Geschäftsführer der Regionale Kliniken Holding fordert harten Lockdown "für zwei bis drei Wochen"
"Wir müssen testen, testen, testen"

Bretten/Bruchsal (bea) "Wir müssen testen, testen, testen." So lautet das Fazit des Geschäftsführers der RKH-Kliniken, Professor Dr. Jörg Martin, beim dritten Corona-Update des Klinikverbunds, zu dem auch die Rechbergklinik Bretten und die Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal gehören. "Gesundheitspolitik und Gesundheitsvorsorge müssen mittelfristig gesehen anders aufgestellt werden", fordert er zudem. Momentan falle man hingegen in alte Muster zurück. Martin hofft, dass die Politiker auf die geforderte Diskussion um Veränderungen im Gesundheitssystem eingehen würden, sobald die dritte Welle vorbei sei.

"Es ist bereits fünf nach zwölf"

Mittlerweile habe er aber feststellen müssen, dass Wahlkampf und Gesundheitspolitik nicht gut zueinander passten. Nichtsdestotrotz müsse nun ein klarer Weg eingeschlagen und ein harter Lockdown über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen verhängt werden. Dieser sei notwendig, um die Zahlen, die unter der Berücksichtigung von Inzidenz, R-Wert und der Belegung der Intensivstationen bewertet werden müssten, nach unten zu bringen. "Wir brauchen eine Inzidenz von unter 20", sagt Martin. Und weiter: "Es ist bereits fünf nach zwölf."

Steigende Zahl von Intensivpatienten erwartet

Niemand könne mehr das ständige Hin und Her der Politik in Zusammenhang mit den Inzidenzen nachvollziehen. Menschen würden auch aus einem sich im Lockdown befindenden Stuttgart nach Ludwigsburg fahren, um in den dortigen Geschäften einzukaufen, so Martin. Dies mache lokal gültige Maßnahmen ineffektiv. Doch höhere Infektionszahlen bedeuteten wiederum höhere Fallzahlen in Krankenhäusern und auf deren Intensivstationen. Momentan lägen Corona-Patienten in den Krankenhäusern, die zu gut 75 Prozent mit der britischen Coronavirus-Variante infiziert seien. Darunter seien auch viele jüngere Menschen zu finden. Daher erwarte man auch im Klinikverbund eine steigende Anzahl von Patienten auf der Intensivstation. Dort betrage die Sterbewahrscheinlichkeit bei den mit der britischen Variante infizierten Personen 50 Prozent, unabhängig vom Alter.

Große Impfbereitschaft unter den Mitarbeitern

Zwar würden die Mitarbeiter dort weiterhin die Stellung halten, seien inzwischen jedoch "müde und ausgepowert", sagt Götz Geldner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie im RKH Klinikum Ludwigsburg. Die Zahlen im Zusammenhang mit dem Coronavirus präsentierte Stefan Weiß, Katastrophenschutzkoordinator und Leiter des Corona-Krisenstabsmanagements bei der RKH. Laut ihm sei die Zahl der positiv getesteten RKH-Mitarbeiter seit dem Hochpunkt im Dezember mit 165 auf 14 im Februar zurückgegangen. Dies liege wohl auch an der großen Impfbereitschaft der Mitarbeiter. Während im Oktober noch 4.525 Schnelltests durchgeführt wurden, stieg die Zahl im März auf 35.325 Tests an. Dies liege auch daran, dass Mitarbeitern mittlerweile angeboten werde, sich fünfmal in der Woche testen zu lassen. 

Geringere Auslastung der Notaufnahmen

Zu beobachten sei im Laufe des vergangenen Jahres zudem eine deutlich geringere Auslastung der zentralen Notaufnahmen im Klinikverbund gewesen. Dies und geringere Belegzahlen hätten sich auf die Finanzen der Kliniken ausgewirkt. Daher hänge das finanzielle Überleben der Kliniken ebenfalls von den vom Staat erhaltenen Hilfen ab. Nichtsdestotrotz sei eine weitere Coronaprämie von bis zu 1.500 Euro pro Mitarbeiter geplant, die im Juni zur Auszahlung kommen könnte.

Telenetzwerk aufbauen, um intensivmedizinische Behandlung zu optimieren

Während im vergangenen Jahr 1.871 Corona-Patienten in den Kliniken behandelt wurden, davon 426 auf der Intensivstation, seien in 2021 bereits 537 Patienten wegen Covid-19 in Behandlung gewesen. Seit dem 9. März könne man zudem einen neuen Aufwärtstrend bei den Neuansteckungen beobachten. Zwar habe man weniger Patienten, dafür dauere deren Behandlung länger an. Auch versuche man die Anzahl der zwischen Krankenhäusern verlegten Patienten zu minimieren. Eine Verlegung wurde im vergangenen Jahr bei fast 300 Patienten notwendig, um deren Betreuung zu optimieren. Daher wolle man ein Telenetzwerk in ganz Baden-Württemberg aufbauen, um intensivmedizinische Experten an alle Krankenhäuser bringen zu können und die Behandlung in allen Häusern anzugleichen. Ein entsprechender Antrag an das Sozialministerium sei bereits gestellt.

Autor:

Beatrix Drescher aus Bretten

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