Leserbrief

Mit NATUR NAH DRAN zu mehr Artenvielfalt in Bretten

Im Frühjahr 2016 war die Freude in unserer Stadt groß. Aus fast 60 Bewerbern wurde Bretten als einer von 10 Gewinnern von NATUR NAH DRAN ausgezeichnet – das Ergebnis einer überzeugenden Bewerbung der Stadt Bretten auf Initiative des NABU-Bretten. Es folgte ein anstrengendes Jahr: Festlegung der Saatmischung vor Ort für jeden einzelnen Standort durch den Experten Dr. Reinhard Witt, Erdaustausch beim Kreisel an der Musikschule und am Hohberghaus, mehrfaches Fräsen nach der Burrimethode auf den drei Blühstreifen und im Herbst schließlich die Aussaat der Gräser und Kräuter durch die Mitarbeiter der Stadt Bretten. In diesem Jahr waren alle gespannt auf die Blütenpracht auf den neu gestalteten Flächen.

Einige Bürger sind jetzt mit dem Ergebnis unzufrieden und bezweifeln den Sinn dieser Aktion. Sie stellen die Frage, wozu man einen so großen Aufwand betreibt. Was ist aber der eigentliche Grund bzw. das Ziel das man mit NATUR NAH DRAN erreichen will?
Das Bundesamt für Naturschutz hat in seinem letzten Agrarreport über die Biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft erschreckende Zahlen aufgeführt. Von den auf Ackerstandorten vorkommenden rund 270 typischen Ackerwildkrautarten in Deutschland ist über ein Drittel gefährdet. Auch der Gesamtbestand der Insekten in Deutschland hat in den letzten drei Jahrzehnten deutlich abgenommen. Die Rote Liste der Wildbienen belegt beispielsweise, dass von den ca. 560 Wildbienenarten inzwischen 41 % als bestandsgefährdet einzustufen sind. Der Rückgang der Insektenarten führt zwangsläufig auch zu einem Rückgang der Insektenbiomasse. So stellte die Bundesumweltministerin F. Hendricks fest „Wer heute mit dem Auto fährt, findet danach kaum noch Insekten auf der Windschutzscheibe.“ Mit den Insekten schwindet aber auch die Nahrungsgrundlage für Vögel und Fledermäuse. So zeigt der europäische Farmland Bird Index zwischen 1980 und 2014 eine Abnahme der Vogelarten auf 43 % des Ausgangswertes.

Doch was sind die Gründe für den Rückgang der Vögel in der Agrarlandschaft ? Die Ackerflächen werden immer intensiver genutzt, Ackerbrachen fallen weg, die Ackerschläge werden immer größer und Randstreifen fehlen, einzelne intensiv geführte Kulturarten dominieren. Zunehmend werden Energiepflanzen angebaut, insbesondere Mais, zeitgleich wird häufig Grünland umgebrochen und Insektizide eingesetzt.
Der NABU Bretten kämpft seit Jahren gegen diesen bedauerlichen Trend an. Auf unseren Grundstücken im Jeremias bei Sprantal und auf dem Obstsortenparadies bei Gölshausen sind in den letzten Jahren vielfältige Lebensräume entstanden. Jeden Herbst verkauft der NABU-Bretten hunderte lokale Bäume und Sträucher, jeden Herbst erfolgt eine Neupflanzung. Die Liste der Aktionen könnte man noch lange fortführen.

Um die Artenvielfalt in der Stadtmitte zu erhöhen ist der NABU-Bretten schließlich Anfang 2016 auf die Stadt Bretten zugegangen, damit sie sich an NATUR NAH DRAN beteiligt. Unsere bedrohten Tiere und Pflanzen benötigen dringend neuen Lebensraum, denn bebaute Flächen und Straßen nehmen immer mehr Raum ein. Umso wichtiger ist es, auch im direkten Wohnumfeld des Menschen für ein grünes Wegenetz zu sorgen und bunte Trittsteine für die Natur zu schaffen.

Die von manchen jetzt kritisierte fehlende Blütenpracht auf den Flächen von NATUR NAH DRAN hat ihren Grund darin, dass keine einjährigen Exoten, sondern vor allem nachhaltig wachsende einheimische Wildblumen ausgesät wurden. Eine nachhaltige Wiese hat viele mehrjährige Pflanzen, die erst ab dem zweiten oder dritten Jahr sichtbar sind. Sie sind dafür ausdauernd und bestehen aus vielen heimischen Arten. Spezialisten unter den Schmetterlingen, Wildbienen, Blattkäfern und Blattwespen finden eine Heimat. Wir müssen also Geduld haben mit unseren NATUR NAH DRAN Flächen.

Der NABU-Bretten bedankt sich ausdrücklich bei Oberbürgermeister Wolff, Bürgermeister Nöltner und allen beteiligten Mitarbeiter der Stadt Bretten, welche die Bewerbung, Bodenbearbeitung, Aussaat und Pflege durchgeführt haben und trotz Kritik immer zu dem Projekt gestanden haben.

Neues muss man wagen und positiv denken, auch wenn der Weg mühsam ist und manche Kritik aufkommt. Wir warten mit Spannung auf das kommende Jahr und hoffen, dass dann NATUR NAH DRAN Vorbild und Anregung für alle Bürger und Unternehmen in Bretten sein wird, im eigenen Lebensraum die Artenvielfalt zu erhöhen. Die Insekten, Vögel, Fledermäuse, Schmetterlinge, die gesamte Fauna und Flora werden es Ihnen danken.

Norbert Fleischer
1. Vorsitzender NABU-Bretten

Autor:

Martin Alb aus Bretten

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