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Alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern muss dank eines Lesers der Brettener Woche nicht ins Obdachlosenheim
"Fühlen uns endlich wieder wohl"

Der 31-jährigen Yasemin N. drohte der Einzug ins Obdachlosenheim. Dank eines Lesers der Brettener Woche hat sie ein neues Zuhause in Bretten gefunden. Foto: archiv
  • Der 31-jährigen Yasemin N. drohte der Einzug ins Obdachlosenheim. Dank eines Lesers der Brettener Woche hat sie ein neues Zuhause in Bretten gefunden. Foto: archiv
  • hochgeladen von Havva Keskin

Bretten (hk) Yasemin N. ist glücklich: Einem Leser der Brettener Woche hat es die fünffache Mutter zu verdanken, dass sie und ihre Kinder auch in Zukunft ein sicheres Dach über dem Kopf haben. Bis vor einigen Wochen hatte die 31-Jährige noch bangen müssen, in der städtischen Obdachlosenunterkunft in Bretten zu landen, nachdem sie eine gerichtlich angeordnete Frist zur Räumung ihrer Wohnung in einem Brettener Stadtteil erhalten hatte (wir berichteten). Dorthin wollte sie aber ihrem Baby und dessen vier älteren Geschwistern zwischen drei und zehn Jahren zuliebe auf keinen Fall. In der Unterkunft hätte sie nur ein oder zwei Zimmer beziehen können, allerdings ohne ihren Hausstand. Außerdem wäre sie dort auf Gemeinschaftsbad und -küche angewiesen gewesen. Eine Wohnungsabsage nach der anderen hatte sie bis dahin kassiert – und die Hoffnung fast schon aufgegeben. Ihre Freude, aber auch Erleichterung kann sie heute kaum in Worte fassen, als sie sich bei der Redaktion der Brettener Woche meldet: „Entschuldigen Sie, dass ich so aufgeregt bin“, sagt sie mit einem Lachen in der Stimme. Denn das Schicksal der alleinerziehenden Brettenerin wendete sich schließlich zum Guten.

Mietverhältnis durch „Wohnraum für alle“

Als sie ihre Hilflosigkeit mit den Lesern der Brettener Woche teilte, nahmen zahlreiche Menschen – selbst aus dem weiteren Umkreis – regen Anteil am Schicksal der jungen Mutter, der in zahlreichen E-Mails an die Redaktion zum Ausdruck kam. Auch ein Brettener (Name ist der Redaktion bekannt) war unter denjenigen, die durch den Artikel auf Yasemin N. aufmerksam geworden sind. Er bot daraufhin der sechsköpfigen Familie kurzerhand eine Wohnung in einem Haus zur Miete in einem Brettener Stadtteil an. "Da ich gewillt war, an Frau N. mit ihren fünf Kindern zu vermieten, aber für mich vorher noch offene Fragen zu klären waren, wandte ich mich an Stefan Murr von der Diakonie in Bretten", erzählt er. So kam das Mietverhältnis letztendlich über die Initiative „Wohnraum für alle“ zustande, die das Diakonische Werk, die Dr. Gaide-Stiftung und die Evangelische Kirchengemeinde in Bretten vor zwei Jahren initiiert haben. Ziel der Initiative ist es, Menschen mit erschwertem Zugang zum Wohnungsmarkt, zum Beispiel Menschen mit geringem Einkommen, Alleinerziehende, kinderreiche Familien oder Menschen mit Behinderung, bezahlbaren Wohnraum zu vermitteln. Dazu wirbt sie in der Bevölkerung für die Bereitstellung von Wohnraum in Bretten und Umgebung.

Ehrenamtliche Wohnungspaten sind im Einsatz

Murr ist dabei für die Koordination zuständig: Er bringt den Vermieter mit den passenden Mietern zusammen und begleitet das Mietverhältnis auch dauerhaft. Es gibt zudem ehrenamtliche Wohnungspaten als Ansprechpartner für beide Parteien, die die Mieter auch regelmäßig in der Wohnung besuchen. Um finanzielle Risiken aufzufangen, hat sich die Initiative einige Partner ins Boot geholt: Die Brettener Stadtwerke, die Städtische Wohnungsbau, die Stadt Bretten, der evangelische Kirchenbezirk Bretten-Bruchsal sowie die römisch-katholische Kirchengemeinde Bretten-Walzbachtal zahlen in einen Fonds ein, aus dem bei Bedarf Mietausfallzahlungen oder Mietkautionen übernommen werden. Auch kann die Initiative ein zinsloses Darlehen in Höhe der Mietkaution gewähren, wenn der Mieter dafür nicht aufkommen kann.

Verantwortung für Menschen in Not übernehmen

Die Corona-Pandemie habe die Initiative vor große Herausforderungen gestellt, erzählt Murr weiter. Der Plan, in Kirchen, Seniorenzentren oder etwa beim Rotary Club für das Projekt zu werben, sei nicht aufgegangen. Dennoch seien auch während der Pandemie Vermittlungen geglückt. Bisher habe man durch neun vermittelte Mietverhältnisse insgesamt 26 Personen helfen können. "Es gibt eine sehr lange Liste mit Wohnungssuchenden. Es melden sich bisher aber noch zu wenige Menschen, die Wohnraum zum Vermieten haben", berichtet Murr. Man würde sich daher sehr viel Mühe geben, den Vermietern die Ängste zu nehmen. Viele hätten die Sorge, dass die Wohnung verwahrlost oder die Miete nicht gezahlt werden würde. Manche hätten auch Bedenken, dass sich zwischenmenschliche Probleme ergeben könnten. Im Fall von Familie N. übernimmt das Amt die Miete – sie wird direkt an den Vermieter überwiesen. Viele Vermieter hätten es, laut Murr, aber aus finanzieller Sicht nicht nötig, Wohnraum zu vermieten. "Aber sollten wir als soziale Gesellschaft nicht Verantwortung für Menschen in Not übernehmen?", fragt er. Die Zahl jener Menschen, die unverschuldet in Not geraten würden, sei nicht klein. Erfreulich sei, dass es bei den Mietverhältnissen, die durch die Initiative entstanden sind, bisher zu keinen Problemen gekommen sei.

Kinder haben großen Hof zum Spielen

"Herr Murr hat im gemeinsamen Gespräch mit Frau N. und mir vieles klären können. Ich habe mich wirklich sehr gut betreut gefühlt", erzählt der Vermieter im Rückblick. Besonders gut gefallen habe ihm an der Initiative „Wohnraum für alle“, dass Yasemin N. nun auch einen Wohnpaten erhalte, der sie in regelmäßigen Abständen besuchen werde und bei eventuell auftretenden Problemen vermitteln könne. "So wird man als Vermieter nicht allein gelassen", freut er sich. Bei Fragen, die zunächst nicht geklärt werden können, ergänzt Murr, sei im Rahmen der Initiative die Möglichkeit gegeben, einen ehrenamtlichen Anwalt heranzuziehen.
Yasemin N. kann ihr Glück derweil immer noch nicht ganz fassen: "Es ging alles so schnell", sagt sie und ergänzt: "Aber nun fühlen wir uns endlich wieder ganz wohl. Und meine Kinder freut es sehr, dass sie einen großen Hof zum Spielen haben." Durch den Artikel in der Brettener Woche/kraichgau.news hätten sich "sehr viele, sehr liebe Menschen" bei ihr gemeldet. "Allen, die mir eine Wohnung angeboten haben oder mir auf andere Weise ihre Unterstützung zugesagt haben, bin ich sehr dankbar", betont sie.

Weitere Informationen zur Initiative "Wohnraum für alle" gibt es beim Diakonischen Werk in Bretten. Ansprechpartner dort ist Stefan Murr (07252 58690-46 oder -0, stefan.murr@diakonie-laka.de).

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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