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CDU-Fraktion fordert Nutzungskonzept für St. Laurentius
CDU Bretten sieht "Alarmstufe Rot in Sachen Altenpflege bis 2025"

Das ehemalige katholische Alten- und Pflegeheim St. Laurentius in Bretten.
  • Das ehemalige katholische Alten- und Pflegeheim St. Laurentius in Bretten.
  • hochgeladen von Christian Schweizer

Bretten (swiz) Die CDU-Fraktion in Bretten hat in einer Erklärung die Hängepartie und die Ungewissheit um die Zukunft des stillgelegten Altenpflegeheims St. Laurentius im Herzen der Melanchthonstadt scharf kritisiert. Unter anderem betont in dem Schreiben der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bernd Neuschl, es sei "absolut unverständlich, dass das ehemalige Alten- und Pflegeheim seit über zwei Jahren regelrecht stillgelegt ist".

"Es fehlen 170 Pflegeplätze"

Bis 2025, so die CDU, werde sich die Anzahl der Menschen über 80 Jahren um 17 Prozent erhöhen. Gleichzeitig würden in Bretten dann 170 Pflegeplätze fehlen. Seit 2018 ruhe aber der Betrieb des katholischen Altenheims St. Laurentius. "Das sind die alarmierenden Fakten", so die Christdemokraten. Landrat Christoph Schnaudigel habe indes im Kreispflegeplan 2025 festgestellt, man verfolge das Ziel, auch bei zunehmender Betreuungs- und Pflegebedürftigkeit die Lebensqualität älterer Menschen im Landkreis Karlsruhe sicherzustellen, damit jeder individuelle Unterstützungsleistungen erhalten könne, die ein Altern in Würde gewährleisten würden.

"Wie steht es um die künftige Versorgungsstruktur?"

Mit Blick auf die künftige Versorgung für ältere Menschen in Bretten unterstütze die CDU-Fraktion des Brettener Gemeinderats diese Ziele, heißt es in der Mitteilung der Fraktion weiter. "Jedoch stellt sich die Fraktion die Frage, wie es um die künftige Versorgungsstruktur mit Dauer-, Kurzzeit- und Tagespflege sowie zukunftsorientierten Wohnkonzepten für ältere Menschen in Bretten steht". Die demografische Entwicklung zeige, dass sich der Altersaufbau in den nächsten Jahren und Jahrzehnten massiv verändern werde. So konstatiere der Kreispflegeplan, kennzeichnend für die demografische Entwicklung sei ein langfristiger Bevölkerungsrückgang bei einem zugleich fortschreitenden Alterungsprozess.

Wachsende Anzahl Älterer und Hochbetagter

Folge für die Altenpolitik sei eine wachsende Anzahl Älterer und Hochbetagter mit erfahrungsgemäß hohem Hilfe- und Pflegebedürftigkeitsrisiko sowie eine schwindende Zahl jüngerer Menschen, die Hilfe- und Versorgungsleistungen erbringen könnten. Parallel dazu altere auch die Bevölkerung im erwerbstätigen Alter. Die Anzahl der über 65-Jährigen im Landkreis Karlsruhe habe sich in den vergangenen fünf Jahren um rund zwölf Prozent erhöht. Die Steigerungsquote bei den Menschen ab 80 Jahren werde bis 2025 bei gut 17 Prozent liegen.

"Weshalb nicht auch in Bretten?"

"Aufgrund dieser Analysen fordert die CDU-Fraktion, dass die hierfür zuständigen Gremien sich sehr rasch und umfassend mit dieser Thematik auseinandersetzen und zeitnah vor Ort alternative Wohnformen für ältere Menschen entwickeln und unmittelbar umsetzen", heißt es in der Erklärung der Christdemokraten. Quartiersbezogenen Wohnkonzepten werde eine besondere Bedeutung zukommen, wie zum Beispiel betreutes Wohnen, Seniorenwohnparks, ambulant betreute oder selbstverantwortete Wohngemeinschaften. „Solche Konzepte werden bereits in umliegenden Gemeinden wie Oberderdingen, Neulingen, Philippsburg und Waghäusel mit Erfolg realisiert – weshalb nicht auch in Bretten?“, fragt der CDU-Fraktionsvorsitzende Martin Knecht. Laut Aussage des Kreispflegeplans würden nämlich allein in Bretten bis 2025 etwa 170 solcher Plätze fehlen.

"Ein inakzeptabler Zustand"

Der Ausbau des betreuten Seniorenwohnens in allen Ortsteilen, in denen auch ein höherer Pflegebedarf aufgefangen werde, sei laut Landratsamt zukunftsorientiert und zeitgemäß. "Auch aus diesem Grund ist es absolut unverständlich, dass das ehemalige Alten- und Pflegeheim St. Laurentius seit über zwei Jahren regelrecht stillgelegt ist", kritisiert der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bernd Neuschl. Und weiter: "Nicht nur die CDU, auch viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich, weshalb man seitens der kirchlichen Gremien so lange im Dunkeln, im Ungewissen und im Bereich der Spekulation stehen gelassen wird." Es mangele leider an transparenter Information - "ein inakzeptabler Zustand". Denn es stelle sich seit Langem die Frage, ob die berechtigten Anliegen der betagten Bürger überhaupt noch ernst genommen würden, oder ob sie sich hinsichtlich ihres Alters anderweitig orientieren müssten. "Das Einzige, das die Bürgerschaft bisher keineswegs zufrieden stellend in Erfahrung bringen konnte, ist, dass seitens des Bauherrn wohl eine Machbarkeitsstudie läuft", so Martin Knecht weiter.

Zeitgemäße und zukunftsorientierte Wohnformen

Das öffentlich erklärte Ziel der CDU-Fraktion im Blick auf das Alten- und Pflegeheim St. Laurentius laute seit November 2017, die Versorgung der Seniorinnen und Senioren inklusive der Arbeitsplätze müssten in Bretten ohne Unterbrechung gesichert sein. Angesichts dieser Herausforderungen gelte es, neue, zeitgemäße und zukunftsorientierte Wohnformen für Seniorinnen und Senioren zu entwickeln.

"Keine Lippenbekenntnisse"

Folglich müssten die Rahmenbedingungen geändert werden, damit die Umsetzung von alternativen Wohnformen auch in Bretten leichter werde und die notwendigen Nutzungskonzepte sich noch stärker an den Belangen älterer Menschen ausrichteten. "Somit wird quartiersbezogenen Wohnkonzepten in Zukunft eine besondere Rolle zufallen: Dort wo über Jahre Beziehungen gewachsen sind, wo Jung und Alt im vertrauten Wohnumfeld zusammenleben, wird der Wechsel von der Versorgungs- zur Mitwirkungsgesellschaft am ehesten vollzogen. Die zentrale Lage der Bestandsimmobilie St. Laurentius ist dafür geradezu prädestiniert", so die CDU. Es bleibe zu hoffen, dass das auf der Homepage des Deutschen Seniorenportals postulierte Leitbild von St. Laurentius „Gepflegte Menschlichkeit im Herzen der Stadt“ kein Lippenbekenntnis bleibe.

Autor:

Christian Schweizer aus Bretten

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