Ein Besuch auf der Corona-Station in Bretten
"Arbeitsspitzen sind enorm"

Pflegedienstleiterin Jutta Walter in voller Montur: Mit Visier, Kittel und Handschuhen geht es zum Covid-19 Schnelltest.
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  • Pflegedienstleiterin Jutta Walter in voller Montur: Mit Visier, Kittel und Handschuhen geht es zum Covid-19 Schnelltest.
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Bretten (bea) Die Corona-Regeln der Landesregierung sind noch einmal restriktiver geworden. Das liegt an den Mutationen des Coronavirus, die mittlerweile in Baden-Württemberg angekommen sind. Diese könnten durch höhere Ansteckungsquoten für eine schnellere Ausbreitung des Virus sorgen, und so für mehr behandlungsbedürftige Patienten in den Krankenhäusern. In der vergangenen Woche wurde das Humboldt-Klinikum in Berlin unter Quarantäne gestellt und daher keine neuen Patienten angenommen. Könnte dieses Szenario auch der Rechbergklinik des RKH-Verbunds in Bretten drohen? Unsere Redakteurin Beatrix Drescher machte sich vor Ort ein Bild der Lage:

Negatives Ergebnis bei Covid-19 Schnelltest gefordert

Ich kann nicht sagen: Es war schon immer mein Traum auf die Coronastation im Krankenhaus zu gehen, schwirrt doch der Gedanke "dort könnte ich mich noch am ehesten infizieren" in meinem Hinterkopf herum. Doch Krankenschwestern und Ärzte erledigen diesen Gang täglich. Also melde ich mich um kurz vor 10 Uhr am Eingang an und frage nach Jutta Walter, Bereichsleiterin im Pflegedienst. Sie begleitet mich am Montag auf die Corona-Station der Rechbergklinik. Zuvor führt sie jedoch den obligatorischen Covid-19 Schnelltest bei mir durch. Stäbchen ins Nasenloch, bis in den Rachenraum und dort drei Sekunden lang drehen. Das tut zwar nicht weh, ist aber ziemlich unangenehm. "Denken Sie an alles, außer an das, was ich jetzt mache", hatte mir Walter zuvor noch gesagt. Nach 15 Minuten steht das Testergebnis fest: negativ. Eine FFP-2 Maske trage ich.

Partner durch Covid-19 verloren

Auf dem Weg nach oben erzählt mir Walter von ihrer Arbeit. In der vorigen Woche hat sie 65 Schnelltests durchgeführt. Jeder ist mit einer Wartezeit von 15 Minuten verbunden. Das bedeutet einen Zeitaufwand von allein 16 Stunden und 15 Minuten, die zusätzlich zum "normalen" Tagesgeschäft anfallen. Begleitet wird der Test von beruhigenden Gesprächen, denn viele Getestete hätten Angst vor einem positiven Ergebnis. Wenn ein Test dann positiv ausfalle, kämen weitere Ängste hoch. Dies sei verständlich, denn einige Mitarbeiter hätten durch Covid-19 Angehörige verloren, darunter Elternteile oder sogar den Partner. Das sei das Gefährliche an Corona: der Krankheitsverlauf sei nicht vorhersehbar. Während eine 94-jährige Patientin Covid problemlos überstanden habe, sei dies bei einem 40-Jährigen ganz anders verlaufen. "Wir haben hier schon alle Verläufe gehabt", resümiert Jutta Walter. Von so gut wie keinen Symptomen bis hin zum schweren Verlauf mit einer Krankheitsdauer von sechs Monaten. Eine Mitarbeiterin musste sogar stationär behandelt werden, glücklicherweise war bei ihr eine Beatmung jedoch nicht notwendig.

Hohe Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz

Zu einem Zeitpunkt waren sogar 15 der 28 Mitarbeiter auf der Coronastation gleichzeitig in Quarantäne, da alle bei einem Patienten waren, der dann positiv getestet wurde. "Deswegen fahren wir die hohen Sicherheitsmaßnahmen, damit wir geschützt sind", so Walter. Im April vergangenen Jahres habe es auch mehrere Todesfälle in der Klinik gegeben. Das schlimme daran sei, dass man sich vom Verstorbenen nicht wie sonst üblich verabschieden könne. Das bekämen die Mitarbeiter gelegentlich mit. Doch derzeit werde auf der Intensivstation lediglich einer von drei Patienten beatmet. Von den Mitarbeitern waren bislang rund 20 Prozent infiziert.

"Die Arbeitsspitzen für das Personal sind manchmal enorm"

An einem Tag seien sogar acht Covid-Patienten innerhalb von zwei Stunden eingeliefert worden, denen es nicht besonders gut ging. Dabei, so Walter, müsse man wissen, dass die Versorgung von Covid-19-Patienten viel aufwändiger sei, als die Versorgung "normaler" Patienten, da Corona-Infizierte teilweise regelmäßig mit drei Mitarbeitern umgelagert werden müssten. Auch Inhalation und Absaugen sei bei diesen Patienten zeitaufwändig, je nachdem wie schwach diese seien. "Die Arbeitsspitzen für das Personal sind manchmal enorm", sagt Walter. Besonders vor Weihnachten seien die Mitarbeiter stark beansprucht gewesen, da die Station mit Coronapatienten "überrollt" worden sei und auch Personal aus der Anästhesie auf der Covid-Station mithelfen musste. "Gott sei Dank mussten wir noch keine Triage durchführen. Das will keiner machen", kommt Walter noch auf ein Schreckgespenst der Mediziner zu sprechen.

Maßnahmen zeigen Wirkung

Ärzte seien momentan gerade bei Aufklärungsgesprächen gefordert. Ein Patientin der Klinik habe sich ursprünglich nicht beatmen lassen wollen, dann jedoch zugestimmt. Am Montag lagen auf der Corona-Normalstation der Rechbergklinik 14 Covid-19-Infizierte. Eine Mitarbeiterin betreut durchschnittlich vier Patienten. Wenn es jemandem schlecht gehe, könne es passieren, dass die Mitarbeiterin in ihrer Schicht auch bis zu 15 Mal das Patientenzimmer betreten müsse, erzählt Walter. Das bedeutet für sie jedes Mal das Anziehen von Schutzbrille, Visier, Kittel und Handschuhen. Und das bei jedem Patientenzimmer, das die Mitarbeiterinnen betreten. Die FFP-2 Maske wird ohnehin ständig getragen. "Wir sind jetzt froh, dass gerade etwas weniger los ist. Die Arbeitslast ist nicht mehr so sehr angespannt", sagt Walter mit Blick auf die momentanen Zahlen. So sehe sie sehr skeptisch, aber dennoch positiv in die Zukunft. Für sie gelte jedoch weiterhin der Appell: "Bitte bleiben Sie weiter zu Hause und halten die Hygieneregeln ein." Es habe sich gezeigt, dass es Wirkung zeige, wenn die Menschen sich an die Maßgaben hielten.

Autor:

Beatrix Drescher aus Bretten

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