Knittlingen: Badsanierung kostet mehr Zeit und Geld

Ernüchterung in Knittlingen: Die Sanierung des Freibads wird voraussichtlich deutlich mehr Zeit und Geld kosten als gedacht.
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Betretene Gesichter gestern Abend im Knittlinger Gemeinderat. Die im Mai beschlossene Freibad-Sanierung dauert erheblich länger und wird sehr wahrscheinlich deutlich teurer. Das ergab der aktuelle Sachstandsbericht, den Architekt Patric Göhner vom ortsansässigen Büro Göhner und Schrade vortrug.

KNITTLINGEN (ch) Betretene Gesichter gestern Abend im Knittlinger Gemeinderat. Die im Mai beschlossene Freibad-Sanierung dauert erheblich länger und wird sehr wahrscheinlich deutlich teurer. Das ergab der aktuelle Sachstandsbericht, den Architekt Patric Göhner vom ortsansässigen Büro Göhner und Schrade vortrug.

Bürgermeister spricht von „bösem Erwachen“

Den Ernst der Lage fasste Bürgermeister Heinz-Peter Hopp in Worte, indem er von einem „bösen Erwachen“ und „Ängsten wegen der Trinkwasserversorgung“ sprach. Am Ende stimmten die Gemeinderäte zähneknirschend, aber geschlossen einer ergänzenden Baugrunduntersuchung zu. Zugleich wurde beschlossen, die Zusammenarbeit mit dem Freiburger Architekturbüro Sacker zu beenden und die weitere Planung und den Ausbau in eine Hand, nämlich in die des Büros Göhner und Schrade, zu legen. Was war geschehen?

Baugrundgutachten nicht berücksichtigt

Am 9. Mai hatte sich der Gemeinderat dafür entschieden, das fast 100 Jahre alte Freibad komplett zu erneuern. Für 2,9 Millionen Euro sollten das Schwimmer-, Nichtschwimmer- und Kleinkindbecken vergrößert und zudem – auf Empfehlung des Architekturbüros Sacker aus Freiburg - in robustem Edelstahl ausgeführt werden. Sacker hat bereits die erfolgreiche Modernisierung der Brettener Badewelt geplant. Als Fertigstellungstermin für das Knittlinger Bad wurde 2019 ins Auge gefasst. Doch dann stellte sich Mitte August bei einem Planungstermin im Knittlinger Rathaus heraus, dass die Freiburger ein ihnen seit längerem vorliegendes Gutachten über den Baugrund des Freibads bei der Erstellung ihres Sanierungskonzepts nicht berücksichtigt hatten. Was das bedeutet, erläuterte Patric Göhner, dessen Büro seit Mai die örtliche Bauleitung und Bauüberwachung innehat: Der Baugrund ist hochproblematisch, weil erstens der Grundwasserspiegel jahreszeitabhängig stark wechselt und zweitens in acht bis zehn Metern Tiefe Gipskeuper vorhanden ist, der zu Bewegungen im Untergrund führen kann.

Kritik und Gegenkritik

Erste Anzeichen dafür gibt es bereits. Unter dem Schwimmer- und dem Nichtschwimmerbecken hat sich laut Göhner der Boden zwischen einem und fünf Zentimetern gesetzt. „Völlig indiskutabel“ sei dies für ein neues Becken, bei dem es um Toleranzen im Millimeterbereich gehe. Sein Vorschlag: Gegen hoch drückendes Wasser das Stahlbecken in eine Betonwanne setzen und es zugleich mit Pfahlgründung gegen Bodenbewegungen sichern. Ein weiterer Kritikpunkt Göhners: Auch die sanierungsbedürftigen Freibadgebäude seien nicht bewertet worden. „Ich muss aber erst die Bausubstanz in Ordnung bringen, um dann die neue Technik darauf bauen zu können“, so der Architekt. Das kritisierte Büro reagierte auf vorherige Nachfrage mit Unverständnis. Man habe frühzeitig kommuniziert, dass man aus Kapazitätsgründen nicht die vollständige Planung übernehmen wolle, dann aber nichts mehr gehört. Nun die Zusammenarbeit ohne Einladung zu der entsprechenden Gemeinderatssitzung zu beenden, sei „nicht gerade der anständigste Weg“, sagte der zuständige Architekt Jens Pasche.

Trinkwasserversorgung geht vor

Das vom Bürgermeister erwähnte „böse Erwachen“ bescherten erst vor gut einer Woche Fachleute von Landratsamt und Regierungspräsidium. Sie nahmen den Knittlingern jegliche Hoffnung, dass die notwendige wasserrechtliche Erlaubnis für herkömmliche Bohrpfähle erteilt wird. Der Grund: Das Freibad liegt in direkter Nachbarschaft zu Knittlingens wichtigstem Trinkwasserbrunnen oberhalb des Sportplatzes. Eine absehbare Beeinträchtigung der Trinkwasserversorgung will aber niemand riskieren.

Wie geht es weiter?

In den nächsten Monaten sollen ein erweitertes Baugrundgutachten erstellt und über zwölf Monate die Grundwasserpegel gemessen werden. Erst 2019 könne dann auf dieser Basis über eine geeignete Tiefgründung – sei es ein großflächiger Bodenaustausch, eine Beckenanhebung oder etwas anderes - entschieden werden. Allein deshalb sind laut Göhner weder Kosten- noch Zeitplan haltbar. Als „realistisches Ziel“, bis zu dem beschlussfähige Kosten und ein Terminplan vorgelegt werden sollen, nannte er „Ende März 2018“.

Enttäuschung bei den Gemeinderäten

Sprecher der Gemeinderatsfraktionen äußerten sich ernüchtert und kritisierten die bisherigen Planer. „Ich bin davon ausgegangen, dass wir an den Richtigen sind“, meinte Klaus Meiser (CDU). Doch jetzt komme diese „Hiobsbotschaft“, er sei „enttäuscht“. Bei seinem Parteifreund Bernd Vogt kam sogar „nach der Enttäuschung Wut hoch“. Schon bei drei Millionen Euro sei man an der „Schmerzgrenze“ gewesen, nun werde es „auf jeden Fall deutlich teurer“, befürchtete Frank Knodel (Alternative Liste) und schlug vor, auch ein Naturfreibad zu prüfen. Michael Arnold (SPD) bekannte: „Mir als langjährigem Befürworter der Freibadsanierung blutet das Herz.“ Dennoch solle man jetzt „nicht in Schockstarre verfallen“. Er warnte sowohl vor einer Verschiebung der weiteren Planung als auch vor „Schnellschüssen“. Alle waren sich einig, dass man nun, wie Klaus Meiser sagte, „in den sauren Apfel beißen“ und die vorgeschlagenen Zusatzuntersuchungen einleiten müsse.

Autor:

Chris Heinemann aus Bretten

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