Corona-Impfungen im Landkreis Karlsruhe und Enzkreis laufen schleppend an/Viel Kritik an Terminvergabe
Viel Diskussion um Corona-Impfung

Die Corona-Impfungen sollen für die Rückkehr in ein normales Leben nach der Pandemie sorgen (Symbolbild). insta_photos - stock.adobe.com
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  • hochgeladen von Christian Schweizer

Region (swiz) Sie sind der Lichtblick in der düsteren Zeit der Corona-Pandemie: Die Impfstoffe der Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer sowie jüngst Moderna sollen auch in Baden-Württemberg das Covid19-Gespenst vertreiben und eine Rückkehr in die Normalität in absehbarer Zeit ermöglichen. Doch seit dem zaghaften Start der Impfungen im Land hagelt es Kritik wegen mangelnder Impfstoffe sowie einem undurchsichtigen Terminmanagement. Geregelt ist die Priorisierung der Personengruppen, die als erstes geimpft werden, auch im Landkreis Karlsruhe und im Enzkreis, durch die Coronavirus-Impfverordnung. Demnach erhalten unter anderem über 80-Jährige sowie ärztliches und pflegerisches Personal zuerst die beiden Impfstoffdosen verabreicht. Allein diese Gruppe macht in Baden-Württemberg rund eine Million Menschen aus. Nach dieser Gruppe folgen dann zwei weitere Priorisierungsstufen.

"Selbst um einen Termin kümmern"

Doch wie erhalten Menschen, die zur ersten Priorisierungsgruppe gehören, ihren Impftermin? "Bislang müssen sich die Menschen selbst um einen Termin kümmern", erklärt Jürgen Hörstmann, Sprecher des Landratsamt Enzkreis. Dem stimmt auch sein Kollege im Landratsamt Karlsruhe, Martin Zawichowski, zu: "In Baden-Württemberg erfolgen keine personalisierten Einladungen. Derzeit richtet sich das Impfangebot noch an den Personenkreis mit der höchsten Priorität." Dieser könne einen Impftermin vereinbaren. Allerdings, so Zawichowski, stünden im Landkreis Karlsruhe derzeit Impftermine nur in begrenztem Umfang zum Beispiel im Zentralen Impfzentrum (ZIZ) in der Messe Karlsruhe in Rheinstetten zur Verfügung (Informationen zum Buchen eines Impftermins finden Sie am Ende des Artikels.)

Vier KIZ im Landkreis Karlsruhe und Enzkreis

Neben den ZIZ sollen Menschen im Landkreis Karlsruhe und im Enzkreis auch in den sogenannten Kreisimpfzentren (KIZ) geimpft werden. Diese befinden sich im Bruchsaler Stadtteil Heidelsheim, in Sulzfeld sowie in Pforzheim und Mönsheim. Doch die stockenden Impfstofflieferungen durch den Bund haben dort zu einer Verschiebung der Eröffnung um eine Woche auf den 22. Januar geführt. Das dortige Termin-Buchungssystem ist frühestens ab 19. Januar freigeschaltet. Bis dahin werden der Landkreis Karlsruhe sowie Pforzheim und der Enzkreis über das ZIZ in Karlsruhe versorgt.

Keine separate Terminvereinbarung für Kreisimpfzentren

An der vorgesehenen Art der Terminbuchung für die KIZ gibt es derzeit allerdings heftige Kritik. So betonen die Kreistagsfraktionen der FDP und CDU im Enzkreis, die zentrale Vergabe von Terminen für die Corona-Impfungen in den Kreisimpfzentren über die Telefonnummer 116 117 sei falsch. „Eine Terminvergabe über das Gesundheitsamt oder die Landratsämter halten wir zumindest im Falle der Kreisimpfzentren für deutlich sinnvoller als die zentrale Vergabe über eine überlastete zentrale Hotline“, so die Fraktionsvorsitzenden Erik Schweickert (FDP) und Günter Bächle (CDU). Zumindest im Landkreis Karlsruhe sehen die Verantwortlichen einen solchen Vorschlag eher kritisch. "Landrat Christoph Schnaudigel steht dem Vorschlag skeptisch gegenüber, weil eine Vergabe durch die Impfzentren selbst, das Problem des zu knappen Impfstoffes nicht löst", so Zawichowski. Es liege ja an den knappen Ressourcen, dass nicht genügend Impftermine angeboten werden könnten und nicht an der Systematik der Terminvergaben. Auch die notwendige Zweitimpfung, die Registrierung sowie die Dokumentation der Impfungen würden für eine zentrale Vergabe sprechen, so Schnaudigel. "Zudem sollte der Bürger die Möglichkeit haben, sich auch flexibel Termine bei anderen Impfzentren holen zu können."

Mit dem Taxi zum Impfzentrum?

Hat ein Senior, der zur derzeitigen Priorisierungsgruppe gehört, sich einen Termin sichern können, stellt sich für manchen noch die wichtige Frage, wie er überhaupt zu seinem Impfort kommt. In den Landratsämtern setzt man da auf Eigenverantwortung. "Wir gehen davon aus, dass die meisten Personen, die einen Impftermin vereinbart haben, selbst mit dem Auto anfahren, den ÖPNV nutzen, von Angehörigen zu einem Impfzentrum gebracht werden oder mit dem Taxi anreisen", heißt es von Zawichowski. Zudem gebe es mit dem Start der Impfzentren Heidelsheim und Sulzfeld einen Shuttletransport vom Bahnhof Bruchsal beziehungsweise Sulzfeld zu den KIZ. Und auch im Enzkreis sieht man den Umstand der Anfahrt pragmatisch: "Bei den Menschen, die dies können, setzen wir darauf, dass sie so zum Impfzentrum kommen, wie sie auch zu ihrem Arzt, ihrer Ärztin kommen - zum Beispiel mit Taxi oder Krankentransport", heißt es von Sprecher Hörstmann. Neben den ZIZ und KIZ sollen mobile Impfteams für eine möglichst rasche Impfung der ersten Priorisierungsgruppe sorgen. Der Fokus der Teams richtet sich dabei auf Bewohner der Alten- und Pflegeheime in der Region. Dabei sind im Enzkreis und im Landkreis Karlsruhe die mobilen Teams (MIT) des ZIZ Karlsruhe unterwegs. Diese haben Ende Dezember mit Impfungen in Alten- und Pflegeeinrichtungen begonnen. Die MITs der Kommunalen Impfzentren sollen mit dem Start der KIZ dann zusätzlich ihre Arbeit aufnehmen und in die Heime entsendet werden.

Hohe Corona-Rate in Pflegeheimen

Kritik gab es, unter anderem von dem FDP-Bundestagsabgeordneten Christian Jung (Karlsruhe-Land), an der einseitigen Fokussierung der Impfteams auf Alten- und Pflegenheime: "Seit Tagen fordert die FDP die Landesregierung auf, nicht nur die stationären Altenheimbewohner durch mobile Impfteams aufzusuchen, sondern dies ebenso mit Menschen in der ambulanten Pflege zu tun. Es kann unter Infektionsschutzgesichtspunkten nicht sein, dass diese vulnerablen Gruppen nun mit Bussen oder Taxen zu den Impfzentren gebracht werden sollen." Wer in einem Alten- und Pflegeheim lebe, habe gegenüber Personen desselben Alters, die nicht in einer derartigen Einrichtung untergebracht seien, ein um ein Vielfaches höheres Risiko, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren, betont dagegen Dr. Brigitte Joggerst, die Leiterin des Gesundheitsamtes Enzkreis, in einer Erklärung. So gehe laut einer aktuellen Veröffentlichung der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut fast die Hälfte der Covid19-Todesfälle in Europa auf Verstorbene in Pflegeheimen zurück, in der Region liege der Anteil sogar nahe 60 Prozent.

"Man kann kein Impfteam von Haus zu Haus schicken"

Daher, so Dr. Daniel Sailer, der den Aufbau des KIZ in Mönsheim koordiniert, handelten die Impfteams nach einem Leitfaden des Landes. Laut diesem sind die so genannten „aufsuchende Impfungen“ durch die MIT derzeit nur in vollstationären Pflegeeinrichtungen und neuerdings auch in ambulant betreuten Wohngemeinschaften für Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf, in Hospizen, soweit sie ältere und pflegebedürftige Personen versorgen und in gerontopsychiatrischen Stationen der Zentren für Psychiatrie möglich. „Andere ambulante Versorgungsformen wie beispielsweise betreutes Wohnen fallen derzeit leider nicht unter die von MIT aufzusuchenden Einrichtungen“, bedauert Sailer.
Zudem stellten aufsuchende Impfkonzepte besondere Anforderungen an Ausstattung und Logistik, erklärt Enzkreis-Kreisbrandmeister Carsten Sorg, der als Leiter des Sachgebietes Bevölkerungsschutz die Fahrten der MITs koordiniert. "Man kann im Moment nicht einfach ein Impfteam von Haus zu Haus schicken." So müsse bei der Routenplanung beispielsweise eine durchgehende Kühlung des Impfstoffs garantiert werden. Und das weitaus größere Problem: Sobald ein Impfteam in einem Privathaushalt den Impfstoff mit einer Lösung aufbereitet und danach eine der sechs daraus gewonnenen Impfdosen verimpft hat, dürfen die restlichen fünf Impfdosen aus hygienischen Gründen nicht mehr transportiert oder anderweitig verwendet werden.

Info: Wie bekomme ich einen Corona-Impftermin?

Autor:

Christian Schweizer aus Bretten

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