Alkohol und Tabak: Missbräuchlicher Konsum deutlich gestiegen
Macht Corona süchtiger?

 Viele Menschen trinken und rauchen seit der Corona-Krise deutlich mehr als zuvor.
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  • Foto: Michael Jarmoluk
  • hochgeladen von Christian Schweizer

Pforzheim (kn) Viele Menschen trinken und rauchen seit der Corona-Krise deutlich mehr als zuvor. Das zeigt eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse. Darüber hinaus nimmt der exzessive, missbräuchliche Konsum von Alkohol und Tabak seit Jahren zu. So verzeichnet die KKH bei Versicherten, die wegen einer Abhängigkeit, Entzugserscheinungen, eines akuten Rausches oder psychischer Probleme aufgrund sogenannter legaler Drogen ärztlich behandelt wurden, von 2009 auf 2019 einen Anstieg bei exzessivem Tabakkonsum von fast 79 Prozent und beim Rauschtrinken von fast 37 Prozent.

Hohe Dunkelziffer befürchtet

Von Tabakmissbrauch waren zuletzt mehr als 110.000 und von Alkoholsucht mehr als 28.000 KKH-Versicherte betroffen. Hochgerechnet auf ganz Deutschland sind das etwa 5,2 beziehungsweise 1,3 Millionen Menschen. Da die Daten nur ärztlich diagnostizierte Fälle erfassen, dürfte die Dunkelziffer aber weitaus höher seinn, so die Krankenkasse in einer Mitteilung.

Umfrage: Ein Viertel trinkt seit Corona häufiger Alkohol

Auch die Umfrage-Ergebnisse sind besorgniserregend: Demnach trinken jeder dritte Mann und rund jede fünfte Frau an mehreren Tagen pro Woche Alkohol, neun Prozent der Männer und fünf Prozent der Frauen teils sogar täglich. Die Corona-Krise hat die Situation noch verschärft: Fast ein Viertel derjenigen, die ohnehin schon mehrmals wöchentlich Wein, Bier, Sekt oder Hochprozentiges konsumieren, geben zu, dies seit der Pandemie häufiger zu tun.

Mehr Zigaretten und illegale Drogen

Ähnlich geht es den Rauchern: Jeder neunte regelmäßige Raucher und sogar jeder dritte Gelegenheitsraucher sagen, seit Corona häufiger zur Zigarette zu greifen. Vor allem die Jüngeren gehen mit schlechtem Beispiel voran: Rund jeder dritte 16- bis 29-Jährige raucht seit der Krise mehr. Ganz oben auf der Skala stehen Zigaretten mit 71 Prozent. Jeder Sechste in dieser Altersgruppe raucht außerdem Shisha und jeder zwölfte konsumiert sogar illegale Drogen wie Cannabis, Marihuana oder Haschisch. Und nicht nur das: Jeder Neunte greift im Alltag zu weiteren Suchtmitteln wie Leistungssteigerern in Form von Tabletten oder Energy-Drinks, in der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen sogar jeder Sechste.

Gefahr für Abhängigkeit in Krisenzeiten größer

„Ein gesteigerter Coolness-Faktor sowie Stress und Langeweile zählen zu den häufigsten Gründen, warum gerade junge Menschen trinken und rauchen“, sagt Michael Falkenstein, Experte für Suchtfragen bei der KKH Kaufmännische Krankenkasse. Durch den Lockdown während der Corona-Pandemie hätten zum einen die Langeweile und somit offenbar auch der Konsum von Zigaretten, Alkohol und anderen Drogen zugenommen. Zum anderen seien solche Rauschmittel gerade in Krisenzeiten für viele Menschen eine Art Bewältigungsmechanismus, da sie entspannen und beruhigen und vermeintlich Ängste und Sorgen vertreiben, erläutert der Experte. „Die große Gefahr dabei ist, dass aus dem vermehrten Konsum während einer schweren Phase eine Gewohnheit wird und dadurch ein noch höheres Risiko für eine Abhängigkeit entsteht.“ Falkenstein gibt gerade mit Blick auf Tabaksüchtige zu bedenken, dass diese nicht nur ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen, sondern auch diejenigen gefährden, die passiv mitrauchen: „Junge Eltern etwa sollten vor allem ihre Kinder schützen und mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie gar nicht erst rauchen oder schnellstmöglichst damit aufhören.“ Das Gleiche gelte natürlich auch in Bezug auf andere Drogen wie Alkohol, betont der Suchtexperte.

Autor:

Christian Schweizer aus Bretten

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