Tierhändler gehen Polizei eher zufällig ins Netz / Tiere müssen mühsam resozialisiert werden
"Händler sind häufig nicht mehr zu fassen"

Tierwelpen aus illegalen Tiertransporten stammen meist aus Osteuropa. Rawpixel/stock.adobe.com
  • Tierwelpen aus illegalen Tiertransporten stammen meist aus Osteuropa. Rawpixel/stock.adobe.com
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Region (hk) Wohlüberlegt sollte die Anschaffung eines Haustieres sein. „Ein junges Tier kann 14 Jahre und älter werden, verursacht Kosten und hat auch Bedürfnisse, denen nicht jeder gerecht werden kann“, weiß Pamela Rischke vom Vorstand im Tierheim in Karlsruhe. Tierheime achten daher genau darauf, wohin ihre Schützlinge vermittelt werden. Deshalb erfolgt die Abgabe auch meist über eine Vorkontrolle und eine Schutzgebühr. Wer sich darüber hinwegsetzt, nimmt Umwege in Kauf und landet manchmal bei dubiosen Tierschützern, vornehmlich aus dem Ausland.

"Tiere sind mit der Situation überfordert"

Rischke kennt die traurige Realität: „Meistens befinden sich die Hunde in einem desolaten, gesundheitlichen Zustand, sind schon vor Ort gestresst, verängstigt und verfallen in Panik, weil sie in viel zu kleine Boxen hineingesetzt werden.“ Von einer „Rettung“ könne in diesem Zusammenhang keine Rede sein. „Die Hunde, zum Beispiel aus Rumänien, sind schon mit der Situation vor Ort überfordert.“ Unter schlechten Bedingungen, wie etwa in engen Boxen, werden sie dann aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen, nach Deutschland transportiert und kommen dort verstört und traumatisiert an. Schon allein der Transport könne sich äußerst nachhaltig auf das Verhalten der Tiere auswirken. Zusätzlich seien viele Hunde oftmals mit der neuen Situation und den Anforderungen in den neuen Familien überfordert, was wieder ein Dilemma für die Tiere darstellen kann. „Viele Hunde müssen dann erst einmal mühsam resozialisiert werden, was den neuen Besitzern viel Geduld und auch oftmals auch Hundeerfahrung abverlangt.“ Solche Transportbedingungen seien schlichtweg Tierquälerei.

"Händler häufig nicht mehr zu fassen"

Wie Michael Strohmayer von der Pressestelle des Landratsamtes im Enzkreis auf Nachfrage betont, würden illegale Tiertransporte nur selten im Enzkreis vorkommen. Bei den wenigen Fällen handele es sich überwiegend um illegalen Welpenhandel und die Tiere kämen meist aus Osteuropa. Dabei geschehe es eher zufällig im Rahmen anderweitiger Kontrollen, dass der Polizei Tierhändler ins Netz gehen würden. „Zwei Mal pro Jahr finden landesweit gezielt Tierschutztransportkontrollen durch Veterinäre gemeinsam mit der Polizei entlang der Transitstrecken statt“, so Strohmayer. Bei Tieren, die aus Tollwut-Gebieten kommen, bestehe bei fehlender Impfung zudem die Gefahr, dass sich Menschen infizieren und sterben könnten. Es sei schwierig, Verstöße zu ahnden: „Meistens trifft es die Halter, die die Tiere übernommen haben. Die eigentlichen Händler sind häufig nicht mehr zu fassen.“

Tiere werden unter unwürdigen Bedingungen geboren

Doch warum kommt es immer wieder zu Fällen, in denen Zollbeamte Tiere aus Transportern retten müssen? „Weil die Hunde aus dem Ausland wesentlich günstiger sind“, erklärt Rischke. Was viele nicht beachten würden, sei die Tatsache, dass die oftmals reinrassigen Welpen unter unwürdigen Bedingungen geboren würden. „Die Mutterhündinnen leben in Verschlägen, in denen sie auf ihren eigenen Fäkalien liegen müssen.“ Die Hündinnen müssten, um profitabel zu sein, mehrere Würfe im Jahr großziehen – eine „unglaubliche Belastung und Qual“. Sowohl die Hündinnen als auch die Welpen seien oftmals sehr krank, hätten Missbildungen und würden nicht tiermedizinisch versorgt. „Die Sterblichkeitsrate der Welpen ist daher sehr hoch, auch weil keine Impfungen durchgeführt werden.“

Klare gesetzliche Regeln

Dabei sind die gesetzlichen Regelungen, was den Transport und den Handel mit Tieren betrifft, eindeutig. Dr. Yvonne Regier, Amtstierärztin im Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung beim Landratsamt in Karlsruhe informiert gegenüber der Brettener Woche/kraichgau.news, dass beim „Verbringen von Hunden innerhalb der Europäischen Union insbesondere das Tiergesundheitsrecht zu beachten“ sei. Danach dürften Welpen nur mit einer gültigen Tollwutimpfung, die frühestens nach Ablauf der zwölften Lebenswoche und mindestens 21 Tage vor dem Verschicken erfolgen muss, "versandt" werden. Somit müssten Welpen zum Zeitpunkt des Verbringes mindestens 15 Wochen alt sein. Gleichzeitig sei eine Kennzeichnung des Hundes mittels eines Chips vorzunehmen. „Die entsprechenden Eintragungen haben im EU-Heimtierausweis durch ermächtigte, in der Regel praktische Tierärzte zu erfolgen“, so Regier. Gemäß den tierschutzrechtlichen Anforderungen an den Transport der Tiere müssten beispielsweise Transportunternehmer über eine Zulassung verfügen, die Transportmittel zugelassen sein und die Fahrer beziehungsweise Betreuer einen Befähigungsnachweis vorlegen können. Auch der Platzbedarf, zulässige Beförderungszeiten und „Parameter für die Beurteilung der Transportfähigkeit von Tieren“ seien darin geregelt.

Beispiel für den "guten Transport"

Rischke kennt aber auch die andere Seite der Medaille. Guter Auslandstierschutz zeichne sich dadurch aus, dass sich die zu transportierenden Tiere in einem gesundheitlich einwandfreien Zustand befinden, "das heißt, es werden keine kranken oder verletzten Tiere transportiert." Der „gute Transport“ zeichnet sich auch dadurch aus, dass sich der Transporter in einem sauberen Zustand befindet und klimatisiert ist. Außerdem müssen den Tieren, laut Rischke, Transportboxen zur Verfügung stehen, die groß genug sind und zum Beispiel Hunden genügend Platz und Bewegungsfreiheit bieten. Eine ausreichend große Box trage auch dazu bei, dass das Verladen der Tiere stressfreier ausfällt, da die Hunde nicht in Panik verfallen, weil sie in zu kleine Boxen „reingequetscht" werden. "Wichtig ist natürlich auch, dass jedem Tier genügend frisches Wasser zur Verfügung steht." Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, dann seien die Tiere auf den Transportfahrten normalerweise entspannt und der Stressfaktor halte sich in Grenzen. Oftmals sei es bei guten Transportbedingungen auch so, dass die Hunde auf den Fahrten schlafen. Sie resümiert: "Wenn die Rahmen- und Transportbedingungen stimmen und sich die Hunde in einer gesundheitlich guten Verfassung befinden, wirkt sich so ein seriöser Transport auf das Verhalten der Tiere nicht nachhaltig aus."

Tipps für den seriösen Hundekauf im Ausland

Um kriminelle Handlungen nicht zu unterstützen, rät Rischke, beim Tierschutz im Ausland darauf zu achten, dass zum Beispiel auf der Homepage lokale Ansprechpartner genannt werden. "Sind die Informationen zu dem Tier aussagekräftig oder wird mir als Interessent mitgeteilt, dass man keine Informationen zu dem Tier liefern kann?" Letzteres könne ein Hinweis auf Unseriösität sein. Wichtig sei auch, dass die Tiervermittler oder Tierschutzorganisationen mit den künftigen Tierhaltern ein Beratungs- und Vermittlungsgespräch führen und dass die Tiere vollständig geimpft sind. Gerade Hunde aus Mittelmeerländern wie Spanien könnten an Mittelmeerkrankheiten erkrankt sein. Rischke empfiehlt auch darauf zu achten, dass man vor Geldüberweisung einen Schutzvertrag bekommt.
Abschließend betont die Tierheim-Mitarbeiterin, dass in der aktuellen Situation ein Tier keinesfalls als Lückenfüller für die Coronazeit angeschafft werden sollte. "Unsere Sorgen sind, dass nach Corona die Tierheime überschwemmt werden mit Tieren, die nicht mehr gewollt und den Menschen lästig geworden sind, auch weil Tierbesitzer wieder mehr Zeit in andere Freizeitaktivitäten investieren möchten."

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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