KSC vs. VfB: „Wünschen uns ein intensives und friedliches Derby“

In Karlsruhe steht das brisante Derby zwischen dem KSC und dem VfB Stuttgart an.
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Die Vereinslegenden Burkhard Reich und Günther Schäfer haben hautnah miterlebt, welche Bedeutung das Derby zwischen dem KSC und dem VfB für beide Seiten hat. Die einstigen Abwehrrecken standen sich in zahlreichen Duellen auf dem Feld gegenüber. Heutzutage verbindet die beiden vor allem ihre Funktion: Sowohl Reich als auch Schäfer stehen mittlerweile als Teammanager ihrer Clubs an der Seitenlinie. Im Interview erinnern sich die Vereinsikonen an vergangene Derbys und blicken voraus auf die bevorstehende Neuauflage am Sonntag.

Karlsruhe (Amin Mir Falah/ksc.de) Herr Reich, Herr Schäfer, am Sonntag ist es endlich soweit: Das von beiden Seiten heiß ersehnte Baden-Württemberg-Derby steigt nach sieben Jahren Pause. Wie sehr kribbelt es schon?

Günther Schäfer: Wir freuen uns grundsätzlich auf jedes Spiel, aber natürlich ist die Vorfreude auf die Partie in Karlsruhe bei uns besonders groß – immer verbunden mit dem Respekt, den wir gegenüber jedem unserer Gegner in dieser Liga haben.

Burkhard Reich: Auch wir freuen uns tierisch darauf, nach so langer Zeit mal wieder gegen den VfB antreten zu dürfen. Uns allen wäre es natürlich lieber gewesen, das Duell eine Etage höher auszufechten. Nichtsdestotrotz können sich alle Beteiligten auf ein spannendes Spiel freuen.

Sie haben beide zu Ihrer aktiven Zeit zahlreiche Derbys auf dem Platz miterlebt. Welche Erinnerungen haben Sie an die Duelle?

Günther Schäfer: Die Derbys gegen den KSC waren immer etwas Besonderes. Es waren immer packende, hart umkämpfte Spiele. Über die Jahre haben sich dabei aber auch Freundschaften entwickelt. Ich kenne Burkhard jetzt schon viele Jahre. Wir haben schon oft in verschiedenen Traditionsmannschaften zusammen gespielt. Die Verbundenheit ist unabhängig von den Vereinsfarben groß.

Burkhard Reich: Es waren immer hervorragende Spiele. Wir haben dabei leider des Öfteren den Kürzeren gezogen. Meine persönliche Bilanz gegen den VfB ist mit zwei Remis und einem Sieg nicht wirklich berauschend. Ich hoffe natürlich, dass die Jungs unsere Gesamtbilanz am Sonntag aufpolieren.

Gibt es eine einzelne Begegnung, die besonders stark in Erinnerung geblieben ist?

Günther Schäfer: Ich habe vor allem ein Spiel im Gedächtnis – an das genaue Jahr kann ich mich gar nicht mehr erinnern – in dem wir zuhause zur Halbzeit mit 2:0 in Führung lagen. Ich weiß noch, dass es sehr heiß war an dem Tag. Der KSC hat dann in der zweiten Hälfte extremen Druck entwickelt, sodass das Spiel schlussendlich 2:2 ausging.

Burkhard Reich: Mir bleibt ein Spiel in sehr schmerzvoller Erinnerung, nämlich die letzte Partie der Saison 1995/96. In dem Spiel habe ich mir die Schulter ausgekugelt, weshalb ich im Pokalfinale gegen Kaiserslautern in Berlin eine Woche später nicht mit dabei sein konnte. Das ist die bis heute schmerzlichste Erinnerung, die ich persönlich an die Spiele gegen den VfB habe.

Wie haben sie den jeweils anderen als Gegenspieler auf dem Feld erlebt?

Günther Schäfer: Auf dem Platz selbst kam es zwischen uns nur selten zum direkten Duell – zum Glück, muss man wohl sagen, denn wir beide waren sicherlich keine Kinder von Traurigkeit (lacht). Ich habe Burkhard als Gegenspieler immer geschätzt, weil er stets einer war, der genauso wie ich alles für sein Team gegeben hat.

Burkhard Reich: Ich kann mich Günthers Worten nur anschließen. Im Rückblick muss ich sagen: Ich bin froh darüber, zu unserer aktiven Zeit kein Stürmer gewesen zu sein (lacht).

Das Spiel schürt auf beiden Seiten bisweilen sehr starke Emotionen. In den vergangenen Aufeinandertreffen kam es leider immer wieder zu hässlichen Szenen abseits des Rasens. Wie wichtig ist es, im Vorfeld der Partie an die Vernunft aller Beteiligten zu appellieren?

Günther Schäfer: Es ist unheimlich wichtig, dass sich alle Beteiligten auf das Wesentliche, also auf das sportliche Geschehen konzentrieren. Der Kampfgeist sollte sich ausschließlich auf dem Platz widerspiegeln und nicht im Umfeld. Dass beide Fanlager dem Spiel entgegenfiebern und ihr Team am Sonntag emotional unterstützen werden, ist völlig normal. Wichtig ist nur, dass die Emotionen nicht über das Ziel hinaus schießen. Wir alle wünschen uns ein intensives Derby auf und ein friedliches Derby neben dem Platz.

Burkhard Reich: Ich wünsche mir und hoffe, dass die Emotionen ausschließlich auf dem Platz hochkochen, dass wir dort ein emotionsgeladenes Spiel mit hoffentlich vielen Toren erleben. Wir alle verurteilen Gewalt und Aggressionen in jeglicher Form. Ich bin guter Dinge, dass die Zuschauer, die am Sonntag in den Wildpark strömen, ein friedliches Fußballfest erleben werden.

Sie beide sind als Teammanager sehr nahe dran an den jeweiligen Teams. Besteht die Gefahr, dass auch die Spieler selbst am Sonntag vielleicht mit zu viel Emotion ins Spiel gehen und man dafür sorgen muss, dass sie kühlen Kopf bewahren?

Günther Schäfer: Wir müssen uns darauf besinnen, unserer Spielidee treu zu bleiben und unseren Matchplan umzusetzen. Natürlich bekommen die Spieler mit, wie bedeutsam das Spiel für die Fans ist. Beide Teams werden alles daran setzen, am Sonntag erfolgreich vom Platz zu gehen.

Burkhard Reich: Unsere Jungs spüren vor allem die Vorfreude, die im Umfeld herrscht. Sie wissen, wie unsere Fans ticken und werden von vielen auf das Spiel angesprochen. Ich denke, allein durch den Umstand, dass sie vor ausverkaufter Hütte spielen, wird die Jungs zusätzlich pushen, am Sonntag alles reinzuhauen.

Kommen wir zu den sportlichen Voraussetzungen. Der VfB wird gemeinhin als leichter Favorit gehandelt. Herr Reich, ist das ein zusätzlicher Ansporn für den KSC?

Burkhard Reich: Ich denke, dass der VfB als Bundesligaabsteiger und mit einem Kader, der meiner Meinung nach zu den besten in der 2. Liga gehört, als leichter Favorit ins Spiel gehen wird. Aber wir wollen unseren Heimvorteil, den wir dank unserer Fans am Sonntag haben werden, nutzen.

Herr Schäfer, wird der VfB seiner Favoritenrolle gerecht?

Günther Schäfer: Wir nehmen die Favoritenrolle auch gegen den KSC an. Es ist ja kein Geheimnis, dass wir in der 2. Liga zum Favoritenkreis auf die Aufstiegsplätze zählen. Dennoch ist es wichtig, wie ich eingangs bereits erwähnt habe, allen Gegner den nötigen Respekt zu zollen. Sonst kann es in dieser Liga ganz schnell nach hinten losgehen. Das haben wir schon schmerzlich zu spüren bekommen.

Inwiefern haben die letzten Auftritte der Teams gezeigt, dass wir uns auf ein hoffentlich spannendes Derby einstellen können?

Burkhard Reich: Ich hoffe, dass wir an unseren Auftritt in Würzburg anknüpfen können. Wir hatten, ähnlich wie beim VfB, zu Beginn der Saison etwas Unruhe im Verein. Dass die Erfolgserlebnisse am Anfang ausgeblieben sind, war sicherlich auch mit dem Umbruch verbunden, den wir im Sommer erlebt haben. Trotz der Niederlage gegen Nürnberg haben wir in den letzten Spielen gezeigt, dass wir uns kontinuierlich verbessern.

Günther Schäfer: Mit Ausnahme des Auswärtsspiels in Dresden, das hoffentlich nur ein einmaliger Ausrutscher war, hat unsere Truppe in den letzten Spielen, vor allem in unseren Heimspielen gegen Fürth und 1860 München, gezeigt, dass sie zu mehr in der Liga ist, als die Tabelle aktuell ausdrückt. Auch bei uns herrschte zu Beginn eine gewisse Unruhe im Verein und im Umfeld. Unser neuer Trainer Hannes Wolf hat dann neue Impulse gesetzt und eine neue Spielphilosophie eingebracht, die unsere Mannschaft auf dem Platz bereits sehr gut umsetzt.

Herr Schäfer, worin liegen die Stärken des VfB, die ihn zu einem für den KSC gefährlichen Gegner machen?

Günther Schäfer: Wir fahren mit dem ganz klaren Ziel nach Karlsruhe, mit dem Derbysieg im Gepäck anschließend die Heimreise anzutreten. Wir wollen an unsere letzten Auftritte anknüpfen, unsere spielerischen Möglichkeiten von Beginn an durchsetzen. Das geht aber nur, wenn wir einen stärkeren Willen als der KSC an den Tag legen. Die Truppe, die den Derbysieg am meisten will, wird als Sieger vom Platz gehen.

Herr Reich, wie kann es den Blau-Weißen gelingen, das Derby für sich zu entscheiden?

Burkhard Reich: Wie immer wird es enorm wichtig sein, in der Defensive kompakt zu stehen, die Räume eng zu machen und konsequent in die Zweikämpfe zu gehen. Aufgrund seiner spielerischen Klasse wird der VfB vermutlich etwas mehr Spielanteile haben, umso abgebrühter müssen wir vor dem Tor sein. Wenn wir es schaffen, hinten die Null zu halten und vorne eiskalt zuzuschlagen, haben wir allerbeste Chancen, den Derbysieg einzufahren.

Das Interview führte Amin Mir Falah

Weitere Berichte über den Karlsruher Sport Club sowie viele Bilder findet Ihr auch auf der großen Themenseite Karlsruher SC.

Autor:

Christian Schweizer aus Bretten

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