Beim Parken ist ein Autoreifen kein Luftballon

Wird nur ein Bruchteil der Laufläche mit einem Viertel des Fahrzeuggewichtes belastet, kann das im Extremfall langfristig Bauteile des Reifens wie den Stahlcordgürtel oder die Karkasse beschädigen.
  • Wird nur ein Bruchteil der Laufläche mit einem Viertel des Fahrzeuggewichtes belastet, kann das im Extremfall langfristig Bauteile des Reifens wie den Stahlcordgürtel oder die Karkasse beschädigen.
  • Foto: © Mirko Stepan / mid/TRD Blog
  • hochgeladen von Heinz Stanelle

(TRD/MID) Wer mit dem Auto in deutschen Innenstädten unterwegs ist, braucht Geduld. Rushhour ist fast rund um die Uhr, es geht nur im Schneckentempo voran. Und ist man dann endlich am Ziel angekommen, wartet das nächste Problem: Wohin mit dem Fahrzeug? Denn weit und breit ist kein vernünftiger Parkplatz in Sicht.

Nach einer gefühlten Ewigkeit und endlosen Schleifen um die Häuserblocks nehmen es viele Autofahrer in ihrer Verzweiflung offenbar nicht mehr ganz so genau. Nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht“ quetschen und zwängen sie ihr Fahrzeug in jede Lücke. Oftmals nehmen diese Parkversuche lustige bis skurrile Ausmaße an. Da ist zum Beispiel die Variante „freischwebendes Auto“, bei der die Räder halb auf dem Bordstein stehen – schon beim Anblick hat man Mitleid mit den runden Dingern. Doch manche „Parksünder“ denken, ein Autoreifen sei ein Luftballon.

Das aber ist ein Trugschluss, denn der Autoreifen leidet. Schließlich trägt er ja das gesamte Gewicht eines Fahrzeugs samt Insassen – das sind im Durchschnitt mindestens 1,5 Tonnen und somit fast 400 Kilogramm pro Rad. Für diese Belastung ist ein Reifen konstruiert. Wird jedoch regelmäßig nur ein Bruchteil der Laufläche mit einem Viertel des Fahrzeuggewichtes belastet, wie beim beschriebenen Park-Szenario, kann das im Extremfall langfristig Bauteile des Reifens wie den Stahlcordgürtel oder die Karkasse beschädigen, sagt dazu Hankook-Reifenentwickler Thorsten Ideker im Interview mit dem Motor-Informations-Dienst (mid). „Dies gilt vor allem, wenn wegen mangelnder Kontrolle der vorgeschriebene Reifenfülldruck nicht eingehalten wurde.“ Wenn man die Beschädigungen dann bemerkt, ist es in der Regel oft zu spät. „Verformungen oder sogar Reifen-Platzer können im schlimmsten Fall die Folge sein“, warnt der Experte.

Nicht minder ungesund für den Reifen ist das Bordstein-Quetschen. Die meisten Autofahrer sind dann zu faul, noch mal ein Stück zurückzurollen. Ist das schlimm? Auch hier sei das Maß entscheidend, betont der Hankook-Experte: „Natürlich passiert das jedem einmal, und Bordsteinkanten sind in der Regel abgerundet. Wer aber ständig und in einem hohen Grad dem Reifen Quetschungen zufügt, der verringert dessen Haltbarkeit und riskiert langfristig Reifenschäden“, sagt Thorsten Ideker.

Ansonsten sollten Autofahrer nur noch regelmäßig darauf achten, dass der Luftdruck stimmt und sie nicht versehentlich die Seitenwand des Reifens beschädigen, indem sie längs entlang des Bordsteins „schleifen“, empfiehlt der Fachmann. Fazit: Mit ein paar kleinen Tipps wird das Einparken in Zukunft keine Luftnummer mehr.

Autor:

Heinz Stanelle aus Region

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