jüngere Zeit stark veränderten Anwesen Weißhofer Straße 33 u.a. aufgrund der nachhaltigen Eingriffe im Erdgeschoss, der Veränderungen der Grundrisse in den Obergeschossen sowie wegen insgesamt nurmehr eingeschränkt erhaltener historischer Bausubstanz bzw. Ausstattung im Inneren die für ein Kulturdenkmal notwendige Originalität und Integrität fehlt. Das öffentliche Erhaltungsinteresse des vermutlich aus dem frühen 18. Jahrhundert stammenden Gebäudes [und was ist mit den beiden anderen Gebäuden?] ist nicht gegeben, es handelt sich damit um kein Kulturdenkmal gem. § 2 DSchG Baden-Württemberg.“

Hmm. Okay. Was ist das denn für ein Paragraph. Hier mal der Wortlaut aus dem Gesetz, zusammen mit meinen Fragen, die ich als Bürger und einschlägiger Akademiker an die Verantwortlichen des Landesdenkmalamtes habe:

㤠2 Gegenstand des Denkmalschutzes
Kulturdenkmale im Sinne dieses Gesetzes sind Sachen, Sachgesamtheiten und Teile von Sachen, an deren Erhaltung aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht. […]“

Liegt für den Schutz des Ensembles kein öffentliches Interesse aus heimatgeschichtlichen Gründen vor? Es interessiert mich, wie die Antwort auf diese Frage ermittelt wurde. Wurdest du gefragt, wie du das als Bürger siehst? Haben die Verantwortlichen des Landesdenkmalamtes die zuvor in einem Brief an die Stadt übergebenen Rechercheergebnisse von Wolfgang Stoll und anderen überhaupt berücksichtigt? Darin heißt es:

„Die Geschichte des Böckle-Hauses lässt sich bis in das 17. Jahrhundert in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurückverfolgen. Nach dem Stadtbrand 1689 wurde das Areal um 1722 in traditioneller Fachwerk-Bauweise wieder neu bebaut. Für fast 200 Jahre, bis ins Jahr 1920, wurde es als Gasthaus „Weißes Ross“ bewirtschaftet. Unter dem Haus befindet sich heute noch einer der größten Gewölbekeller der Brettener Altstadt. Das im Volksmund „Rössle“ genannte Gasthaus spielte für die Stadtgeschichte zeitweilig eine recht bedeutsame Rolle. Hier traf sich neben den Gasthäusern „Pfälzer Hof“ und „Republik“ während der Revolution 1848/1849 der sogenannte Volksverein, deren Mitglieder die Gründung einer Republik mit demokratisch gewählten Volksvertretern anstrebten. 1866 übernahm der Bierbrauer und Gastwirt Emil Mondon, der zugewanderte Sohn eines Waldenser-Pfarrers, die Wirtschaft und nannte sie in „Zähringer Hof“ um. 1871 übernahm die Familie Böckle das Haus, in dem aus der Gastwirtschaft nunmehr eine Bäckerei betrieben wurde. In einem Nebengebäude des Areals begann 1876 Carl Andreas Neff mit seiner Schlosserei im Böckle-Haus mit der Montage seines ersten Kohleherdes. Es war die Geburtsstunde der späteren Neff-Werke und der Beginn eines bis heute anhaltenden wichtigen Teils der Brettener Industriegeschichte.“

Wer entschied, dass alle diese Tatsachen kein heimatgeschichtliches Interesse darstellen?

Um dir vor Augen zu führen, warum es sich außerdem lohnt, für den Erhalt des Ensembles zu kämpfen: Die drei Anwesen sind der letzte Rest des mittelalterlichen und spätbarocken nordöstlichen Altstadtviertels, direkt angebaut an das heute verschwundene Weißhofer Tor. In den Hinterhöfen sind noch große Teile der Stadtmauer erhalten. Die Weißhofer Straße Nr. 37 war das erste Haus nach Betreten der Stadt aus Richtung Knittlingen/Weißhofen. Unter dem hässlichen Putz des Böckle-Eckhauses steckt nachweislich (Wärmebild O. Mannsdörfer) stattliches, intaktes Fachwerk. Die Keller unter dem Ensemble stammen noch aus dem Mittelalter. Würden die Gebäude saniert und das Fachwerk freigelegt, so entstünde eine neue, schöne Ecke in unserer Altstadt.
Alles Fakten, die erstaunlicherweise bei der Ablehnung der Denkmaleinstufung seitens des Landesdenkmalamtes keine Erwähnung fanden. Zum Thema Einstufung als Denkmal bitte ich daher die Eigentümerin der Gebäude (Stadt Bretten), das Landesdenkmalamt um Transparenzschaffung zu o.g. offen gebliebenen Fragen rund um das Ensemble zu ersuchen – und zwar vor dem Abriss.
Ganz unabhängig von der Antwort: Es darf für die Brettener Bürger nicht einzig und allein darauf ankommen, was ein Gutachter zu diesem oder jenem Thema sagt – zählen muss doch, was gut für die Stadt ist, für die Menschen die in ihr Leben.

Butter bei die Fische: Warum muss das Böckle weg?

Lassen wir die Beurteilung des Landesdenkmalamtes mal außen vor. Schließlich stellt selbst sie nicht fest (kann sie auch nicht), dass das Gebäude auf jeden Fall abgerissen werden muss. Auch ohne Denkmalschutz ist die Aufrechterhaltung der städtischen Behauptungen, ein Abriss sei unumgänglich, mit gesundem Menschenverstand nur schwer begreiflich. Die Vollendung des Abrisses wäre aufgrund fehlender Transparenz ein gänzlich undemokratischer Akt. Denn jede der ursprünglichen Begründungen konnte inzwischen durch Alternativvorschläge ausgehebelt oder als nicht den Fakten entsprechend zurückgewiesen werden. Hier nochmals zusammenfassend:
Das Böckleensemble als Hindernis für den Busverkehr

Laut Stadtverwaltung soll durch den Abriss Platz für Verkehrsfläche geschaffen werden. Im Jahr 2021 brauchen Busse dringend mehr Platz beim Abbiegen. Dem Autor ist aus den letzten 40 Jahren zwar kein einziger Unfall mit einem Bus an der betreffenden Stelle bekannt, aber sicherlich ist ein Unfall niemals auszuschließen. Und was zählt schon meine Meinung. Doof nur, dass die Begründung auch aus anderen Gründen nicht haltbar ist. Bündnis 90 „die Grünen“ haben der Stadt einen schlauen und nahezu kostenneutralen Lösungsvorschlag vorgelegt, der - mittels der Zusammenlegung von Rechts- und Linksabbiegespur zu einer Spur (Sporgasse) – ausreichend Raum für abbiegende Busse schaffen würde.

Die von den Grünen vorgeschlagene Zusammenlegung der Abbiegespuren.
  • Die von den Grünen vorgeschlagene Zusammenlegung der Abbiegespuren.
  • Foto: kraichgau.news-archiv
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Das Böckleensemble als Hindernis für die Zabergäubahn

Bürgermeister Michael Nöltner schlug vor Kurzem die Anbindung der visionären Zabergäubahn mittels einer neuen Trassenführung durch die Stadt, u. a. über Weißhofer Straße und Sporgasse vor. Auch diesen Plänen – deren Umsetzung fraglich ist, zumindest aber in sehr ferner Zukunft liegt – steht das Böcklehaus nicht im Weg. Christopher Retsch (seit Jahrzehnten auch Hobby-Eisenbahner) wies nach, dass der minimal erforderliche Kurvenradius für die Stadtbahnen 23m und nicht wie von Herrn Nöltner behauptet 25m betrüge. Darüber hinaus stellte er fest, dass auch mit Böcklehaus ausreichend Platz vorhanden wäre. Er verglich den Abbiegeradius mit der ehemaligen Situation am Karlsruher Marktplatz. Zudem sind zum Projekt „Zabergäubahn“ noch zahlreiche andere Faktoren zu klären. Nicht zuletzt die Möglichkeiten der Bezwingung der Steigung am Engelsberg und die räumliche Enge der Melanchthonstraße zwischen Landmesser und alter Post. Vielleicht kann man vorsichtshalber dort bis März 2022 auch gleich eine Straßenseite abreißen!? Dann wäre auch der hässliche Landmesser endlich weg. Noch ein Problem gelöst.

Kommt euch hier auch Einiges spanisch vor? Also ich kann mir nicht helfen. Wollen du und ich als Privatbesitzer ein Haus abreißen, so müssen wir dies gegenüber den Behörden anständig begründen, indem wir eine konkrete Planung vorlegen, gegebenenfalls an Alternativvorschlägen arbeiten und einen Plan für die Nutzung des Geländes nach dem Abriss erarbeiten. Was passiert denn nach dem Abriss mit dem riesigen „Böckleloch“ wirklich? Die gesamte Fläche brauchen schließlich weder Bus noch Bahn. Nicht mal beide zusammen (grins). Noch ein Parkplatz? Noch ein Ärztehausprojekt? Noch eine Nach-Abriss-Brachfläche wie unten in der Lammgasse oder gegenüber der Polizeiwache?

Abriss würde auf Basis eines spekulativen abgerissen werden: der fiktiven Zabergäubahn

Vielleicht kommt der Druck auf die ollen Häuser aber auch aus ganz anderer Richtung? Vielleicht sind es gar nicht unmittelbar die städtebaulich vermeintlichen Notwendigkeiten, die einen Abriss für das Rathaus interessant machen? Laut meinen Quellen sollen ca. 150000€ für die Abrisse ins Stadtsäckel fließen. Nennt sich Sanierungsplan Altstadt (kein Scherz!). Falls dies zutrifft, so könnte die Stadt an den Abrissen sogar Geld verdienen. Um den zukünftigen Kommentatoren meines Artikels gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Falls ich hier mit gefährlichem Halbwissen geglänzt habe, so liegt das vielleicht auch an der katastrophalen Informationspolitik der Stadt zu dem Thema. Die bisherigen in der Presse erschienen Argumentationen der Abriss-Kritiker blieben seitens der Stadt gänzlich unkommentiert.

Wieso lässt das Vorhaben jede Transparenz vermissen?

Nun genug gemault und gejammert. Du fragst: Wo bleiben die Alternativvorschläge zur Nutzung und Finanzierung des überkommenen Baubestandes? Hier kommen sie:

Für eine sinnvolle und moderne Nutzung historischer Bausubstanz könnte sich Bretten an Konzepten anderer Städte orientieren. Die Stadt Maastricht beispielsweise legte bei äußerlicher Unversehrtheit der Gebäude deren innere Nutzflächen zusammen. So entstanden große Räumlichkeiten für Einzelhandel und Gastronomie. Die Stadt Oppenheim nutzt ihr unterirdisch verbundenes System aus mittelalterlichen Kellern seit Jahren erfolgreich für touristische Zwecke. In Bretten liegen sie zumeist entweder brach oder sie werden aufgefüllt.

Doch auch Brettener Projekte können Modell stehen für eine zukünftige Nutzung von historischen Gebäuden. Die von privater Hand (gestützt durch Fördergelder) in den letzten Jahren geretteten Brettener Häuser „Papier&Co“ „Lamm&Werkstatt“ „La Piazetta M23“ zeigen, wie es richtig gehen kann. Sanierung, Ausbau und-/oder Zusammenlegung mit Nebengebäuden sind attraktive Zukunftsmodelle. Vielleicht findet sich auch für das Böckleensemble ein privater Investor, der die Substanz saniert, Wohnraum schafft, einen Gastronomiebetrieb aufnimmt und/oder andere coole Ideen in die Tat umsetzt. Hochwillkommen!

Und ich spinne das mal weiter und nehme Bezug zum Langzeitziel „Autofreie Stadt“: In absehbarer Zeit könnte die Fußgängerzone auf die Weißhofer Straße ausgeweitet werden – die Idee stammt nicht von mir! Der lärmende und teilweise auch Fußgänger gefährdende Durchgangsverkehr über die Pforzheimer Straße ist nicht mehr zeitgemäß und immer wieder Gegenstand bürgerlicher Kritik. Das Böcklehaus stünde dann sogar noch repräsentativer am Eingang zur Altstadt. Eine vor Jahren aufgekommene Idee der Untertunnelung des Hebelschulen-/Stadtparkhallenareals zur Schaffung einer Verbindung Sporgasse/Heilbronner Straße würde den Bereich vor dem Böcklehaus ganz vom Verkehr befreien. Das Ensemble wäre dann grundlos abgerissen worden. Viel Spekulation? Richtig. Aber visionär und sexy: Ein weiterer städtischer Flanierplatz vor dem Böckleensemble könnte entstehen (mit freigelegtem Fachwerk, leckerer Gastro im schönen mittelalterlichen Gewölbekeller und auf dem Böckleplatz…)

Die Vision: Ein Heim für das Brettener Peter-und-Paul-Fest

Für das Böckleensemble selbst werfe ich eine eng mit dem immateriellen Kulturerbe der Stadt verbundene Nutzungsidee in den Ring. Nicht nur mir, sondern auch der Stadtverwaltung ist bewusst, dass die Stadt ihrem immateriellen Kulturerbe „Peter-und-Paul-Fest“ unterjährig nicht genügend Aufmerksamkeit schenkt. Bis heute existiert kein Ort an dem sich Stadtbesucher – außerhalb des Festes – über letzteres einen optischen oder haptischen Eindruck verschaffen können. Stadtmuseum und Gerberhaus können diese Aufgabe nicht übernehmen, denn die beiden Häuser haben ganz klar andere Aufgabenschwerpunkte.
Stattdessen verstecken die Brettener jedes Jahr für 360 lange Tage die historischen Wägen, Kanonen, Blankwaffen, Rüstungen, Werkzeuge und Gewänder in Lagerhallen und Privathäusern. Würde eine andere Stadt mit einem solchen Kulturschatz derart umgehen? Unvorstellbar. Die Stadt Landshut verfährt mit ihrem ähnlich großen immateriellen Kulturerbe, der „Landshuter Hochzeit“ seit Jahrzehnten ganz anders. Der Förderverein des Festes betreibt mit Unterstützung der Stadt ein 1986 eigens errichtetes „Zeughaus“ (hist. für „Kriegsarsenal“). Darin werden die meisten für das alle vier Jahre stattfinden Festes benötigten Objekte gelagert und gepflegt.
Das Böckleensemble könnte zum „Brettener Zeughaus um 1504“ werden. Wird das Nutzungskonzept von Anfang an auf die Digitalisierung von materiellem Kulturerbe ausgerichtet, so winken derzeit und in den kommenden Jahren gut ausgestattete Förderprogramme der EU, des Bundes und des Landes. Digitalisierung des Festes könnte heißen, ein digitales Peter- und Paularchiv anzulegen, welches schriftliche und bildliche Dokumente mit Bezug zum Fest für Zeitgenossen und zukünftige Generationen online und vor Ort zugänglich macht. Beispielsweise könnte das Fest durch Augmented Reality (ja, das mit den komischen Brillen) erlebbar gemacht werden – sogar an den physischen Spielorten des Festes! Mittels dieser Technik kann beispielsweise beim Blick aus einem Fenster des Böckle das Weißhofer Tor wieder sichtbar gemacht werden! (kein Humbug, sowas gibt’s heute schon). Hierfür sind interaktive Kompetenz und Technik, aber auch administrative Bearbeitungs- und Digitalisierungsbereiche notwendig. Vielleicht entstünden sogar Arbeitsplätze…
Gleichzeitig können Ensemblebesucher (Schulklassen, Tagesgäste, Gruppen, Vereine) im Zeughaus ausgewählte Fest-Objekte bestaunen, Workshops der Peter- und Paulgruppen besuchen oder in den Räumlichkeiten feiern oder Tagen. Um die Auslastung zu optimieren gerne auch zu Themen, die nicht unbedingt im Zusammenhang mit dem Peter-und-Paul-Fest stehen (Geburtstage, Vereinsfeiern, Firmenfeiern).

Ich will kein verstaubtes und verwaistes "Heimatmuseum"

Für die Nutzbarmachung ist ein Entkernen aller drei Gebäude und ein bauliches Zusammenlegen denkbar (stehen ja eh nicht unter Denkmalschutz! Zwinkersmiley). Die Gebäudehülle muss selbstverständlich so schonend saniert werden, dass das historische Erscheinungsbild gewahrt bleibt. Im Inneren des Komplexes können jedoch große Flächen, aber auch abgetrennte Bereiche für einen bunten Blumenstrauß an Nutzungsmöglichkeiten entstehen. Ein großer Teil der baulichen Umsetzung und des späteren Betriebs wäre sicherlich ehrenamtlich leistbar durch tatkräftiges Anpacken von Brettener Unternehmen, Peter-und-Paul Vereinen/Gruppen und interessierten Freiwilligen.

Finanziell werden für den Umbau und den Unterhalt Gelder der Stadt, von Vereinen, von Unternehmen und Privatpersonen sowie öffentliche Fördergelder benötigt. Zur späteren Unterhaltsfinanzierung könnten Teilbereiche als Wohn- oder Gewerberäume vermietet werden. Eventuell sogar kurzzeitig anmietbar für temporär in der Stadt weilende Arbeitskräfte. Unternehmen die sich finanziell und/oder tatkräftig an der Sanierung des Ensembles beteiligen, könnten auf vielfältige Art und Weise entschädigt werden. So sind beispielsweise eine bauliche Schmückung des Ensembles mit „Stifter- oder Zunftfenstern“ mit werbewirksamen Firmenlogos denkbar. Ebenso könnte temporär eine vergünstigte oder gar unentgeltliche Nutzung der sanierten Räumlichkeiten für Seminare, die Unterbringung von Mitarbeitern etc. angeboten werden. Nicht zuletzt wären kostenfreie, firmeninterne Zeughausführungen für Mitarbeiter und auswärtige Geschäftspartner ein attraktives Alleinstellungsmerkmal für Brettener Unternehmen.

Was ist zu tun?

Momentan bin ich zusammen mit anderen Altstadtschützern an der Formierung einer Bürgerinitiative. Wir bereiten eine Petition vor, bauen ein Netzwerk auf, schreiben Presseberichte, etc. Und wir brauchen dich!
Falls meine Ausführungen überzeugend waren, hier vorerst die dringende Bitte an dich, an die Brettener Vereine, Schulen, Kitas, Kulturschaffende und Unternehmen: Setzt euch mit uns ein gegen die Zerstörung unserer Altstadt! Brandaktuell geht es speziell um das Böckleensemble. Redet und schreibt immer und mit jedem Interessierten oder Gelangweilten über das Thema. Nervt und setzt Nadelstiche. Nehmt vermeintliche Tatsachen nicht einfach hin, sondern stellt stattdessen kritische Fragen – beispielsweise bei der Bürgerfragestunde im Gemeinderat und im Netz. Bringt euch ein mit Kritik, Ideen und – wenn das Böckleensemble dann zum Zeughausensemble wird – mit eurer Arbeitskraft und Geld! Ihr werdet von uns hören.

Matthias Goll, Bretten-Dürrenbüchig am 20. Oktober

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P.S. Auch ein weiteres Gebäude – am Gottesackertor 13 – wurde von der Stadt jüngst zum Zweck des Abrisses erworben. Dabei steckt in dem unscheinbaren Haus der Rest der mehrfach brandgeschädigten mittelalterlichen Gottesackermühle, die auch von der Stadtansicht 1645 bekannt ist. Für diesen Abriss wird – wie beim Böckleensemble – ein Grund ins Feld geführt, der in keiner Weise zum werbewirksam kolportierten vermeintlichen Kulturerbe-Bekenntnis der Stadt passen will: Die Mühle soll Platz machen für einen Radweg entlang des Saalbachs von der Pforzheimer Straße bis zur alten Post. Auch hier wird soll die Abrissbirne der Kreativität vorgezogen werden. Eine Verlegung des Radwegs ans linke Ufer oder gar als übers Wasser ragender, parallel zum Wasserlauf liegender Steg als Umgehung der Mühle wären Alternativen zum Abriss. Wäre es nicht schön, wenn Bretten wieder eine Mühle samt Mühlrad hätte? Wäre nicht genau eine solche Idee einer Landesgartenschau würdig? Glücklicherweise setzt sich aktuell der Verein Lasso e.V. für den Erhalt der Mühle ein (www.gottesackemuehle.de). Durch die Öffentlichkeitsarbeit wurde anhand zugespielten Bildmaterials in den letzten Tagen Fakten dazu gesammelt, dass es sich bei dem heutigen Gebäude tatsächlich um die alte Mühle handelt. Eine bis zu 800 Jahre alte Mühle reist hoffentlich niemand so einfach ab. Wir bleiben dran!

Autor:

Matthias Goll aus Bretten

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