40 Jahre BreWo

Lange und kurze Auffahrten zur Datenautobahn
Beim Breitbandausbau hat der Landkreis Karlsruhe den Enzkreis hinter sich gelassen

Das Rückgrat des Breitbandausbaus im Landkreis Karlsruhe: Der Kartenausschnitt zeigt den Hauptstrang der Glasfaserverbindungen im östlichen Landkreis - in Violett die fertigen Trassen, Rot und Gelb die in Bau bzw. Planung befindlichen Abschnitte.
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  • Das Rückgrat des Breitbandausbaus im Landkreis Karlsruhe: Der Kartenausschnitt zeigt den Hauptstrang der Glasfaserverbindungen im östlichen Landkreis - in Violett die fertigen Trassen, Rot und Gelb die in Bau bzw. Planung befindlichen Abschnitte.
  • Foto: BLK GmbH
  • hochgeladen von Chris Heinemann

LANDKREIS KARLSRUHE/ENZKREIS (ch) Die fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche, sei es bei Bankdienstleistungen, am Arbeitsplatz oder bei privaten Anwendungen, erfordert auch im Kraichgau immer leistungsfähigere Datennetze. Sowohl im Kreis Karlsruhe als auch im Enzkreis ist man sich einig, dass derzeit allein die Glasfasertechnologie in der Lage ist, den beispielsweise vom neuen 5G-Mobilfunkstandard angeheizten Bedarf an immer größeren Datenübertragungen zu decken. Doch der Ausbau des erforderlichen Breitbandkabelnetzes kommt in den beiden Landkreisen sehr unterschiedlich voran.

Unterschiedliche Prioritäten

Derzeit hat der Landkreis Karlsruhe klar die Nase vorn. Während dort der Bau eines kreisweiten Backbone-Netzes, zu Deutsch Rückgrat- oder Hauptstrang-Netz, als Voraussetzung für den Glasfaser-Anschluss der einzelnen Kommunen seit 2015 läuft, soll damit im Enzkreis – einschließlich Mitverlegungsmaßnahmen und Anpachtung bestehender Trassen von privaten Anbietern - erst in der zweiten Hälfte dieses Jahres begonnen werden. Dabei haben sich 25 der 28 Enzkreisgemeinden und der Enzkreis schon 2013 zu einem Zweckverband Breitbandversorgung im Enzkreis (ZVBE) zusammengeschlossen, um ein interkommunales Breitbandnetz mit mindestens 50 Mbit/s aufzubauen. Der Kreistag Karlsruhe hingegen fasste mit derselben Zielsetzung erst 2014 den Beschluss, ein eigenes Tochterunternehmen zu gründen. An der Breitbandkabel Landkreis Karlsruhe GmbH (BLK) sind indirekt neben 30 der insgesamt 32 Landkreiskommunen plus Bad Herrenalb auch die Stadtwerke der großen Kreisstädte beteiligt. Ein Jahr später stellte die BLK das erste Backbone-Teilstück fertig und konnte 2015 mit der inexio GmbH auch schon einen Netzbetreiber präsentieren.

Backbone-Netz im Kreis Karlsruhe fast komplett

Inzwischen ist das Backbone-Netz im östlichen Landkreis Karlsruhe schon fast komplett: Von Walzbachtal über Bretten bis Oberderdingen, Kürnbach, Sulzfeld und Zaisenhausen sind nach Angaben der BLK grundsätzlich alle Gemeinden erreichbar. Ausnahme ist Gondelsheim, das jedoch dieses Jahr ebenfalls angeschlossen werden soll. Dabei musste die BLK die entlang der Stadtbahntrasse verlaufende Backbone-Strecke von Karlsruhe über Walzbachtal bis in den Ortskern von Oberderdingen gar nicht neu bauen, sondern konnte einfach bereits vorhandene Glasfaserleitungen anpachten. Lediglich größere Lückenschlüsse, von Oberderdingen nach Kürnbach und von der AVG-Trasse bis zum Walzbachtaler Rathaus, wurden selbst gebaut oder wiederum angepachtet, zum Beispiel ein gemeindeeigenes Leerrohr nach Großvillars.

Sonderfälle Bretten und Bruchsal

Das Backbone liege teilweise an oder in der Gemarkungsgrenze der Kommunen, werde aber erst fertiggestellt, wenn die laufenden innerörtlichen Ausbaumaßnahmen abgeschlossen sind, heißt es bei der BLK. Und weiter: „Bei Bedarf kann die BLK GmbH – derzeit noch mit Ausnahme von Gondelsheim – das Backbone überall kurzfristig einrichten.“ Im Enzkreis soll es frühestens 2022 so weit sein. Sonderfälle sind Bretten und Bruchsal. Während in Bretten seit 2017 der private Breitbandversorger BBV Rhein-Neckar das innerörtliche Glasfasernetz verlegt und schrittweise in Betrieb nimmt, begann in Bruchsal erst im Juni letzten Jahres die Deutsche Telekom mit dem Ausbau und will bis Ende 2019 alle beantragten Hausanschlüsse in den Stadtteilen Unter- und Obergrombach sowie Büchenau fertig gestellt haben.

Kritik am schleppenden Ausbau im Enzkreis

Anders im Enzkreis, wo der ZVBE bisher hauptsächlich Mitverlegungsmaßnahmen für den Ausbau von Breitbandinfrastruktur genutzt hat, die meistens innerörtlich erfolgen. In den 16 von 25 Verbandskommunen, in denen der ZVBE bislang tätig war, wurden nach seinen Angaben seit 2016 knapp 62 km Breitbandinfrastruktur verlegt und rund 900 Hausabzweige vorbereitet, die jedoch erst nach Inbetriebnahme des Backbone-Netzes angeschlossen werden können. Im nördlichen Enzkreis wird derzeit in Eisingen, Neulingen und Ötisheim innerorts die Glasfaser-Infrastruktur aufgebaut. Auch ein Netzbetreiber muss erst noch gefunden werden. Derzeit werden nach Auskunft des ZVBE die Verhandlungsgespräche vorbereitet. Aus Ungeduld mit dem schleppenden Ausbau haben manche Enzkreiskommunen zur Selbsthilfe gegriffen. In Sternenfels zum Beispiel einigte sich die Gemeinde mit der Deutschen Telekom auf eine erste rasche Verbesserung der Übertragungsraten mit Hilfe der seit April 2018 fertig installierten Vectoring-Technik (VDSL). Diese setzt zwar bis zu den Verteilerkästen an der Straße schnelle Glasfaser ein, nutzt von dort ins Haus aber noch die alten, Tempo drosselnden Kupferkabel. Zuletzt drohte Maulbronns Bürgermeister Andreas Felchle sogar mit Austritt aus dem ZVBE.

Ohne Druck keine Verbesserungen

Insgesamt konnte die BLK Ende 2018 rund 3.000 Endkundenverträge vorweisen, der ZVBE wegen des fehlenden Netzbetreibers noch keine. Im östlichen Landkreis Karlsruhe waren zum Beispiel in Oberderdingen 17 Gewerbebetriebe und vier Privathaushalte angeschlossen, in Walzbachtal drei Firmen und zwei Haushalte, während es Kürnbach aufgrund des vorher schon vorhandenen innerörtlichen Netzes auf die vergleichsweise stolze Zahl von 500 Privatkunden brachte. Die geringere Zahl der Privatanschlüsse in Oberderdingen und Walzbachtal wird mit dem Schwerpunkt auf Gewerbeanschlüssen und dem Umstand erklärt, dass viele Privatleute erst nach Auslaufen ihrer bestehenden Verträge zu Glasfaser wechseln. In beiden Landkreisen ist man jedoch überzeugt, dass es ohne die Gründung von BLK beziehungsweise ZVBE und den damit verbundenen Druck auf die privaten Telekommunikationsunternehmen bis heute nur wenige bis gar keine Verbesserungen der Breitbandversorgung geben würde.

Das Rückgrat des Breitbandausbaus im Landkreis Karlsruhe: Der Kartenausschnitt zeigt den Hauptstrang der Glasfaserverbindungen im östlichen Landkreis - in Violett die fertigen Trassen, Rot und Gelb die in Bau bzw. Planung befindlichen Abschnitte.
Sonderfall Bretten: Nach erfolgreichem Ausbau in den Stadtteilen lässt die Firma Breitbandversorgung Rhein-Neckar (BBV) derzeit auch in der Brettener Kernstadt Glasfaserkabel für ultrasschnelles Internet in die Gehwege verlegen. Foto: ch
Autor:

Chris Heinemann aus Bretten

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