Deutlich mehr Beleidigungen seit Corona
Anfeindungen gegen Amtsträger in Bretten

Auch für Strafzettel werden Ordnungsamtsmitarbeiter angefeindet. Ordnungsamtsleiter Simon Bolg (rechts) zeigt Beleidigungen an.
  • Auch für Strafzettel werden Ordnungsamtsmitarbeiter angefeindet. Ordnungsamtsleiter Simon Bolg (rechts) zeigt Beleidigungen an.
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Bretten (bea) „Sie Drecksau“. Das ist eine der Beleidigungen, die der Brettener Ordnungsamtschef Simon Bolg sogar per E-Mail erhalten hat. Ein Brettener habe ihm einmal gar Amtsmissbrauch und Bruch seines Amtseids vorgeworfen. Doch besonders auf Streife erleben die Mitarbeiter des Ordnungsdiensts teilweise „derbe Beleidigungen“, berichtet Bolg. Auch wenn dies glücklicherweise eher selten vorkomme. Noch vor drei Jahren habe die Fallzahl der persönlichen Beleidigungen jährlich im einstelligen Bereich gelegen. Seit Corona gebe es davon bis zu 20 Beleidigungen im Jahr. In jedem Fall würden diese strikt mit einer Anzeige verfolgt. Wer mit einem Strafzettel nicht einverstanden sei, könne sich gerne mit dem Ordnungsamt in Verbindung setzen, sagt Bolg. „In der Sache kann jeder mit uns über alles sprechen.“ Auch gebe es bei jedem Strafzettel für den vermeintlichen Missetäter die Wahl des Rechtswegs. „Sobald es jedoch um Beleidigungen oder Straftaten geht, hört der Spaß auf.“ Beispielsweise bei körperlichen Übergriffen. So wurde in der Vergangenheit auch schon Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte angezeigt. Auch bei einer Rangelei mit einem Anti-Corona-Demonstranten, der sein Megaphon nicht aushändigen wollte, sagt Bolg. Dieser habe dann direkt einen Platzverweis erhalten. Denn dem Vollzugsdienst dürfe man sich wie der Polizei nicht widersetzen, sagt der Leiter des Ordnungsamts.

"Mitarbeiter bekommen oft Frust der Menschen an"

„Unsere Mitarbeiter bekommen oft den Frust der Menschen ab.“ Das Wort „Arschloch“ sei da leider üblich, sagt Bolg. Achim Kleinhans sei sogar schon einmal verbal angedroht worden, dass er in seinem Zimmer „abgestochen“ werde, erzählt er selbst. Die Person, die diese Drohung ausgesprochen habe, hatte zuvor bereits mehrere Anzeigen erhalten.

Seit dem Auftritt der Querdenkerszene konnte Bolg außerdem eine zunehmende Verrohung im Umgang von Menschen gegenüber Ordnungshütern feststellen. „Die Hemmschwelle ist seit Corona merklich gesunken.“ Auch im Bürgerservice habe es bereits Vorfälle gegeben, deutet er an. „Dabei wollen wir doch nur erreichen, dass die Menschen ein Einsehen haben“, sagt Bolg und blickt in seine Übersichtsliste. Im Jahr 2021 habe es insgesamt über 50.000 Ordnungswidrigkeitsverfahren gegeben, dazu zählen allerdings auch Strafzettel für zu schnelles Fahren.

"Das ist unser tägliches Brot"

Oftmals gebe es jedoch keine Einsicht für ein Fehlverhalten, für das jemand eine Sanktion bekomme, sagt er. Auch im Internet mit seiner vermeintlichen Anonymität würden oft Beleidigungen gegen die Mitarbeiter des Ordnungsamts offen ausgesprochen. „Seit Corona hat sich die Anzahl der Beleidigungen dort fast verdreifacht“, sagt Bolg. Das gilt auch für Sprachnachrichten, die den Ordnungsamtschef auf dem Anrufbeantworter erreichen. Des weiteren müssten die Mitarbeiter des Ordnungsamts mit Gegenanzeigen rechnen. Sicherlich sei es gut, dass diese Anzeigen geprüft und schließlich eingestellt würden. In Bretten sei es unter der Leitung von Bolg noch zu keiner Zurechtweisung eines Mitarbeiters aufgrund eines Fehlverhaltens gekommen. Dennoch seien die Gegenanzeigen inzwischen zu einer „Masche“ geworden. „Das ist unser tägliches Brot“, kommentiert Simon Bolg. Doch auch wenn die Mitarbeiter des Ordnungsamts ein dickes Fell hätten und die emotionale Lage der Betroffenen nachvollziehen könnten, seien die Mitarbeiter letztendlich "auch nur Menschen, die mit Respekt behandelt werden wollen", sagt Bolg.

Autor:

Beatrix Drescher aus Bretten

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