Nach dem Malen zum Soundcheck

Brettener Wurzeln: Immer wieder schaut Axel Schmid in seinem Heimatort – hier vor dem Voré-Mahnmal für die Opfer der Kriege in Ruit - vorbei.
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  • Brettener Wurzeln: Immer wieder schaut Axel Schmid in seinem Heimatort – hier vor dem Voré-Mahnmal für die Opfer der Kriege in Ruit - vorbei.
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(ch) Eine Hinterhofwerkstatt im Karlsruher Westen. Darin kaum mehr als ein Tisch, zwei Stühle, Abstellflächen für Malerzubehör, ein Stapel Bilder an der Wand und der Geruch von Terpentinersatz in der Luft. Hier malt Axel Schmid. Der gebürtige Brettener, aufgewachsen in Ruit und seit geraumer Zeit in Grötzingen ansässig, legt letzte Hand an ein mannshohes Gemälde mit einem endlos langen Titel: „Der allseits beliebte Clown Toddy als clownfrühstückender Clown bei einer Karnevalsveranstaltung.“

Eine Figur, die Schmid erfunden hat und der er eine ganze Serie von Bildern gewidmet hat, die vordergründig humoristisch erscheint, sich aber dennoch ernsthaft mit kunstgeschichtlichen und philosophischen Themen auseinandersetzt, wie er betont. „Aber egal, was man hineininterpretiert, am Ende ist und bleibt es doch immer Malerei“, so der Künstler, der an der Karlsruher Kunstakademie freie Malerei studiert hat. Genauer: Abstrakten Expressionismus bei Max G. Kaminski. Was nicht heißt, dass er sich auf einen Stil festnageln ließe. Abstrakt oder naturalistisch – „das ist egal, es muss perfekt sein“, lautet sein Anspruch. In der Regel verkauft er auf Ausstellungen ganz gut.

Sein Haupteinkommen verdient Schmid allerdings als Musiker, vor allem durch Live-Auftritte. Knapp 150 Konzerte gibt er übers Jahr verteilt. Als Sänger und Gitarrist steht er wechselweise mit mehr als fünf Formationen verschiedenster Stilistik auf der Bühne und tourt obendrein als Singer-Songwriter solo durch bundesdeutsche Clubs.

Und wie bringt er die beiden Kunstrichtungen unter einen Hut? Musikschreiben und Bilder malen gehe nicht unbedingt Hand in Hand, sagt Schmid „Im Gegenteil: Man hat manchmal den Eindruck, dass die beiden Kunstrichtungen gegeneinander kämpfen.“ So versucht er, sich die Zeit einzuteilen, indem er im Frühjahr und Sommer eher malt, während er über den Winter Songs für die Projekte mit eigenem Repertoire schreibt und im eigenen Studio aufnimmt. Was nicht immer funktioniert, wenn zum Beispiel - wie gerade jetzt - ein Auftrag für den Entwurf eines Weinetiketts hereinkommt.

Eins seiner musikalischen Lieblingsprojekte ist derzeit die Auftrittsreihe „Thursday Night Music Club feat. Axel Schmid & Friends“, mit dem er jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat im Bruchsaler „Journée“ auftritt. Mit einem Mix aus Rockklassikern und Eigenkompositionen wird in zwei knackigen Sets abgerockt, wobei Schmid wechselnd Top-Musiker aus der Region um sich versammelt. Das Musikmachen, das Kreativsein überhaupt, ist ihm ein geradezu existenzielles Bedürfnis. „Mein Vater hat mir zum Lehramt geraten“, sagt Axel Schmid. „Aber die Gewissheit, dass ich mich künstlerisch ausdrücken muss, hat mir einen anderen, bisweilen steinigen, Weg gewiesen.“

Gut Ding will Weile, aber mittlerweile läuft es „ganz ordentlich“. Und so finden sich seine Bilder zunehmend in privaten wie in öffentlichen Sammlungen. Die Konzerte werden voller, die Bühnen größer und die „Fanbase“ auch. Zu einer Installation in der Münchner Pinakothek der Moderne hat er die Musik geschrieben und für die 3sat-Serie „Schätze der Welt“ die Filmmusik. Und Schmid weiß: „Da geht noch mehr.“

Er löst die beim Malen zum Dutt hochgebundenen langen Haare, wechselt die Kleider und macht sich bereit zum Gehen. „Man muss halt einfach sein Ding durchziehen“, lautet sein Wahlspruch. Und so führt ihn sein Weg vom Atelier zu später Stunde nicht etwa nach Hause, sondern vorher noch ins Tonstudio. Da tüftelt er zurzeit an einem Album mit eigenen Songs. „Mein Plan ist, in nächster Zeit was ins Radio zu kriegen.“

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Brettener Wurzeln: Immer wieder schaut Axel Schmid in seinem Heimatort – hier vor dem Voré-Mahnmal für die Opfer der Kriege in Ruit - vorbei.
Vorhang auf: In seinem Karlsruher Atelier legt Axel Schmid letzte Hand an „Clown Toddy“.
Autor:

Chris Heinemann aus Bretten

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