Umfrage: Meinungen zu den Ergebnissen der Bundestagswahl 2017

Stefan Hammes, Erster Vorsitzender des TV Bretten
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  • Stefan Hammes, Erster Vorsitzender des TV Bretten
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Die Umfrage der Brettener Woche zeigt: Mit Spannung schauen die Menschen in der Region nach der Bundestagswahl nach Berlin. Nicht nur das Ergebnis der AfD bereitet Sorgen, auch die Aussicht auf eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen verspricht noch einiges an Überraschungen und Zündstoff. Positiv wird jedoch die hohe Wahlbeteiligung hervorgehoben. Diese lag in Baden-Württemberg mit 78,3 Prozent sogar noch höher als der Bundesdurchschnitt.


Martin Wolff, Oberbürgermeister von Bretten

Positiv ist für mich bei dieser Bundestagswahl vor allem die gestiegene Wahlbeteiligung. Das zeigt, die verschiedenen Parteien haben es geschafft die Bürger zu mobilisieren und an die Wahlurnen zu bringen. Jetzt muss natürlich schnell eine regierungsfähige Mehrheit gebildet werden. Dabei läuft wohl alles auf ein sogenanntes „Jamaika-Bündnis“ aus CDU, FDP und Bündnis90/Die Grünen heraus. Dieses Bündnis ist für mich eine sehr interessante Melange. Dabei sollten die drei Parteien in den Koalitionsverhandlungen nicht zu sehr auf ihre eigenen Befindlichkeiten achten, sondern vor allem wieder den Bürger und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt des Regierens stellen. Zu diesen Bedürfnissen zähle ich unter anderem eine funktionierende Infrastruktur, bezahlbare Mieten und die Wahrung des sozialen Friedens. Diese Bedürfnisse haben alle Menschen.

Stefan Kleck, Geschäftsführer der Stadtwerke Bretten

Obwohl ich es erwartet beziehungsweise befürchtet hatte, macht mich das hohe Ergebnis der AfD erschrocken und traurig – vor allem da es in Bretten noch höher liegt als im Bundesdurchschnitt. Aus Sicht der Stadtwerke sehe ich die wohl wahrscheinliche Jamaika-Koalition zumindest kritisch. Gerade bei der Energie- und Klimapolitik liegen die Meinungen weit auseinander. Dass die notwendigen Kompromisse dann zu sachlich guten Ergebnissen führen, bezweifle ich nach den bisherigen Erfahrungen aus der Vergangenheit.

"Abwarten, wie es sich entwickelt"

Jay Alexander, Tenor

Ich habe das Ergebnis der Bundestagswahl mit großem Schrecken aufgenommen. Dass die CDU so viele Wähler verloren hat, hat mich tief getroffen. Die Ergebnisse der AfD haben mich erschreckt, aber nicht überrascht, wenn man sich den Unmut in der Bevölkerung ansieht. Da muss ich aber auch die Medien kritisieren, die dieser Partei immer wieder eine große Plattform geboten haben. Die etablierten Parteien haben zudem den Fehler gemacht, die AfD von oben herab zu behandeln. Das spürt das Volk und schürt noch mehr Unmut. Dem kann man nur begegnen, wenn man sich an einen Tisch setzt und miteinander redet. Jetzt müssen wir abwarten, wie es sich entwickelt. Ich denke, wir müssen uns darauf einstellen, dass harte Konfrontationen an der Tagesordnung sein werden.

Dietrich Becker-Hinrichs, Pfarrer der evangelischen Luther-Gemeinde Bretten

Ich bin, was die Bundestagswahl betrifft, sehr beunruhigt über das starke Abschneiden der AfD. Das war mehr als die Umfragen angedeutet hatten. Und ich glaube, dass eine Große Koalition immer nur eine Notlösung sein kann und der Demokratie nicht gut tut. Wir hatten ja in Deutschland mehrfach große Koalitionen: einmal auf Bundesebene Ende der 1960er Jahre, da wurde die NPD stark, und als Anfang der 1990er Jahre auf Landesebene CDU und SPD zusammen regiert haben, kamen die Republikaner in den Landtag. Ich halte es daher für richtig, dass die SPD in die Opposition geht, sich erneuert und eine starke Opposition bildet. Was mir Sorge macht, ist die Fremdenfeindlichkeit in unserem Land, die durch die Wahl deutlich wird. Dagegen sollten alle Demokraten angehen.


"Demokratin genug, dass ich dieses furchtbare Wahlergebnis akzeptiere"

Helga Essert-Lehn, Kunsttherapeutin und freischaffende Künstlerin

Es zeigte sich lange vorher schon, und doch hatte ich gehofft, dass die Wähler mit Bedacht zur Wahl gehen. Beschämend, dass nach so vielen Jahren eine Partei wie die AfD in den Bundestag Einzug hält. Haben wir nichts gelernt aus unserer Vergangenheit?

Petra Schalm, Gemeinderätin, Vorsitzende des Gewerbevereins Gondelsheim und Preisträgerin des Kreisintegrationspreises 2017

Ich hatte den Ausgang der Wahl so befürchtet – und bin dennoch entsetzt. Aber ich bin auch Demokratin genug, dass ich dieses furchtbare Wahlergebnis akzeptiere. Nun muss die neue Partei im Bundestag zeigen, ob sie auch zu Sachthemen Stellung nehmen kann und nicht nur im Wahlkampf die ehemaligen Nichtwähler und die Protest- und Angstwähler überzeugen konnte. Die etablierten Parteien sollten aber auch diese Herausforderung annehmen und schnellstens, auch in der Kommunal- und Landespolitik, mehr Nähe zeigen, Ängste nehmen und die Probleme angehen. Ich gehöre nicht zu diesem „Volk“, das angeblich zurückgeholt werden muss. Mir gefällt es hier, meine Heimat ist bunt, weltoffen, steht für Religionsfreiheit und Demokratie. Die nächsten vier Jahre werden spannender denn je.

Stefan Hammes, Erster Vorsitzender des TV Bretten

Ich hatte mir ein anderes Ergebnis gewünscht. Ärgerlich ist, dass es nun so viele destruktive Kräfte im Bundestag gibt. Dass sich diese große Anzahl an Wählern auch bei einer Bundestagswahl für das rechte Extrem begeistern lassen, haben wohl alle gemäßigten Parteien unterschätzt. Die Verhandlungen zur Koalition werden spannend, aber ich glaube, da kann etwas ganz Gutes dabei herauskommen.

Autor:

Wiebke Hagemann aus Bretten

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