Verlagerung von Pflegeheim in Bretten sorgt für Streit: Caritas und katholische Kirchengemeinde liegen im Clinch

In der neuen Südbau-Planung für das Mellert-Fibron-Areal sind die Gebäudetrakte 1-4 in Richtung Technisches Rathaus (rechts) verschoben, die Gebäude 5 und 6 links  stellen das betreute Wohnen und das neue katholische Altenhilfezentrum dar. Im Bild unten das Kraichgau-Center.
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  • In der neuen Südbau-Planung für das Mellert-Fibron-Areal sind die Gebäudetrakte 1-4 in Richtung Technisches Rathaus (rechts) verschoben, die Gebäude 5 und 6 links stellen das betreute Wohnen und das neue katholische Altenhilfezentrum dar. Im Bild unten das Kraichgau-Center.
  • Foto: Südbau GmbH
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Im Zusammenhang mit der Vorstellung neuer und weiterentwickelter Planungen zur Bebauung von Teilflächen des ehemaligen Mellert-Fibron-Areals ist am Dienstagabend im Gemeinderat überraschend ein heftiger Konflikt zwischen katholischer Kirchengemeinde und Caritas zutage getreten.

Bretten (ch) Im Zusammenhang mit der Vorstellung neuer und weiterentwickelter Planungen zur Bebauung von Teilflächen des ehemaligen Mellert-Fibron-Areals ist am Dienstagabend im Gemeinderat überraschend ein heftiger Konflikt zwischen katholischer Kirchengemeinde und Caritas zutage getreten. Anlass ist die Absicht des Caritasverbands Ettlingen, das bestehende Altenhilfezentrum St. Laurentius vom bisherigen Standort an der Apothekergasse weg auf das Mellert-Fibron-Gelände zu verlagern.

Altstadtrat spricht von "Verbrechen"

Gleich zu Beginn der Sitzung hatte Altstadtrat Manfred Groß das Projekt in ungewöhnlich emotionaler Form als „Verbrechen“ gegeißelt und seine verschwiegene Vorbereitung angeprangert. Er warf der Caritas vor, sie handle „ungerecht gegen die katholische Kirche in Bretten“, und drohte mit einer „Aktion“, falls das Vorhaben durchkomme.

St. Laurentius-Pflegeheim und Betreutes Wohnen sollen aufs Mellert-Fibron-Areal

Wie Geschäftsführer Markus Vierling von der mit der Überplanung des Geländes beauftragten Brettener Firma Südbau einige Tagesordnungspunkte später den Stadträten erläuterte, möchte der Caritasverband in südlicher Fortsetzung des zwischen Kraichgau-Center und der Bahnlinie Bretten-Mühlacker geplanten Dienstleistungszentrums ein neues Altenpflegeheim sowie ein separates Gebäude für betreutes Wohnen errichten. Im Pflegeheim sind auf drei Geschossen 45 Pflegeplätze in Wohngruppen, 25 Tagespflegeplätze, die kirchliche Sozialstation, die Verwaltung, eine Cafeteria und ein Friseur vorgesehen, im betreuten Wohnen auf vier Ebenen 30 bis 35 Wohnungen.

Gemeinderäte sind von Streit überrascht

Von der Heftigkeit der vorangegangenen Kritik zeigte sich nicht nur Oberbürgermeister Martin Wolff, der sich bei Groß für die „offenen Worte“ bedankte, überrascht. Die offenbar mangelnde Kommunikation zwischen Caritas und Kirchengemeinde wurde mit Worten wie „sehr verwundert“ (Günter Gauß, CDU), „schade“ (Gerd Bischoff, FDP/Bürgerliste) oder „fassungslos“ (Heidemarie Leins, FWV) kommentiert. Nach Ansicht von Renate Knauss (SPD) müssen die Kontrahenten ihr Problem jedoch „unter sich lösen“.

Caritas-Vorstandsvorsitzende verteidigt Pläne

Gleichwohl hörte man sich an, was die anwesende Vorstandsvorsitzende des Caritasverbands, Yvonn Hürten, dazu zu sagen hatte. Demnach ist die Caritas seit Juni 2016 mit der Kirchengemeinde, mit Pfarrer Maiba und mit dem Stiftungsrat von St. Laurentius im Gespräch. Eine fachliche Prüfung habe ergeben, dass ein Weiterbetrieb im bisherigen, 32 Jahre alten Gebäude nach der ab August 2019 gültigen Einzelzimmervorschrift nicht wirtschaftlich sei. Da ein Umbau zu teuer und ein Neubau am bisherigen Standort wirtschaftlich zu riskant sei, habe man empfohlen, den Pachtvertrag an der Apothekergasse zum 31. Dezember 2018 zu kündigen und einen Alternativstandort zu suchen. Um der Entscheidung des Gemeinderats darüber nicht vorzugreifen, habe man die Beteiligten zur Verschwiegenheit verpflichtet.

"Unternehmerische Entscheidung"

Warum es denn nicht möglich sei, mit der Kirchengemeinde über die Standortfrage zu sprechen, „bevor sich Gräben auftun“, an den Bahngleisen wollten die Bürger eben nicht wohnen, wandte Martin Knecht (CDU) ein. Weil es sich um eine „unternehmerische Entscheidung“ handle, konterte Yvonn Hürten. Die Caritas habe als Träger die Verantwortung und die Kirchengemeinde wisse, dass sie an den Bauplanungen nicht beteiligt werde.

Positive Kenntnisnahme von neuen Planungen

Die generelle Planung der Firma Südbau, die das Dienstleistungszentrum nach Wegfall der Hotelpläne direkt an die Hermann-Beuttenmüller-Straße heranrückt und statt einer Tiefgarage ein viergeschossiges Parkhaus vorsieht, wurde mehrheitlich positiv zur Kenntnis genommen. Laut Markus Vierling könnte schon diesen Sommer mit dem Bau begonnen werden. Gernot Fritz (FWV) erinnerte seine Kollegen allerdings an die Lärmbelastung des Standorts. Der Antrag von Otto Mansdörfer (Grüne), den für Pflegeheim und betreutes Wohnen vorgesehenen Geländeabschnitt nach einem mehr Lärmschutz versprechenden, veränderten städtebaulichen Konzept zu bebauen, fand keine Mehrheit.

Weitere Beratungen zum Thema im Juli

Beschlossen wurde jedoch noch nichts. Im Juli wird sich der Gemeinderat voraussichtlich mit dem Ergebnis des laufenden Lärmgutachtens und der notwendigen Änderung des Bebauungsplans beschäftigen.

Autor:

Chris Heinemann aus Bretten

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