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Kriminalstatistik in Knittlinger Rat vorgestellt
„Jeder einzelne Fall eine Belastung für Opfer“

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Knittlingen (hk) Günther Haas, Leiter des Polizeireviers Mühlacker, hat gestern Abend in der Sitzung des Knittlinger Gemeinderats in der Weissachtalhalle in Freudenstein die Kriminalstatistik 2021 vorgestellt. Positiv entwickelt habe sich, so Haas, die Zahl der erfassten Straftaten, die 2021 mit 160 Fällen im Vergleich zum Vorjahr (156) leicht gestiegen, mit Blick auf 2019 mit 180 Fällen aber deutlich gesunken ist. "Was mich besonders freut", so Haas, "ist die Tatsache, dass wir die Zahl der aufgeklärten Straftaten in den Jahren 2020 und 2021 deutlich steigern konnten." Konkret bedeutet dies einen Anstieg von 56 aufgeklärten Straftaten (2019) auf 97 (2020) und 94 (2021).

Häufigkeitszahl liegt deutlich unter Landeswert

Das Polizeipräsidium Pforzheim umfasst die Landkreise Calw, Freudenstadt, den Enzkreis und den Stadtkreis Pforzheim, wo ebenso ein Rückgang der Straftaten zu beobachten ist. Der größte Rückgang ist im Landkreis Freudenstadt (-15,4 Prozent) zu verzeichnen, gefolgt vom Landkreis Calw (-13,4 Prozent) und dem Stadtkreis Pforzheim (-13,2 Prozent). Im Enzkreis sank die Zahl der Fälle um 6,5 Prozent. "Damit verzeichnen das gesamte Präsidium sowie der Landkreis Freudenstadt und der Stadtkreis Pforzheim einen Zehnjahrestiefstand bei der polizeilich registrierten Kriminalität", hieß es in der Vorlage zum Tagesordnungspunkt.
Die Kriminalitätsbelastung, die über die sogenannte Häufigkeitszahl zum Ausdruck gebracht wird, sank im Bereich des Polizeipräsidiums Pforzheim von 4.018 Straftaten (2020) pro 100.000 Einwohner auf 3.523. Sie liegt damit, laut der Polizeilichen Kriminalstatistik 2021 für die Region Nordschwarzwald, weiterhin deutlich unter der landesweiten Häufigkeitsziffer von 4.380. Das Polizeipräsidium Pforzheim nimmt, wie im Vorjahr, landesweit den vierten Platz im Vergleich der 13 regionalen Polizeipräsidien ein. Die Stadt Pforzheim ist beim Ranking mit den neun kreisfreien Städten des Landes wie in 2020 auf Platz zwei, hinter Heilbronn. Unter den 35 Landkreisen nimmt der Enzkreis erneut Platz zwei ein und die Landkreise Calw und Freudenstadt haben sich auf die Ränge sieben (Vorjahr Platz elf) und acht (Vorjahr Platz 13) verbessert.

"Was die objektive Kriminalitätsbelastung angeht, können Sie ziemlich zufrieden sein"

Mit diesen Zahlen, so Haas, könne man auch die Kriminalitätsbelastung der Stadt Knittlingen besser einordnen: Mit 160 Straftaten hat die Fauststadt eine Häufigkeitszahl von 1.938 (2020: 1.928). "Sie leben im zweitsichersten Bundesland, im zweitsichersten Landkreis, und mit dieser Häufigkeitszahl liegen Sie im Enzkreis an zwölfter Stelle. Damit können Sie, was die objektive Kriminalitätsbelastung angeht, ziemlich zufrieden sein", stellte Haas fest, bevor er konkret benannte, welche Straftaten in Knittlingen begangen wurden. "Ich bin sehr froh, dass wir seit 2015 kein Tötungsdelikt mehr in Knittlingen hatten." Betrüblich sei jedoch die Entwicklung bei den Sexualdelikten: Diese haben sich rein prozentual im Vergleich zu dem durchschnittlichen Wert der Jahre 2015 bis 2019 von insgesamt drei Fällen, im Jahr 2020 verdoppelt (sechs Fälle) und im Jahr 2021 weiter um zwei auf acht Fälle erhöht. "Dazu muss man wissen, dass auch bundesweit die Verbreitung von pornografischen Erzeugnissen über soziale Medien und Handys zunimmt", so Haas. Demzufolge würden sich diese Zahlen in Knittlingen auf einem "insgesamt sehr niedrigen Niveau" bewegen. Die Zahl der Rohheitsdelikte - also Raub, Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Bedrohung, Nötigung - stieg von 17 (Durchschnittswert 2015 bis 2019) auf 24 (2020) und 34 (2021) Fälle. Während es im Jahr 2020 zwei Fälle von Raub gab, gab es 2021 erfreulicherweise keinen einzigen in diesem Deliktsbereich. Allerdings stieg die Zahl von keinem Fall gefährlicher Körperverletzung im Jahr 2020 auf fünf Fälle im Jahr 2021.

Wohnungseinbrüche "mittlerweile gut im Griff"

Eine Besonderheit stellen Wohnungseinbrüche dar, weil sie die Opfer in besonderem Maße traumatisieren, so Haas und weiter: "Deshalb war die Entwicklung bis 2015 für uns auch sehr erschreckend. Aber seit 2015 ist ein stetiger Rückgang zu verzeichnen." Im Jahr 2018 gab es keinen einzigen Wohnungseinbruch in Knittlingen. In den Jahren 2019 und 2020 gab es einen kleinen Anstieg und dann im Jahr 2021 wieder einen Rückgang auf zwei Delikte. "Da sind wir wirklich froh, dass wir diese Form der Kriminalität mittlerweile gut im Griff haben, auch wenn natürlich jeder einzelne Fall eine Belastung für die Opfer darstellt." Im Bereich der Jugendkriminalität mit Knittlingen als Tatort ist die Situation im Jahr 2021 mit neun jugendlichen Tatverdächtigen im Alter von 14 bis 17 Jahren gegenüber dem Vorjahr unverändert. Davon waren im Jahr 2021 fünf tatverdächtige Einwohner von Knittlingen (2020: sieben). "Dies spricht eindeutig für die gesunkene Mobilität während der Pandemie", erklärte Haas. Im Altersbereich von Heranwachsenden zwischen 18 und 20 Jahren gab es in Knittlingen 2021 zwölf Tatverdächtige (2020: 17), davon waren acht (2020: 11) wohnhaft in Knittlingen.

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Geldwäsche

Zum ersten Mal im Vergleich zum Vorjahr gab es 2021 zudem drei tatverdächtige Kinder bis 13 Jahre, davon hatten zwei ihren Wohnort in Knittlingen. Bei den Straftaten der Knittlinger Jugendlichen handelte es sich in zwei Fällen um Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und in drei Fällen um die Verbreitung von pornografischen Erzeugnissen. Bei den Heranwachsenden zwischen 18 und 20 Jahren gab es ebenfalls zwei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, zwei Fälle von Beleidigung und je einen Fall von einfacher Körperverletzung, Nötigung im Straßenverkehr, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Geldwäsche. "Es bleibt mit Spannung abzuwarten, wie sich das entwickeln wird, wenn wieder mehr Freiraum kommt", so Haas. Aber auch hier sei das Niveau insgesamt recht niedrig. "Sie können mit Ihren Jugendlichen durchaus zufrieden sein", resümierte der Polizeichef.

CDU-Stadtrat Martin Reinhardt brachte seinen Dank für den Einsatz der Polizei mit den Worten „Alle Achtung!“ zum Ausdruck. Er habe schon des Öfteren Einsätze miterlebt, wie etwa am Busbahnhof in Knittlingen, wo Beamte schon angegriffen und bespuckt worden seien. Dem entgegnete Haas, dass er stolz auf seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei, die viel Geduld mitbringen würden. Stadtrat Jörg Burmistrak (CDU) wollte in Erfahrung bringen, wie der Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen zu erklären sei. Hierzu erklärte Haas, dass das Strafmaß erhöht worden sei. Abgeschreckt würden Täter auch durch die höhere Aufklärungsquote.

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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