Zwischenbilanz des Hochwassser- und Starkregenschutzes in der Region: Beispiel Königsbach-Stein
33 Maßnahmen in zwölf Gebieten

Vorkehrung gegen den nächsten Starkregen: Der Graben zum Hochwasserrückhaltebecken Lindtal wurde auf einer Länge von rund 300 Metern ertüchtigt. In diesem Zuge wurden Bäume, Sträucher, Ablagerungen und Wildwuchs entfernt.
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  • Vorkehrung gegen den nächsten Starkregen: Der Graben zum Hochwasserrückhaltebecken Lindtal wurde auf einer Länge von rund 300 Metern ertüchtigt. In diesem Zuge wurden Bäume, Sträucher, Ablagerungen und Wildwuchs entfernt.
  • Foto: Gemeinde Königsbach-Stein
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Unter dem Eindruck teils erheblicher Schäden infolge der in den letzten Jahren aufgetretenen Dauerregen- und Starkregen-Ereignisse wurden und werden im Kraichgau Millionen in Schutzmaßnahmen investiert. Nicht nur in Bretten, auch in der Region. Wir haben uns in den am stärksten getroffenen Kommunen umgesehen: heute in Königsbach-Stein.

KÖNIGSBACH-STEIN (ch) Das Debakel kam vor den 20-Uhr-Nachrichten und es kam unerwartet. Ausgelöst durch einen lokal begrenzten Starkregen, der nach Informationen aus dem Rathaus in kurzer Zeit bis zu 88 Liter pro Quadratmeter über dem Ortsteil Stein ausschüttete, ergossen sich am Abend des 7. Juni 2016 Sturzbäche von den umliegenden Hängen in die tiefer gelegene Ortsmitte. Knietief wälzte sich das Wasser durch die Straßen, einzelne Autos wurden mitgeschwemmt, Keller, Geschäfte und Gewerbebetriebe liefen voll. Hingegen blieb der direkt benachbarte Ortsteil Königsbach wie durch ein Wunder verschont. Das gesamte Schadensausmaß ist nach Auskunft des Königsbach-Steiner Bürgermeisters Heiko Genthner bis heute nicht bekannt. Schätzungen der örtlichen Feuerwehr gehen von rund 250 beschädigten Gebäuden aus. Menschen wurden nicht verletzt, aber der Schreck sitzt bei manchen Geschädigten noch immer tief.

Flussuntersuchung schon vor Starkregen

Mit einer solchen Überschwemmung hatten in Stein nur wenige gerechnet. Wird doch der Ortsteil lediglich vom kleinen Bruchbach gestreift, der sich aus dem gleichnamigen Gewässer bei Göbrichen und zwei kleineren Eisinger Bächen speist. Dass das Wasser diesmal nicht vom Bach, sondern von Äckern, Wiesen und Gärten kam, enthüllte eine neue Gefahrenquelle: Ihre Tallage macht beide Ortsteile in besonderem Maß verwundbar durch Sturzfluten von oben. Schon ein Jahr vor der Starkregenflut in Stein hatte die Gemeinde dort zwecks Aktualisierung der bestehenden Vorkehrungen eine Flussgebietsuntersuchung (FGU) veranlasst, die Gefahrenstellen durch Hochwasser aufzeigte. Analog verfuhr man 2017 in Königsbach.

Starkregen weiter unberechenbar

Bereits im Herbst 2017 stellte das beauftragte Ingenieurbüro Wald + Corbe bei einer Einwohnerversammlung ein umfangreiches Maßnahmenpaket vor, darunter die Schaffung eines neuen Rückhaltebeckens im Bereich Fallfeld und Verbesserungen an den acht vorhandenen Rückhaltebecken. Allen Maßnahmen wird eine Leistungsfähigkeit von „HQ100+Klima“, wie die Fachleute sagen, zugrunde gelegt. Das heißt, sie sollen vor einem 100-jährlichen Unwetterereignis plus Sicherheitsaufschlag für den Klimawandel schützen. Allerdings machten die Ingenieure seinerzeit deutlich, dass man nicht vor allen Gefahren schützen könne. Insbesondere lokale Starkregen wie der in Stein bleiben nach ihrer Aussage auch in Zukunft weitgehend unberechenbar.

7,5 Millionen für Schutzmaßnahmen

Insgesamt werden in Königsbach-Stein nach Angaben des Rathauschefs in den nächsten zehn Jahren rund 7,5 Millionen Euro in den Schutz vor Hochwasser und Starkregen investiert. Einzelne nicht förderfähige Schutzmaßnahmen wie eine Vertiefung des Mühlbachs auf etwa 100 Meter Länge haben Mitarbeiter des Gemeindebauhofs bereits 2018 umgesetzt. Daneben führen sie, darauf weist der Bürgermeister besonders hin, regelmäßige Unterhaltungsarbeiten durch, die ebenfalls dem Hochwasserschutz dienen: zum Beispiel die Säuberung der Gräben von Bewuchs und anderen Fließhindernissen. Bei den großen und teuren Maßnahmen dauern die Planungen an. Für deren Umsetzung erhofft sich die Gemeinde öffentliche Zuschüsse in Höhe von 70 Prozent.

Zeitaufwändige Untersuchungen

„Zur Erfüllung der Fördervoraussetzungen müssen umfangreiche und detaillierte Untersuchungen vorgelegt werden, die nur von wenigen spezialisierten Ingenieurbüros erstellt werden können“, erklärt Genthner, warum bislang noch kein größeres Projekt begonnen werden konnte. „Der Umfang von 33 Maßnahmen in zwölf Gebieten zeigt die Komplexität“, fügt er hinzu. Der Bürgermeister kündigt an: „Wir arbeiten intensiv daran, dass der Förderbescheid vom Regierungspräsidium erlassen werden kann.“

Eigenverantwortung für Selbstschutz

Im Übrigen verweist Heiko Genthner auch auf die Eigenverantwortung der Bürger/innen für ihren Selbstschutz: „Rückstausicherung, Kellerfenster und -abgänge sichern sind einfache und sehr wirkungsvolle Maßnahmen.“ Hinweise sowie Handlungsempfehlungen zum Schutz von Gebäuden enthalte die vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung aufgelegt „Hochwasserschutzfibel“, die auch online verfügbar ist. Eine Beratung für private Schutzmaßnahmen könne die Gemeinde zwar nicht leisten, aber, so der Bürgermeister: „Für Informationen über die Lage vor Ort, die als Grundlage für private Maßnahmen hilfreich sein können, gibt es Ansprechpartner in unserem Bauamt.“

Weitere Artikel zum Thema finden Sie auf den Themenseiten Hochwasser und Starkregen

Vorkehrung gegen den nächsten Starkregen: Der Graben zum Hochwasserrückhaltebecken Lindtal wurde auf einer Länge von rund 300 Metern ertüchtigt. In diesem Zuge wurden Bäume, Sträucher, Ablagerungen und Wildwuchs entfernt.
Vorbeugender Hochwasserschutz: Auch der Mühlbach wurde auf einer Länge von rund 300 Metern auf das Ursprungsniveau ausgebaggert, um die Sedimentablagerungen auszuheben.
Autor:

Chris Heinemann aus Bretten

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