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"Corona-Café" auf dem Brettener Marktplatz sorgt für Unverständnis bei Polizei und Politik
"Eine skurrile, zynische und gruselige Veranstaltung"

Im Rathaus der Stadt Bretten gibt es großes Unverständnis über die Aktion der Corona-Demonstranten.
  • Im Rathaus der Stadt Bretten gibt es großes Unverständnis über die Aktion der Corona-Demonstranten.
  • Foto: archiv
  • hochgeladen von Christian Schweizer

Bretten (bea) Die Webcam vom Brettener Marktplatz wird aktuell, aber auch in einer 24-Stunden-Übersicht auf der Internetseite der Stadt Bretten angezeigt. Wer sich also am Montagmorgen, 19. April, die Bilder vom Vortag angesehen hat, glaubt zu Coronazeiten seinen Augen nicht trauen zu können: Mehrere Menschen sitzen an gedeckten Tischen, mitten auf dem Marktplatz. Ein Video, das im Internet kursiert, bestätigt die Bilder der Brettener Webcam. Darauf zu sehen ist der Redner, der bereits vor vier Monaten auf einem Video einer illegalen "Corona-Party" in Knittlingen (wir berichteten) zu sehen war. Neben ihm sind rund 50 Menschen zu sehen, die bei Kaffee und Gebäck zum "Sonntagsbrunch" - wie das Treffen im Video genannt wird - zusammengekommen waren. Dies hatten auch mehrere Leser gegenüber der Brettener Woche/kraichgau.news berichtet.

Unangemeldete Versammlung auf dem Marktplatz

Es habe sich wohl "zum wiederholten Mal um eine nicht angemeldete Versammlung" gehandelt, sagt der Brettener Polizeichef Bernhard Brenner. Darauf wiesen mitgeführte Spruch-Banner und Transparente eindeutig hin. Doch auch ohne eine Anmeldung stehe einer Versammlung durch Artikel acht des Grundgesetzes ein besonderer Schutz zu, so Brenner weiter. Grundsätzlich sei das Ordnungsamt der Stadt Bretten für derartige Versammlungen zuständig, an Wochenenden würden deren Aufgaben "nach Absprache aber auch vom Polizeirevier Bretten übernommen".

"Eine derart skurrile und zynische Veranstaltung bringt mich zum Nachdenken"

Sicherlich hätten sich die Teilnehmer verabredet, um "diese besondere Form der Meinungsäußerung unangemeldet auf dem Marktplatz abzuhalten", so Brenner. Und weiter: "Ich persönlich empfinde die Aktion als äußerst unpassend. Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Spitzen der Bundesrepublik Deutschland in Berlin der tausenden Todesopfer der Corona-Pandemie gedenken, eine derart skurrile und zynische Veranstaltung abzuhalten, das bringt mich schon sehr zum Nachdenken." Aktuell werde der Fall beim Polizeirevier Bretten aufgearbeitet. Dazu würden Auswertungen des vorliegenden Bild- und Videomaterials durchgeführt, um entsprechende Anzeigen wegen möglicher Verstöße vorlegen zu können. "Auch wenn mich das nicht besonders aus der Ruhe bringt, gehe ich davon aus, dass wir mit solchen gruseligen Veranstaltungen leider auch in Zukunft rechnen müssen", so Brenner.

Kurz nach Beendigung der Versammlung genügend Kräfte vorhanden

Offenbar hatte die Polizei am Sonntag, 18. April, von der nicht angemeldeten Versammlung Wind bekommen. Doch hätte es einer größeren Zahl von Polizeibeamten bedurft, "um entsprechende Maßnahmen auch durchsetzen zu können, ohne Gefahr zu laufen, von den Aktivisten bedrängt oder verunglimpft zu werden", so Brenner. "Wir hätten zwar kurze Zeit später einen ausreichenden Kräfteansatz gehabt, allerdings hatten sich die Aktivisten bis dahin bereits wieder verzogen." Ein sofortiges Räumen des Marktplatzes wäre laut Brenner aufgrund der Rechtslage wegen fehlender Verhältnismäßigkeit nicht in Frage gekommen. Zu weiteren Fragen könne er "leider aufgrund der laufenden Ermittlungen keine Angaben machen".

"Ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen"

Bedeckt hielten sich ebenfalls der Brettener Oberbürgermeister Martin Wolff und Ordnungsamtschef Simon Bolg. Man mache "aus einsatz- und ermittlungstaktischen Gründen keine Aussage" zu der Veranstaltung vom Sonntag. Wolff bestätigte jedoch auf Anfrage der Brettener Woche/kraichgau.news, dass die Stadt der "Sache" nachgehen werde und äußerte seine persönliche Meinung dazu: "Es ist völlig daneben, so eine ungenehmigte Veranstaltung zu provozieren, die am bundesweiten Gedenktag der Corona-Verstorbenen und deren Angehörigen stattgefunden hat. Das muss ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen sein."

Autor:

Beatrix Drescher aus Bretten

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