Vorgelegtes Hygienekonzept liegt in Berlin / Kritik an Haltung der Gesellschaft
Öffnungsstrategie und Perspektive für Reisebusse gefordert

Über die von Verkehrsminister Winfried Hermann zugesagte Soforthilfe von 40 Million Euro für Bustouristik, sowie die Hilfe von 200 Million Euro für den öffentlichen Personennahverkehr sind Geschäftsführer Thomas Balmer, Simone Ullmann und Jonas Balmer (v.l.) dankbar.
  • Über die von Verkehrsminister Winfried Hermann zugesagte Soforthilfe von 40 Million Euro für Bustouristik, sowie die Hilfe von 200 Million Euro für den öffentlichen Personennahverkehr sind Geschäftsführer Thomas Balmer, Simone Ullmann und Jonas Balmer (v.l.) dankbar.
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Oberderdingen (bea) Die Reisebusse sollen wieder rollen, Firma und Fahrer eine Perspektive bekommen. Das ist auch das Ziel von Thomas Balmer, Geschäftsführer der Firma Wöhrle aus Oberderdingen. Neben dem Linienverkehr bietet seine Firma Mietbusse und deutschlandweite Reisefahrten an. Doch durch die Corona-Krise sind zwei seiner Geschäftszweige weggebrochen. Nicht nur das Unternehmen ist betroffen, in erster Linie sind es die Fahrer und ihre Familien, die wie viele Menschen momentan mit geringeren Arbeitszeiten sowie Einkünften zurechtkommen müssen.

Bus-Korso mit Gänsehautfeeling

Aus diesem Grund haben Disponent Jonas Balmer und sein Bruder die Seitenscheiben eines Reisebusses mit Bildern der Mitarbeiter beklebt. Diese wollten an einem Aktionstag der Busunternehmen ebenfalls Gesicht zeigen. Mit dem bebilderten Bus nahmen Balmers an einem Bus-Korso in Stuttgart mit dem Motto „Busunternehmen jetzt retten“ teil. Zu diesem reisten 150 Busse aus ganz Baden-Württemberg an. „Es war ein Gänsehautfeeling, besonders wenn man sieht, welche Existenzen daran hängen“, sagt Thomas Balmer. Einige seiner Kollegen in der Region hätten nur mit geringfügig zurückgegangenen Fahrtouren im öffentlichen Nahverkehr zu kämpfen, andere in der Touristikbranche mit Totalausfällen. „Je höher der Anteil am Reiseverkehr, um so prekärer ist die Situation“, sagt er.

Vollbesetzte Busse im Fernverkehr

Daher setzt sich Thomas Balmer, als Vorstandsmitglied im Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO), für die Aufhebung des Verbots von Omnibusverkehr zu touristischen Zwecken ein. „Das Flugzeug fliegt und die Bahn fährt, nur Reisebusse dürfen das nicht“, sagt er. Dabei dürften seit vergangener Woche vollbesetzte Busse den Fernverkehr bedienen, erklärt Disponent Jonas Balmer. Reisegäste, sowie Fahrer müssten dabei einen Mund- und Nasenschutz tragen, da sie den Mindestabstand von 1,5 Metern nicht einhalten könnten, erklärt er.

Reisen ohne Mundschutz

Für den Reiseverkehr wünscht sich Thomas Balmer jedoch, dass seine Fahrgäste nicht mit Mundschutz im Fahrzeug sitzen müssen. Dafür haben mehrere Verbände ein Hygienekonzept erstellt und dieses bereits vor Wochen in Berlin eingereicht, erklärt er. Darin wird vorgeschlagen, dass nur der Ein- und Ausstieg in Reisebusse mit Mund- und Nasenschutz erfolgen und lediglich Menschen aus demselben Haushalt nebeneinander sitzen dürften. Jedem Fahrgast soll ein fester Sitzplatz zugewiesen und die Daten der Fahrgäste erfasst werden, sagt Balmer. Mit dem vorgelegten Hygienekonzept fordern Verbände eine Öffnungsstrategie, eine Perspektive und einheitliche Regelungen in allen Bundesländern.

Neuer Reisebus noch keinen Kilometer gefahren

Doch selbst wenn die Erlaubnis für Reisefahrten heute gegeben würde, dauere es etwa zwei Wochen, bis eine Reise geplant, die Busse angemeldet und durchgecheckt seien, erklärt Reiseplanerin Simone Ullmann. Auch der neue Reisebus der Firma hat inzwischen Staub angesetzt. Dieser wurde erst im Februar zugelassen und mit der Werbung zum 75. Firmenjubiläum in diesem Jahr beklebt. „Er ist noch keinen Kilometer gefahren“, sagt Thomas Balmer. Dabei kostet ihn auch dieser Bus in jedem Monat Geld. Zudem hat er bei seinen Reisebussen in die neue Abgasnorm EURO 6 investiert. Doch jetzt stehen sie in der Halle.

Kontrollen zeigten hohe Schwarzfahrerrate

Nun investiert Balmer in den Umbau der Linienbusse, damit Fahrgäste wieder ihre Fahrkarten in den Bussen lösen könnten. Diese sollen bis spätestens Ende Juni mit einer Plexiglasscheibe für den Fahrer ausgestattet sein. Seit 17. März war der Einstieg in die Busse nur über die hintere Tür möglich, ein Fahrkartenverkauf, und damit viele Umsätze blieben aus. Neben Fahrgastrückgängen sorge der Wegfall von Elternbeiträgen für Schülerticket-Abonnements über zwei Monate für geringere Einnahmen. Zudem zeigten Kontrollen eine hohe Schwarzfahrerrate. „Da muss ich die Haltung in der Gesellschaft kritisieren. Die Menschen denken offensichtlich, dass es jetzt in Ordnung ist schwarzzufahren“, sagt Balmer.

Ältere Menschen freuen sich auf Begegnung

Auch die Anmietung der Reisebusse von Vereinen oder Schulklassen ist in den vergangenen Monaten ausgefallen. Dabei sei die Lust der Kunden auf eine Reise groß. "Viele ältere Menschen sind besonders jetzt isoliert und freuen sich auf die Begegnung mit anderen Menschen während einer gemeinsamen Reise“, sagt Ullmann.

Hoffnung auf bundesweite Regelungen

Doch momentan kann sie ihren Kunden keine verlässlichen Aussagen über einen neuen Reisebeginn geben. Selbst für Tagesfahrten müssten Restaurants, Cafés und Ausflugsziele gefunden werden, bei denen Reisegruppen von 30 bis 40 Personen aufgenommen würden. „In Rust, auf der Insel Mainau oder der Zugspitze sind keine Gruppen zugelassen, hier finden nur Einzelpersonen Eintritt“, sagt sie. „Wir brauchen dringend eine Öffnungsstrategie und eine Perspektive für unsere Unternehmen und unsere Mitarbeiter“, sagt Thomas Balmer. So bleibt die Hoffnung mit bundesweit einheitlichen Regelungen ab Mitte Juni wieder auf eine Reise fahren zu dürfen.

Autor:

Beatrix Drescher aus Bretten

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