Mieter fürchten um ihre Sozialwohnungen: Bürgermeister verteidigt geplanten Neubau im Brettener Wannenweg

Die Sozialbauten im Wannenweg: Ab 2019 sollen die Häuser aus den 1950er Jahren abgerissen und neue Gebäude errichtet werden. Foto: ch
 
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Bretten: Städtische Sozialwohnungen |

„Wir haben Angst um unsere Wohnung“, „Man hat uns gekündigt“, „Wenn neu gebaut wird, können wir die Wohnungen nicht mehr bezahlen“ - mit solchen und ähnlichen Nöten haben sich besorgte Mieter der städtischen Sozialwohnungen im Brettener Wannenweg an die Brettener Woche gewandt. Wir haben uns bei den Verantwortlichen nach den Hintergründen erkundigt.

BRETTEN (ch)  „Wir haben Angst um unsere Wohnung“, „Man hat uns gekündigt“, „Wenn neu gebaut wird, können wir die Wohnungen nicht mehr bezahlen“ - mit solchen und ähnlichen Nöten haben sich besorgte Mieter der städtischen Sozialwohnungen im Brettener Wannenweg an die Brettener Woche gewandt. Wir haben uns bei den Verantwortlichen nach den Hintergründen erkundigt.

Statt zwölf künftig 20 Sozialwohnungen

Auf Nachfrage bestätigt Bürgermeister Michael Nöltner, dass der Aufsichtsrat der Städtischen Wohnungsbau GmbH Bretten (WB) beschlossen hat, die noch aus den 1950er Jahren stammenden Gebäude im Wannenweg 1, 3, 5 und 7 abzureißen und neu zu bauen. Nöltner ist Vorsitzender des WB-Aufsichtsrates. Er sagt auch, warum man den Abriss einer Sanierung vorgezogen hat: „Wir suchen händeringend nach zusätzlichem bezahlbarem Wohnraum.“ Ein Neubau der Gebäude bietet nach seinen Worten nicht nur Gelegenheit zu grundlegender Modernisierung, sondern auch die Chance, auf demselben Gelände, mehr Wohneinheiten zu schaffen. Statt der momentan insgesamt zwölf Wohnungen in allen vier Häusern sollen es nachher 20 sein, also acht Wohnungen mehr als bisher. Dies werde hauptsächlich durch eine andere Raumaufteilung und durch einen Ausbau des Dachgeschosses erreicht. Die Häuser sollen statt des bisherigen Spitzgiebels ein leicht schräges Pultdach bekommen.

Umzug in sanierte Wohnungen vorgesehen


Aus diesem Grund habe man zunächst den Mietern der Häuser 5 und 7 bis 31. Dezember 2018 gekündigt, so Nöltner. Der Abriss soll im Frühjahr 2019 beginnen. Derzeit wohnt in den Häusern laut WB-Geschäftsführer Gerd Lehmann „eine bunte Mischung“ aus finanziell schwachen Familien mit Kindern, Paaren und Alleinstehenden. Einige sind im fortgeschrittenen Rentenalter, manche wohnen schon seit Jahrzehnten dort und fürchten, entwurzelt zu werden. Den Gekündigten werde angeboten, in die bis dahin fertig sanierten Wohnungen in der benachbarten Kleiststraße 1 umzuziehen, versucht der Bürgermeister zu beruhigen. Auch den Mietern im Wannenweg 1 und 3 wurde bereits bis Ende Juni 2020 gekündigt. Sie sollen später in die dann fertiggestellten Neubauten im Wannenweg 5 und 7 wechseln können.

Höhere Mieten sind vorprogrammiert

Der von den Betroffenen geäußerten Befürchtung, dass in den sanierten beziehungsweise neu gebauten Wohnungen auch eine höhere Miete fällig wird, widerspricht der Bürgermeister nicht. Nach seinen Informationen zahlen die Mieter im Wannenweg bisher 4,50 bis 5,00 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, für die sanierte Ersatzwohnung werde man dann um die 6,50 Euro verlangen. „Wir versuchen, diesen Wert nicht zu überschreiten“, sagt Nöltner.

„Heutiger Sozialwohnungsstandard“

Allerdings böten die neuen Wohnungen auch deutlich mehr Komfort, zum Beispiel eine Zentralheizung statt Einzelöfen, neue Bäder, moderne Elektrik und teilweise auch Balkone, die es im Wannenweg bisher nicht gab. Dem Verdacht, mit dem Neubau sollten dem Markt Sozialwohnungen entzogen werden, widerspricht der Bürgermeister: „Das ist heutiger Sozialwohnungsstandard.“ Außerdem gelte es, die aktuellen Vorschriften, zum Beispiel zu Energieeinsparung, Barrierefreiheit und Brandschutz, umzusetzen.

WB kündigt Beratung an

Und was passiert, wenn jemand die erhöhte Miete nicht bezahlen kann? „Wir warten jetzt erst mal bis Ende März, dann werden wir auf die einzelnen Mieter zugehen und sie bei Bedarf beraten, wie sie Zuschüsse oder Wohngeld erhalten können“, sagt WB-Geschäftsführer Lehmann. Falls vorhanden, werde man auch eine günstige WB-Wohnung in einem anderen Stadtgebiet vorschlagen. Lehmann fügt hinzu: „Bei uns wird keiner rausgeekelt.“ Er sei sicher, dass für jeden eine Lösung gefunden werde: „Wir lassen die Leute nicht im Regen stehen.“
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