Endlich wieder Konzerte!
Jazz-Ensembles und Chöre des MGB sorgen für Begeisterung

Die Jazz-Ensembles und Chöre des Melanchthon-Gymnasiums Bretten haben sich nach der Pandemie die Bühne zurückerobert.
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Bretten (soe/ger) An zwei Abenden war es den Familien, Fans und Musikliebenden nun endlich wieder vergönnt, die Ensembles des Melanchthon-Gymnasiums Bretten auf der Bühne zu erleben. Die Kunst lag dabei nicht nur darin, ein abendfüllendes Programm – trotz aller Hindernisse in Pandemiezeiten – zu erarbeiten, sondern die große Tradition an dem Musikgymnasium weiterzuführen und wiederzubeleben. Die große Sehnsucht nach der Bühne, nach dem gemeinsamen Musizieren, nach dem Applaus des begeisterten Publikums war allen Aufführenden anzumerken. Motiviert bis in die Haar- und Fingerspitzen waren alle sehr konzentriert, voller Adrenalin und Spielfreude.

Konzert-Motto "Heal the World"

Möglicherweise erscheint Außenstehenden das Motto des Abends „Heal the World“ etwas vermessen, aber wenn die Welt so voller Liebe wäre wie an diesem Abend die Aula des MGB, gäbe es sicher weniger Leid und die Welt wäre tatsächlich ein besserer Ort.
Die Musical Kids unter der Leitung von Jasmin Reimer und begleitet von Franziska Wamsler am Klavier ließen mit ihrem Programm die zurückliegenden beiden Jahre Revue passieren. Kindgerecht, leicht und dennoch tiefgründig verbanden die Unterstufenschülerinnen und -schüler mit treffenden Dialogen die Stücke miteinander und bezogen sie auf den Alltag mit der Pandemie. Ihr einfühlsames und vielseitiges Programm begannen sie mit dem Friedensgruß „Shalom Chaverim“, denn „kaum ist eine Krise am Abklingen, kommt schon die nächste um die Ecke“. Untermalt von Oboen- und Querflötenklängen stimmten immer mehr Sängerinnen und Sänger in den Wunsch nach Frieden ein.

Erinnerung an Corona-Zeit

Eine neuseeländische Volksweise mit der Bedeutung „Die große Flut ist gekommen, aber wir haben sie überlebt“, mit Soli von Joel Bregler, Jakob Foos und Johann Wieder, bildete sozusagen die hoffnungsvolle Überschrift. Erinnerungen an die vermeintliche Verlängerung der Osterferien, die in einen unendlich scheinenden Lockdown mündete, in dem einem die Freunde fehlten und man sogar die manchmal nervigen Lehrer vermisste, illustrierten die Musical Kids tanzend und singend zu „Con calma“ und „Ohne dich wär’s grau“. „Das ist Swing“ verdeutlichte, dass Musik auch in schweren Zeiten hilft, und „Dance Monkey“ zeigte, wie man bei der Rückkehr in die Schule trotz Einschränkungen weitermachte: Wenn man nicht singen darf, tanzt und beatboxt man eben. „Applaus, Applaus“ der Sportfreunde Stiller galt in diesem Fall nicht nur all den systemrelevanten Berufsgruppen, sondern vor allem den Musical Kids selbst.

Unterstufenschüler rocken die Bühne

Danach übernahmen die Jazz Youngsters: 20 Unterstufenschüler rockten die Bühne. Unglaublich, wie es Bandleader Fabian Singler gelungen ist, trotz eingeschränktem Probenbetrieb, wo zeitweise gar nicht oder nur klassenstufenweise mit viel Abstand geprobt werden konnte, aus den Nachwuchsmusikern eine derart stimmig aufspielende Truppe zu machen. Mit „Hang on Sloopy“, „Mercy, Mercy, Mercy“ und „Moanin‘“lebten die 50er- und 60er-Jahre wieder auf. Im „Peter Gunn Theme“, bekannt aus den Blues Brothers, überzeugten die Bläser mit abwechselnden Leadstimmen, wie auch beim „Final Countdown“. Die Rhythmusgruppe aus Piano, Percussion und Bass hielt bei allen Stücken souverän den Takt und gab den Bläsern damit einen sicheren Rahmen. Ein wohltuender Ausflug in die Welt der Jazzmusik, der alle Krisen in den Hintergrund stellte. Oder, wie Schulleiterin Elke Bender es treffend ausdrückte: „Wir waren nie weg, wir lassen uns nicht unterkriegen!“

Entführung in das Land der Hobbits

Der Große Chor entführte dann die Zuhörenden zunächst ins Land der Hobbits und Xenofon Ouzounoglou erntete als Solist bei „I see fire“ Szenenapplaus. „Blackbird“ erinnerte an die Bürgerrechtsbewegung in den USA und mit einem Klassiker des Chores wurde die Hoffnung weitergetragen, dass „Wunder gescheh’n“ (Nena). Chorleiterin Ursula Benzing sprach die anwesenden Eltern persönlich an, um ihrer Dankbarkeit, mit diesen wunderbaren Jugendlichen singen und arbeiten zu dürfen, Ausdruck zu verleihen. Pianist Philipp Lingenfelser, der seit Jahren den Chor begleitet, zeigte besonders bei der „Choral Suite“ aus dem Film Frozen sein feines musikalisches Gespür. Der Chor verabschiedete sich dann fürs Erste, nicht ohne ein Wiedersehn im weiteren Verlauf des Programms zu versprechen.

Bühne nach Zumutungen der Pandemie zurückerobert

Die Big Band unter der Leitung von Till Drömann nahm dann ganz bewusst sukzessive nach Instrumenten gestaffelt die Bühne ein. Die Musikerinnen und Musiker eroberten sich sozusagen ihr ureigenstes Feld zurück von den Zumutungen der Pandemie. Sie starteten mit „Hit the Road Jack“, machten es mit dem „James Bond Theme“ spannend und widmeten „Fly like an eagle“ Bernhard Pfaus, dem langjährigen Leiter der Big Band. Beflügelt ging es weiter mit Joe Zawinuls „Birdland“ um dann beschwingt und swingend im Regen zu singen („Singin‘ in the rain“). Die Entwicklung der Band und die Wirkung der Bühne auf die Musizierenden wurde besonders bei „Don’t you worry ‘bout a thing“ deutlich. Im Probenlandheim vor den Osterferien war das Zusammenspiel schon recht ordentlich, aber nun konnte man genau diese Unbeschwertheit spüren, die der Titel ja fordert. Einen besonderen Dank richtete Till Drömann an die Schulleitung, die das MGB mit großer Sorgfalt durch die Pandemie steuerte und auch im gerade laufenden Umbau alles Menschenmögliche tut, um die so wichtigen Proben zu gewährleisten.

Erlösender Moment für Schulgemeinde

Fast schon eruptiv und losgelöst war dann „Phat Kat“, bevor der Chor sich zur Big Band gesellte und ein harmonisches Gesamtbild entstand. Getragen vom Dreivierteltakt schwelgte man im „Moon River“ und „Je veux“ von Zaz hätte genauso als Motto des Abends dienen können. Man sah Menschen, die durch ihren Willen etwas erreichen, was das Leben ein bisschen besser und vor allem schöner macht. In konfliktbeladenen Zeiten, das machte Till Drömann noch einmal ganz deutlich, geht es nur so. Man muss das Leben gemeinsam gestalten! Dem neuen und alten Gemeinschaftsgefühl verliehen dann zu guter Letzt alle mit „Heal the World“ Ausdruck. Ein Stück Unbeschwertheit ist zurück, ein erlösender Moment für die gesamte Schulgemeinde.

Autor:

Katrin Gerweck aus Bretten

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