"Alarmstufe Rot" für die Veranstaltungsbranche auch in Bretten und der Region
Ein Aufsehen erregender Hilferuf

Wie ein Leuchtturm im Sturm warnte der Pfeifferturm vor dem möglichen Untergang vieler Veranstaltungsbetriebe in Deutschland, Bretten und der Region.
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Region (bea) Um auf ihre Not aufmerksam zu machen, haben sich deutschlandweit Unternehmen aus der Veranstaltungsbranche zusammengeschlossen. Gemeinsam beleuchteten sie am Montagabend, 22. Juni, über 9.000 Bauwerke in ganz Deutschland. In der Melanchthonstadt Bretten illuminierten die Firmen Buschbach Elektroakustik und FS Flashlights den Pfeifferturm in einem knalligen Rot. So war der Turm zwischen 20 und ein Uhr nachts bis weit über die Stadtgrenzen hinaus zu sehen.

Bislang von Rücklagen gelebt

Seit März habe es bei Hans Buschbach lediglich Stornierungen gehagelt, sagt der Meister für Veranstaltungstechnik aus Bretten. Somit habe er, wie viele andere, keinerlei Einkommen erzielen können. Bislang konnte er noch von seinen Rücklagen leben. Die derzeit geltenden Mindestabstandsregeln verhinderten jedoch eine wirtschaftliche Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Mit Änderungen bei den Abstandsregeln rechnet Buschbach erst, sobald ein Impfstoff auf dem Markt ist. Das werde Buschbachs Einschätzung nach nicht vor dem kommenden Sommer passieren. Zwar will er den Kopf nicht hängen lassen, doch betont er: "Wenn sich jetzt nichts tut, wird es nach der Krise die meisten Betriebe nicht mehr geben."

Walzbachtaler Firmen beleuchteten Turmberg in Durlach

Auch die Veranstaltungsfirmen aus Walzbachtal, Magic Sky, dlp motive und Creation Park, nahmen an der Aktion teil und beleuchteten den Turmberg in Durlach. Alexandra Reuter, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, sagt: „Branchenübergreifend herrscht das Gefühl vor, dass die Politik uns zwar sieht, aber nicht versteht“. Zwar gebe es Kreditprogramme oder Soforthilfen und Alternativmöglichkeiten seien im Werden, doch die Einnahmen seien nicht mit denen vor Corona vergleichbar.

Fixkosten in sechsstelliger Höhe

Insgesamt haben die drei Firmen 30 fest angestellte Mitarbeiter, die sich seit dem 1. April in Kurzarbeit befinden, erklärt Reuter. Dabei müssten die Firmen monatliche Fixkosten in Höhe eines sechsstelligen Betrags für Mieten, Leasingraten und Lohnkosten aufbringen. Diese würden trotz des Umsatzes von nahezu null aus Rücklagen und Krediten beglichen. Diese Ausfälle könnten nicht mehr aufgeholt werden.

Ziel: Gemeinsam mit Politik Lösungen erarbeiten

Ziel der Aktion sei es daher, die Politik dazu zu bringen, mit der Branche in Dialog zu treten. Dabei soll an gemeinsamen Lösungen gearbeitet und geklärt werden, wie Veranstaltungen, Messen und Konzerte künftig unter Berücksichtigung der Pandemie rentabel umgesetzt werden könnten, sagt Reuter. Von den Einschränkungen betroffen, seien ebenfalls Technikfirmen, Bühnen- und Messebauer, Ausstatter, Caterer, Logistiker über Künstler bis hin zum Einzelunternehmer, der Content, Drehbuch, Regie oder florale Dekoration zu Events beisteuere. „Es handelt sich hier um eine massive Notlage unserer heterogenen Branche, die über 150 verschiedene Gewerke und Spezialdisziplinen in sich vereint und deshalb über keine einheitliche Lobby verfügt. Umso wichtiger ist es, für eine stärkere Wahrnehmung durch die Politik und Öffentlichkeit zu sorgen und deshalb sind wir selbstverständlich mit dabei“, sagt Torsten Hagedorn, Geschäftsführer von dlp motive und Magic Sky.

Über 2,5 Million Beschäftigte in der Veranstaltungsbranche

Bereits am Montagmittag hatte Initiator Tom Koperek mit einer Pressekonferenz auf die bundesweite Aktion "night of light" aufmerksam gemacht. Die Aktion sei ein Hilferuf an die Politik und solle die Größe des gesamten Wirtschaftszweiges sichtbar machen. Laut der Meta-Studie, die von der Interessengemeinschaft Veranstaltungswirtschaft (IGVW) in Auftrag gegeben wurde, arbeiteten in der Veranstaltungsbranche in etwa gleich viele Menschen, wie in der Automobilindustrie, also über 2,5 Million Menschen. „Wir stehen am Beginn einer gigantischen Pleitewelle“, so Koperek. Die angebotenen Hilfsprogramme für eine Kreditaufnahme würden lediglich zu einer „Verlängerung des Siechtums“ führen. Daher müssten nun schnell neue Hilfen her. Rund 50 Prozent der Betriebe seien akut von einer Schließung bedroht, da sie vier Monate nahezu ohne Einnahmen aushalten mussten. Das könne kein Unternehmen aushalten, so Koperek.

Autor:

Beatrix Drescher aus Bretten

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