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Drastische Kostensteigerung bei Sanierung des Bronnerbaus am Melanchthon-Gymnasium Bretten sorgt für heftige Diskussionen im Gemeinderat
"Ich glaube den Vorlagen nicht mehr"

Die Sanierung des Bronnerbaus (rechts) am MGB wird deutlich teurer als geplant. archiv
  • Die Sanierung des Bronnerbaus (rechts) am MGB wird deutlich teurer als geplant. archiv
  • hochgeladen von Christian Schweizer
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Bretten (swiz) Die Generalsanierung und der Umbau des Bronnerbaus am Melanchthon-Gymnasium (MGB) in Bretten werden noch einmal deutlich teurer. Statt der ursprünglich geplanten 9,8 Millionen Euro werden die Baukosten nun nach einer zwischenzeitlichen Steigerung auf 11,9 Millionen Euro auf satte 13,95 Millionen Euro geschätzt. Das hat die Verwaltung dem Brettener Gemeinderat in seiner gestrigen Sitzung mitgeteilt. Möglich sind allerdings Einsparungen in Höhe von rund 1,13 Millionen Euro. Mit diesen gewaltigen Summen im Gepäck stimmte der Rat nach intensiver Diskussion mit 16 Ja-Stimmen und neun Enthaltungen zum einen für die Vergabe einiger Gewerke in Höhe von rund 10,42 Millionen Euro (brutto), votierte zum anderen aber auch für die Aufhebung der Ausschreibung für die Brüstungsverkleidung der Aula mit einer Natursteinfassade sowie automatisch auch für die Streichung des dafür notwendigen Schwerlastgerüsts. Beides zusammen beutetet eine Ersparnis von 305.000 Euro. Darüber hinaus beauftragte der Rat die Verwaltung, von dieser zuvor aufgezeigte Einsparungen umzusetzen.

Treppenhausanbau könnte teilweise gestrichen werden

Diese betreffen unter anderem die teilweise Streichung des geplanten durchgehenden Treppenhausanbaus vom Untergeschoss bis zur Aula. "Zur Einsparung könnte das neue Treppenhaus für die Ebenen -3 und -2 entfallen", erklärte Uwe Hein vom planenden Architektenbüro HHL Architekten. Um die Barrierefreiheit aber weiter zu gewährleisten, müsse dann ein weiterer Aufzug eingebaut werden, der die Ebenen -1 und -3 verbinde. Dennoch läge die Ersparnis bei rund 300.000 Euro. Weitere 200.000 Euro seien zudem bei Rohbauarbeiten zu minimieren und 170.000 Euro könne man sparen, wenn man statt dem Einbau neuer Heizkörper, die alten neu lackiere und wieder einbaue. Dazu kämen noch 150.000 Euro Ersparnis bei Wartungskosten und ursprünglich geplanten Holzwandverkleidungen in der Aula. In Summe sei er, so Hein, "selbst negativ überrascht vom Gesamtkosten-Ergebnis". Man habe eigentlich mit günstigeren Preisen aufgrund der Pandemie gerechnet, "aber das Gegenteil war der Fall". So hätten sich unter anderem die Stahl- und Holzpreise dramatisch verteuert.

"Was ist der Sinn unserer Arbeit?"

Von "Fassungslosigkeit" und Überraschung waren auch die Stellungnahmen der Fraktionen geprägt. "Denn Sinn unserer Arbeit" stellte gar Stadtrat Martin Knecht, Sprecher der CDU-Fraktion, in Frage. "Warum tagen wir in vielen Sitzungen, wenn dann doch alles anders kommt?" Für die CDU sei es wichtig, dass "unsere Schulen auf dem neuesten Stand der Technik sind", so Knecht. Für die Kostensteigerung ist der CDU-Mann aber auf der Suche nach einem Verantwortlichen. So habe die erste Steigerung auf 11,9 Millionen Euro auf einer "sehr kostspieligen und äußerst ambitionierten Bauplanung der Verantwortlichen basiert". Zudem habe es offenbar keine Jour fixe mit den Verantwortlichen des MGB und den zuständigen Fachleuten gegeben. Darüber hinaus blieben "schwerwiegende Fragen" bezüglich "Vertrauen, Transparenz und Verantwortlichkeiten" bestehen, kritisierte Knecht. Dennoch sei er zumindest dankbar für die transparente Vorlage, die es nun gebe.

"Einige Waggons abkoppeln"

Mangelnde Transparenz beklagte indirekt auch Otto Mansdörfer (Grüne), als er anzweifelte, ob im Bauamt der Stadt und im Architekturbüro immer "mit der notwendigen Sorgfalt" gearbeitet worden sei. Dennoch sitze man nun "in einem fahrenden Zug" und unterliege durch die Begrenzung des Förderzeitraums - die Maßnahme muss bis spätestens 31. Dezember 2023 vom Regierungspräsidium abgenommen sein, sonst entfallen die 3,38 Millionen Euro an Förderung - einem "Zeit-Regime". Man könne nun nur versuchen, "einige Waggons abzukoppeln", denn ein kompletter Projektstopp würde mindestens fünf Jahre Stillstand bedeuten.

"Fassungslos über die Kostenentwicklung"

"Fassungslos über die Kostenentwicklung", zeigte sich "aktiven"-Sprecher Jörg Biermann. "Im Juni letzten Jahres wurde unsere Fraktion noch von der Verwaltungsspitze gerügt, als wir auf die jetzt eingetretene Situation hingewiesen haben", kritisierte er. Schon früher habe man darauf hingewiesen, "dass die Schülerzahl des MGB von 1.300 auf 850 Schüler zurückgegangen ist und man sich deshalb fragen muss, warum eine Vergrößerung der Aula überhaupt notwendig ist". Auch die Ausführung der Kostenberechnung und Ausschreibungen seien "mehr als dubios", so Biermann. Zusammenfassend, so der "aktiven"-Sprecher, sei der Bronnerbau "ein negatives Beispiel für die Sanierung von Schulbauten".

"Noch nicht das Ende der Fahnenstange"

Dabei seien die jetzigen Kosten noch nicht einmal "das Ende der Fahnenstange", ist sich Bernd Diernberger, Sprecher der FWV-Fraktion, sicher. Allerdings müsse man der Sanierung notgedrungen zustimmen, da man nun an einem "Point of no return" angekommen sei. Was einige Räte dachten, brachte dann noch einmal SPD-Rätin Birgit Halgato auf den Punkt: Sie könne mit den enormen Schwankungen zwischen Kostenschätzungen und tatsächlichen Angeboten "einfach nichts anfangen". Das ginge nun alles in eine unerschwingliche Höhe. Ähnlich argumentierte Hermann Fülberth (Aufbruch Bretten). Man sei den Schülern des MGB die Modernisierung des Gymnasiums zwar schuldig, dennoch werde man am Schluss wahrscheinlich bei Gesamtkosten zwischen 15 und 16 Millionen Euro landen. Zudem seien die geplanten Einsparungen noch lange nicht sicher und in trockenen Tüchern.

"Wurden eiskalt erwischt"

Verständnis für die harsche Kritik aus den Reihen der Gemeinderäte zeigte Bürgermeister Michael Nöltner, der betonte, auch die Verwaltung sei von den Preissteigerungen "eiskalt erwischt" worden. "Uns wurde gesagt, die Kostenschätzungen seien belastbar und darauf haben wir vertraut", betonte Nöltner. Nun, so der Bürgermeister, habe man aber immerhin "die ehrlichste Vorlage" seit Beginn des Projekts vorliegen. Dies sah Martin Knecht letztlich anders: "Ich glaube den Vorlagen nicht mehr". Blickte man in die Gesichter der Gemeinderäte, könnten diese Meinung einige geteilt haben. swiz

Autor:

Christian Schweizer aus Bretten

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