OB Wolff: „Ich würde dort wohnen” - Diskussion über Sozialwohnungsbau in Gölshausen

Ein Bauprojekt, viele Meinungen: Bei der Diskussion stellte der Gölshäuser Ortsvorsteher Manfred Hartmann (mit Mikrofon) den Standpunkt des Ortschaftsrats dar. swiz
 
Die IG hatte die Höhe der geplanten Häuser mit großen schwebenden Luftballons markiert.

Pünktlich zum Beginn der von der Interessengemeinschaft Römerstraße organisierten Diskussionsrunde zum geplanten Sozialwohnungsbau Am Knittlinger Berg in Gölshausen (wir berichteten) hatte der Himmel seine Schleusen geöffnet.

Bretten-Gölshausen (swiz) Pünktlich zum Beginn der von der Interessengemeinschaft Römerstraße organisierten Diskussionsrunde zum geplanten Sozialwohnungsbau Am Knittlinger Berg in Gölshausen (wir berichteten) hatte der Himmel seine Schleusen geöffnet. Dicht gedrängt standen die rund 90 Besucher daher am vergangenen Montag unter dem Vordach eines Anliegerhauses, während der Regen in dicken Tropfen gegen die Glasscheiben prasselte. Abkühlung erfuhr das umstrittene Thema durch das Nass von oben allerdings bei weitem nicht, auch wenn sich am Ende der Veranstaltung ein Kompromiss abzeichnete. Stellvertretend für die IG führte jedoch zuerst Florian Storch den Anwesenden, darunter Oberbürgermeister Martin Wolff, Bürgermeister Michael Nöltner, der Ruiter Ortsvorsteher Aaron Treut sowie Stadträte der Grünen, SPD, Linke und „die aktiven”, noch einmal die Kritikpunkte vor Augen. Zum einen sei die Zufahrtsstraße mit ihrer Breite von 3,46 Meter einfach zu schmal. Rechne man die normale Gehwegbreite von 1,80 Meter ab, bliebe weniger als 1,70 Meter Restbreite für die Fahrbahn übrig, so Storch. Könne man von Seiten der Stadt überhaupt garantieren, dass mögliche Rettungseinsätze problemlos verliefen?, fragte ein besorgter Bürger. Knappe Antwort von Nöltner: „Die sicherheitstechnische Planung muss gegeben sein, sonst kann man da nicht bauen. Wenn die Feuerwehr da nicht rein- und rauskommt, dann lassen wir es sein.”

„Diese Zahlen sind schlicht falsch”

Große Kritik gab es auch diesmal an der Zahl der Menschen, die künftig die viergeschossigen Gebäude auf dem Areal direkt an der S-Bahnlinie bewohnen soll, wobei das Erdgeschoss als Parkgarage genutzt wird. Während der schon Monate andauernden Diskussion waren immer wieder Bewohnerzahlen zwischen 100 und 150 Menschen genannt worden. „Diese Zahlen sind schlicht falsch”, betonte Nöltner. Geplant seien 32 Wohneinheiten mit jeweils im Schnitt 2,3 Personen, so der Bürgermeister. Diese rund 74 Personen lägen deutlich unter den „kolportierten Zahlen”. Dennoch, so der Gölshäuser Ortsvorsteher Manfred Hartmann, sei dies „das letzte Loch, wo man so ein Vorhaben realisieren sollte”. Die Leute seien dort völlig unter sich und abgeschottet. Im Ortschaftsrat sei man aber zu einem Kompromiss bereit. Wenn man die Anzahl der Bewohner halbiere, dann könne man das Vorhaben mittragen. „Dann ließe sich in Gölshausen sicher auch noch ein anderes Grundstück für eine weitere Bebauung finden.”

Ein Kompromiss in Teilen

Diese ausgestreckte Hand ergriff Nöltner teilweise. Es gebe die Möglichkeit einer schrittweisen Bebauung. „Wir könnten beispielsweise zuerst zwei Häuser bauen und dann beobachten, wie sich die Situation mit den neuen Bewohnern entwickelt.” Wenn das Ganze dann in eine falsche Richtung laufe, werde man auch keine weiteren Häuser bauen, so Nöltner. Die IG Römerstraße zeigte sich für den Vorschlag vorsichtig aufgeschlossen, wie Mitglied Simone Sienel gegenüber der Brettener Woche erklärte. „Wir sind auch dann über die Situation nicht glücklich, aber wir kommen wohl um einen Kompromiss nicht herum.” Ortsvorsteher Hartmann plädierte dafür, diese begrenzte Bebauung auch im Bebauungsplan festzuschreiben, dann könne das der Ortschaftsrat mittragen. „Wir denken noch einmal darüber nach”, so OB Wolff abschließend, entscheiden müsse aber letztlich der Gemeinderat. Er wolle es zudem nicht versäumen, so Wolff, noch einmal Kritik an der Kritik zu äußern. „Viele Anwohner bezeichnen den Bauplatz als letztes Loch, aber sie wohnen doch selbst nur 50 Meter weit weg.” Das fände er schon bemerkenswert. Er jedenfalls könnte sich vorstellen, in den Sozialwohnungen zu wohnen, so Wolff. Es gebe schließlich nette Nachbarn. Eine Bemerkung, die teils höhnische Reaktionen der Teilnehmer zur Folge hatte.

Gutachten nicht einsehbar

Deutlichen Unmut entfachte der OB auch mit seinen Äußerungen zum Thema Bodengutachten. Das frühere Galvanikgelände, auf dem die Sozialwohnungen gebaut werden sollen, sei, so Storch, mit Arsen und Nickel belastet. Dennoch habe man noch nie ein Gutachten zu dieser Belastung zu Gesicht bekommen. Die Gutachten gebe es, so Wolff. Allerdings seien diese nicht öffentlich einsehbar und das werde auch so bleiben, da dies Privatsache der Stadt sei. Die Belastung halte sich allerdings in Grenzen, versicherte der OB. Sonst sei die Bebauung finanziell auch gar nicht darstellbar, ergänzte Nöltner. Zum Abschluss ging es für die Teilnehmer dann noch zum Besichtigungstermin zum geplanten Baugrund. Dort hatte die IG die Höhe der geplanten Häuser mit großen schwebenden Luftballons markiert. Ob und in welcher Ausgestaltung aus den Luftballons bald Häuserwände werden, soll im Rat noch vor der Sommerpause entschieden werden.
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2 Kommentare
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Paul Sager aus Bretten | 16.05.2018 | 21:59   Melden
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Richard Neujahr aus Bretten | 19.05.2018 | 00:09   Melden
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