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Ersinger ist seit über 40 Jahren "Ernte-Melder"
"Ich bin jeden Tag im Weinberg"

Der langjährige Erntemelder Karl-Heinz Reiling mit seiner Dankesurkunde.
  • Der langjährige Erntemelder Karl-Heinz Reiling mit seiner Dankesurkunde.
  • Foto: enz/Corinna Benkel
  • hochgeladen von Havva Keskin
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Kämpfelbach (hk/enz) Er ist Mitte Achtzig, Hobbywinzer und sammelt fast die Hälfte seines Lebens in seinem Weinberg in Kämpfelbach-Ersingen unentgeltlich wichtige Daten für das Statistische Landesamt: Die Rede ist von Karl-Heinz Reiling. Für über 40 Jahre sogenannte „Ernte-Berichterstattung“ hat ihm die neue Leiterin des Landwirtschaftsamtes, Corinna Benkel, nun im Namen des Enzkreises und des Statistischen Landesamtes für sein wertvolles Wirken gedankt. „Die wenigsten von uns wissen, dass viele wichtige Statistiken in der Landwirtschaft auf Daten basieren, die Ehrenamtliche gesammelt haben“, betonte Benkel bei der Übergabe der Dankesurkunde an den gelernten Uhrmacher, der nach dem Einbruch der Uhrenindustrie vor vielen Jahren zur Post gewechselt war.

Statistiken in der Landwirtschaft basieren auf Daten von Ehrenamtlichen

Den Job als Ernte-Berichterstatter, so Reiling im Gespräch mit der Brettener Woche, übernahm er vor 40 Jahren von einem anderen Winzer aus dem Ort. "Als der sein Weingut aufgab, hat mich der damalige Bürgermeister angerufen. Der sagte dann, Herr Reiling, Sie sind ein junger Mann, der noch einen Weinberg betreibt. Möchten Sie das nicht übernehmen? So bin ich zu dem Job gekommen", erzählt Reiling mit einem Lachen und in Erinnerungen schwelgend.

Wachstumsstand und Erträge

Ein Ernteberichterstatter erfasst laut Landwirtschaftsamt in der Wachstumsperiode in regelmäßigen Abständen den Wachstumsstand und die Erträge der landwirtschaftlichen Feldfrüchte und des Grünlandes, von Gemüse und Erdbeeren sowie von anderem Obst – oder wie im Fall von Karl-Heinz Reiling den Wachstumsstand der Reben und die Weinmosterträge.
Seit vier Jahrzehnten gibt er die in seinem zehn Ar großen Weinberg gewonnenen Einschätzungen über den Entwicklungsstand, die Ernteaussichten sowie zur Qualität der Weinmosternte an das Statistische Landesamt weiter. Dort fließen die Daten dann in die landwirtschaftliche Erzeugungsstatistik ein.

Klimawandel wirkt sich auf Weinlese aus

Schon seit seinem 18. Lebensjahr ist Reiling im Weinberg in Ersingen tätig. Erst hat er dort seinem Großvater und später seinem Vater geholfen und dabei den Grundstock gelegt, um sich später eigenständig als Hobbywinzer zu betätigen. Seit vielen Jahren baut er seinen Wein – Kerner, Müller-Thurgau und Spätburgunder – selbst aus. Diese drei Rebsorten, die er anbaut, werden für die Erfassung der Daten im August, September und Oktober einzeln betrachtet. Im August, bei der ersten Ertragsschätzung, "fängt der Reifeprozess an. Da kann sich natürlich noch viel durch Wettereinflüsse ändern", weiß Reiling, etwa durch Trockenheit, starken Niederschlag oder Hagel.
Im September, bevor die Lese ansteht, erzählt Reiling weiter, habe man dann schon einen genaueren Überblick. Im Oktober könne man dann ganz genau sagen, wie viel Ertrag zusammengekommen ist und in welcher Qualität – Tafel-, Land- oder Qualitätswein. "In den letzten vier bis fünf Jahren waren wir mit fast zu 80 Prozent der Lese schon Ende September fertig", erzählt Reiling. Der Klimawandel wirke sich auf die Weinlese aus. Man würde tendenziell früher mit der Ernte als die Jahrzehnte zuvor beginnen, denn wärmere und trockenere Sommer sorgen dafür, dass die Trauben früher reif werden.

"Was für andere Briefmarkensammeln, ist für mich der Weinbau"

Für Reiling ist der Weinbau ein Hobby, das er immer noch mit Leidenschaft ausführt. "Ich experimentiere dabei auch gerne", sagt er lachend. "Was für andere das Sammeln von Briefmarken ist, ist für mich der Weinbau. Ich bin jeden Tag im Weinberg." Altersbedingt würden immer mehr Ernte-Berichterstatter aufhören, bedauert die Leiterin des Landwirtschafts-#%amtes. Reiling sieht jedoch ein anderes, grundsätzlicheres Problem: Es gebe kaum mehr noch "Feierabend-Landwirte", also Bauern, die ihre Betriebe im Nebenerwerb bewirtschaften, die sich zusätzlich als Ernte-Melder engagieren könnten. "Stattdessen wird heutzutage alles zusammengelegt", bedauert er. Das gelte auch im Weinbau. Es werden weiterhin Ernte-Berichterstatter gesucht. Wer Interesse hat, kann sich bei Corinna.Benkel@enzkreis.de melden.

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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