Hochwasserschutz Bretten: Erst zu einem Drittel umgesetzt

Geballte Fachkompetenz für mehr Schutz vor Hochwasser und Starkregen: (von links) Brettens Bürgermeister Michael Nöltner, Sachgebietsleiter Tiefbau Helmut Petri, der neue Leiter des Amts für Technik und Umwelt, Karl Velte, sowie Sachbearbeiter Fabian Dickemann. Foto: ch
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  • Geballte Fachkompetenz für mehr Schutz vor Hochwasser und Starkregen: (von links) Brettens Bürgermeister Michael Nöltner, Sachgebietsleiter Tiefbau Helmut Petri, der neue Leiter des Amts für Technik und Umwelt, Karl Velte, sowie Sachbearbeiter Fabian Dickemann. Foto: ch
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Die Hochwasser- und Starkregensaison von Mai/Juni ist in Bretten – abgesehen von einem Starkregen Ende Mai in Büchig und mit Kellerüberschwemmungen in Bauerbach - das zweite Jahr in Folge relativ glimpflich verlaufen. Wir hatten schon damals im Rathaus nach dem Stand der bis dato umgesetzten und im weiteren Verlauf geplanten Maßnahmen gefragt. Die Antworten ließen – auch bedingt durch die angespannte Personalsituation im zuständigen Fachamt – auf sich warten. Jetzt sind sie da.

Bretten (ch) Die akute Hochwasser- und Starkregensaison von Mai/Juni ist in Bretten – abgesehen von einem Starkregen Ende Mai in Büchig und mit Kellerüberschwemmungen in Bauerbach - das zweite Jahr in Folge relativ glimpflich verlaufen. Das ist in Zeiten des Klimawandels und damit einher gehender gehäuft auftretender Wetterextreme keine Selbstverständlichkeit mehr.

Mammutprojekt Hochwasser- und Starkregenschutz

Derweil laufen die Arbeiten für einen langfristigen Hochwasser- und Starkregenschutz in städtischen Fachämtern, Kreis- und Landesbehörden sowie den beauftragten Ingenieurbüros unaufhörlich, wenn auch für die Öffentlichkeit meist unsichtbar, weiter. Das nach den Überflutungen von 2013 und 2015 aufgesetzte millionenschwere Hochwasserschutz-Konzept für Bretten ist inzwischen zu rund 30 Prozent umgesetzt, sagt auf Nachfrage von kraichgau.news/Brettener Woche Bürgermeister Michael Nöltner, in dessen Zuständigkeitsbereich die technischen Vorkehrungen fallen. Der Aufbau eines langfristig wirksamen Schutzes vor Hochwasser und Starkregen sei ein Mammutprojekt und mitunter ein steiniger Weg.

Vielen Bürgern geht es nicht schnell genug

Aus Begegnungen vor Ort weiß der Bürgermeister, dass es vielen Bürgerinnen und Bürgern, die in den vergangenen Jahren zum Teil erhebliche Wasserschäden zu beklagen hatten, nicht schnell genug geht. Der behördliche Alltag sehe jedoch anders aus. In einer fachlich kompetent besetzten Mitarbeiterrunde schildert der zweite Mann im Rathaus den oft komplizierten Verfahrensweg und beantwortet exklusiv die Fragen von kraichgau.news und Brettener Woche.

Steiniger Behördenweg

Es müssen Gesetze und anderweitige Vorschriften beachtet, aufwändige Vor- und Detailuntersuchungen des gesamten Flussgebiets durchgeführt sowie mehrstufige Genehmigungsverfahren durchlaufen werden, zählt Nöltner auf. Und das ist längst nicht alles. Vor-, Umwelt- und Ausführungsplanungen brauchen Zeit, um spätere, kostspielige Nachbesserungen zu vermeiden. Die Beantragung von „Wasserrecht“, das heißt, der Erlaubnis, in ein Gewässer einzugreifen, aber auch die Beantragung von Fördergeldern beim Land Baden-Württemberg können nach Aussage des neuen Leiters des Amts für Technik und Umwelt, Stadtbaumeister Karl Velte, jeweils zwei bis sechs Monate dauern.

Fachamt im Rathaus personell verstärkt

Und dann entscheidet noch der Gemeinderat über Ausschreibung und Vergabe der Leistungen. Bis zum tatsächlichen Baubeginn können so zweieinhalb bis drei Jahre vergehen, sagt Velte. Das betrifft dann jeweils nur eines von vielen Projekten. Zwar wurde das Amt für Technik und Umwelt inzwischen personell verstärkt. Amtsleiter Karl Velte hat Anfang Juli seinen Dienst angetreten, und dem für Tiefbau zuständigen Sachgebietsleiter Helmut Petri wurde der Bauingenieur Fabian Dickemann zur Seite gestellt. Dennoch dämpft der Amtsleiter allzu hoch gesteckte Erwartungen: „Wenn mehrere Eingriffe an Gewässern notwendig sind, kann es bis zu zehn Jahre dauern, bis alle abgearbeitet sind.“

Gutes Zeugnis für interkommunale Zusammenarbeit

Warum aber wurden manche Maßnahmen wie zum Beispiel der Schutzwall für das Clubhaus in Rinklingen relativ schnell umgesetzt, während andere noch warten müssen? „Da war keine wasserrechtliche Genehmigung nötig, weil die Maßnahme nicht direkt in das Gewässer, sondern nur in dessen Randflächen eingreift“, klärt Helmut Petri auf. Ähnlich rasch und pragmatisch wurde auf interkommunaler Ebene agiert, zum Beispiel bei der Installierung und Vorfinanzierung von zwei Brettener Hochwasserpegeln auf Knittlinger Gemarkung. Alle am Gespräch Beteiligten stellen der interkommunalen Zusammenarbeit in Sachen Hochwasserschutz ein gutes Zeugnis aus.

Behörden lernen dazu

Dabei ist das derzeitige Hochwasserschutzkonzept kein starres Konstrukt. Im Laufe der Untersuchungen, Ortsbegehungen und Planungen, aber auch beeinflusst von Ereignissen andernorts, lerne man ständig hinzu, betont Bürgermeister Nöltner. „Nach dem katastrophalen Starkregen im hohenlohischen Braunsbach 2016 haben wir erkannt, dass wir mit dem normalen Hochwasserschutzkonzept allein nicht weiterkommen.“ Folglich wurde ein ergänzendes Risikomanagement für Starkregen anvisiert. Die Förderzusage dafür liegt inzwischen vor, die Planung wurde im Juli beauftragt. Ein weiteres Beispiel: Nach den Überschwemmungen im Gewann Salzhofen rückten auch die selten oder wenig Wasser führenden Entwässerungsgräben, namentlich Eng- und Hungergraben, verstärkt ins Blickfeld.

Absolute Sicherheit gibt es nicht

Für die nächsten sieben bis acht Jahre bleibt also noch viel zu tun. Die Fachleute im Rathaus bereiten schon die nächste große Wasserbaumaßnahme in Diedelsheim vor. „2019 wollen wir mit der Umsetzung beginnen“, kündigt Bürgermeister Nöltner an und schränkt zugleich ein: „Aber auch da sind wir abhängig davon, wann die Genehmigungsbescheide von den übergeordneten Behörden zurückkommen.“ Und: „Theoretisch können auch bei den vorgeschriebenen Anhörungen noch verzögernde Einwendungen von privaten Anwohnern kommen.“ Bleibt noch die bange Frage, ob sich die Bürgerinnen und Bürger wenigstens mit den bisher erreichten Schutzmaßnahmen sicherer fühlen können als zuvor. „Sicherer auf jeden Fall“, lautet die klare Antwort des Bürgermeisters. Und er fügt hinzu, was auch Oberbürgermeister Martin Wolff gebetsmühlenartig zu wiederholen pflegt: „Absolute Sicherheit gibt es nicht.“ Für Sachgebietsleiter Petri steht außer Frage: „Deshalb ist es so wichtig, dass die Leute auch selbst Vorkehrungen treffen.“

Eine Zwischenbilanz der seit Mitte letzten Jahres umgesetzten Hochwasser- und Starkregenschutzmaßnahmen sowie frühere Berichte finden Sie auf unserer Themenseite Hochwasser

Geballte Fachkompetenz für mehr Schutz vor Hochwasser und Starkregen: (von links) Brettens Bürgermeister Michael Nöltner, Sachgebietsleiter Tiefbau Helmut Petri, der neue Leiter des Amts für Technik und Umwelt, Karl Velte, sowie Sachbearbeiter Fabian Dickemann. Foto: ch
Unspektakulärer, aber wichtiger Hochwasserschutz in Gölshausen: Manchmal wie hier in Gölshausen passieren die maßgeblichen Arbeiten, in dem Fall eine erhebliche Kanalaufweitung, unterirdisch, an der Oberfläche sind nur die neu gesetzten, vergrößerten Entwässerungsdolen zu sehen.
Autor:

Chris Heinemann aus Bretten

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