Elefantenrunde zur OB-Wahl: Erste Podiumsdiskussion der vier Oberbürgermeister-Kandidaten

Aufeinandertreffen der OB-Kandidaten (von links): OB Martin Wolff, Aaron Treut, Moderator Gerhard Meier-Röhn sowie Heinz-Peter Schwertges und Andreas Leiling. swiz
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  • Aufeinandertreffen der OB-Kandidaten (von links): OB Martin Wolff, Aaron Treut, Moderator Gerhard Meier-Röhn sowie Heinz-Peter Schwertges und Andreas Leiling. swiz
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Vier Oberbürgermeister-Kandidaten, ein Podium, ein souveräner Moderator und ein vollbesetzter Saal im Alten Rathaus. Beste Voraussetzungen also für die erste Elefantenrunde zur OB-Wahl in Bretten.

Bretten (swiz) Vier Oberbürgermeister-Kandidaten, ein Podium, ein souveräner Moderator und ein vollbesetzter Saal im Alten Rathaus. Beste Voraussetzungen also für die erste Elefantenrunde zur OB-Wahl in Bretten. Und die Zuhörer wurden, zumindest in weiten Teilen, nicht enttäuscht. In einer teils launigen Veranstaltung, zu der die Vereinigung Brettener Unternehmer (VBU) alle Selbstständigen eingeladen hatte, präsentierten die vier Kandidaten, Oberbürgermeister Martin Wolff, Aaron Treut, Heinz-Peter Schwertges und Andreas Leiling eingangs in jeweils zehn Minuten ihre Pläne und Ziele für die Melanchthonstadt (nachzulesen auf der großen Sonderseite zur OB-Wahl auf Seite 9), bevor Moderator Gerhard Meier-Röhn, der frühere Mediendirektor des DFB, seinerseits einige Fragen an die Kandidaten stellte.

"Der Amtsschimmel trabt in Bretten sehr langsam"

Schon in den Eingangsstatements zeigte dabei der Ruiter Ortsvorsteher Treut, dass er für die Diskussion in den Kampfmodus geschaltet hatte. So hagelte es in Richtung Wolff Sätze wie, „Bretten dümpelt vor sich hin” oder „Bretten ist nicht fit für die Zukunft”. Zudem outete Treut sich als großer Anhänger der Gemeinde Oberderdingen und riet Wolff, „in vielen Sachen vom kleinen Nachbarn zu lernen”. Und auch Schwertges hielt sich mit Kritik am OB nicht zurück, auch wenn der Kandidat der Linken diese in eher launige Sätze verpackte: „Der Amtsschimmel in Bretten trabt so langsam, dass er selbst schon Schimmel ansetzt”. Treut rechnete Schwertges im Übrigen ebenfalls zum „System Wolff”, bevor er den Saal mit der Aussage überraschte, „die Bürger wollen wieder jemanden wie den Alt-OB Paul Metzger”. Dies sei doch schon allein eine Überschrift wert, kommentierte daraufhin Meier-Röhn gut gelaunt. Zurückhaltender zeigte sich Leiling in seinem Statement, obwohl auch er nicht mit Kritik sparte. Bretten fehle ein klar erkennbares Gesamtkonzept, betonte der Stettfelder. „Es gibt immer nur Einzelfälle, aber keine Gesamtbetrachtung.” Dies sei eine klar verfehlte Politik.

Diskussion um Mellert-Fibron-Areal

Freilich ganz anders stellte sich die Sache für den amtierenden OB dar. „Seit ich 2010 angetreten bin, hat sich in Bretten sehr viel getan”, so Wolff. So habe er die Schulden halbiert, die Stadt habe unter seiner Führung die Flüchtlingskrise gemeistert und auch beim Glasfaser-Ausbau sei man „gut dabei”. Große Unterschiede offenbarten sich zwischen den vier Kandidaten unter anderem beim Thema Mellert-Fibron-Areal. Während Wolff sich auf dem Areal auch weiterhin eine Mischung von Gewerbe und Wohnen vorstellen kann, strebt Schwertges „eine Vier- bis Fünfgeschossige Wohnbebauung mit entsprechendem Lärmschutz an. Treut sieht auf dem Areal hingegen keinen Platz für Wohnbebauung. Das Areal habe zehn Millionen Euro gekostet, die müssten erst wieder erwirtschaftet werden. Dies soll nach Treuts Meinung durch die Ansiedlung eines Kraichgau-Centers II gelingen. „Sollte dort ein zweites Center gebaut werden, brauchen wir keine Parkplätze mehr in der Innenstadt, weil dann dort keiner mehr hingeht”, konterte Wolff. Man müsse natürlich darauf achten, keine neue Konkurrenz zu schaffen, sondern das bestehende Angebot erweitern, präzisierte Treut. Dennoch wäre es, so Leiling, „fatal, Einzelhandel auf dem Mellert-Fibron-Areal anzusiedeln”. Zuerst brauche die City neue Impulse. Er plädierte, wie auch Wolff, für eine Umwidmung des Geländes, um dort Wohnbebauung möglich zu machen.

Was passiert mit dem Katholischen Altenheim?

In der Zuschauer-Fragenrunde war es dann Peter Bahn, Leiter des Stadtmuseums im Schweizer Hof, der das Thema Katholisches Altenheim in die Diskussion brachte. Ob es denn nicht möglich wäre, das bestehende Heim in der Apothekergasse in ein von der Stadt betriebenes Altenheim umzuwandeln, wenn sich die Caritas, wie angedroht, aus der Trägerschaft verabschieden sollte? Man wolle das Haus in der Apothekergasse in jedem Fall unter einem kirchlich-sozialen Zweck erhalten, sagte Wolff. „Wir wollen das nicht dem freien Markt überlassen.” „Die Stadt sollte dort einsteigen”, betonte Treut. „Allerdings wäre ein anderer Investor natürlich besser.” Der Ruiter Ortsvorsteher brachte außerdem die Idee ins Spiel, mehr Pflegeplätze in den Ortsteilen zu schaffen. Leiling und Schwertges zeigten sich in der Causa Altenheim entschieden: „Der Standort muss erhalten werden” (Schwertges) und „wir müssen für den Erhalt kämpfen, aber wir haben es nicht in der Hand. Es ist schlimm, dass die Caritas die Arbeitsplätze der Mitarbeiter als Faustpfand anführt” (Leiling), hieß es von den beiden Bewerbern.

"Händeringend nach Kinderarzt gesucht und keinen gefunden"

Ein immer wieder diskutiertes Thema brachte schließlich noch der Brettener Internist und Diabetologe, Dr. Wolfgang Stütz, in die Diskussion ein. „Wir steuern in Bretten auf einen Ärztemangel zu. Was wollen Sie dagegen tun?”, lautete seine Frage an die vier Kandidaten. Man müsse vor allem Anreize für die Neuansiedlung setzen, erklärte Leiling, zum Beispiel durch Förderprogramme. Allerdings sehe er kein Ärztehaus auf der Sporgasse, sondern eher einzelne Praxen. Die Ansiedlung eines Ärztehauses auf dem City-Areal lehnt auch Treut ab. Wie Leiling plädiert er für Einzelpraxen auf der Sporgasse und ein Fachärztezentrum bei der Rechbergklinik. Natürlich sei es unerlässlich, die Neuansiedlung von Ärzten durch die Schaffung der richtigen Rahmenbedingungen zu fördern”, beantwortete Wolff die Frage. Allerdings sei es nicht einfach, neue Ärzte zu finden. „Ich habe vor zwei Jahren überall händeringend nach einem neuen Kinderarzt für Bretten gesucht und hatte keine Chance.” Auf der Sporgasse, so Wolff, wolle er im Übrigen kein Ärztehaus, sondern ein Gesundheitszentrum mit gesundheitsnahen Dienstleistungen unterbringen.

Nächste Kandidatenrunde ist Im Grüner

Bei der offiziellen Kandidatenvorstellung im Hallensportzentrum Im Grüner am 26. Oktober haben die vier Kandidaten dann erneut die Gelegenheit, ihre Ideen und Pläne für Bretten zu präsentieren.

Autor:

Christian Schweizer aus Bretten

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