Weingüter in der Region fühlen sich dem Wettbewerb und dem Klimawandel gewachsen
„Qualität kommt von Quälen“

Weingüter in der Region fühlen sich dem Wettbewerb und dem Klimawandel gewachsen
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  • Foto: Pixabay, Bru-nO
  • hochgeladen von Katrin Gerweck

Kürnbach / Oberderdingen (ger) „Die Weinbranche befindet sich in einer schwierigen Situation“, so Landwirtschaftsminister Peter Hauk in einer Pressemitteilung. Als Ursachen benennt er den harten Wettbewerb auf den Märkten, der zu stagnierenden Erlösen führe, sowie witterungsbedingte Herausforderungen wie die Frostschäden im Frühjahr 2017 oder die Dürre im letzten Jahr. Wir haben uns umgehört, wie die Winzer in der Region mit der Situation umgehen.

"Deutscher Wein ist gefragt"

Philipp Plag vom Weingut Plag in Kürnbach ist mit der Absatzsituation zufrieden und bemerkt keine Stagnation. Das führt er einerseits darauf zurück, dass er 70 Prozent seiner Produkte direkt am Weingut, 20 Prozent an vornehmlich regionale Gastronomie und zehn Prozent über kleinen, ausgesuchten Fachhandel vermarktet. Andererseits sei deutscher Wein momentan so gefragt, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. „Ich denke, Familienweingüter sind da nicht so betroffen wie Großbetriebe“, ist sein Eindruck.

"Sogar Wein aus China"

Anders sehen das Carina Gugel, Weinbetriebswirtin vom Weingut Vincon-Zerrer in Großvillars, und Reinhilde Lutz vom Weingut Lutz in Oberderdingen. Beide bemerken sehr wohl die angespannte Lage auf dem Markt. „Das ist ein Verdrängungswettbewerb. Nach Deutschland werden Weine von überallher importiert und die Menschen sind neugierig und probieren alles, sogar Wein aus China“, sagt Lutz. Ihr Rezept dagegen sei mit vermehrtem Einsatz gute Weine zu erzeugen. „Qualität kommt von Quälen“, merkt die Seniorchefin augenzwinkernd an. „Wenn man den guten Wein probiert, macht das am Ende aber vor allem Freude“, resümiert ihre Tochter Barbara Schwemmle.

Kundenbindung

Auf Kundenbindung setzen alle drei Weingüter. Carina Gugel zählt auf, was dieses Jahr geplant ist, um die Menschen auf den Hof zu holen: ein Weinfest am Muttertag, zweimal After-Work beim Winzer, der schon etablierte Weihnachtszaubermarkt. „Und noch eine Veranstaltung in den Weinbergen. Wir lassen uns jedes Jahr etwas Neues einfallen.“
Barbara Schwemmle setzt als Wein-Erlebnis-Führerin schon seit Jahren auf Events rund um den Wein. Da gibt es die Grenzgänger-Bustouren mit einem Oldtimer-Bus, wo die Lagen des Familienweinguts im Badischen und Schwäbischen angefahren werden, oder den „Sundowner am Bergwald“, bei dem die Teilnehmer einen guten Tropfen bei Sonnenuntergang im Weinberg genießen. Originell ist auch die Veranstaltung „Ladies Only“, eine eigens auf den weiblichen Geschmack zugeschnittene Weinprobe.

"Alte Reben wurzeln tief"

Den witterungsbedingten Herausforderungen im Zuge des Klimawandels sehen die Weingüter einigermaßen entspannt entgegen. „Vor allem alte Reben wurzeln tief, die kommen mit Wassermangel daher gut klar“, erläutert Gugel. Alle mussten letztes Jahr die jungen Reben bewässern und planen langfristig, in trockenen Lagen Tröpfchen-Bewässerung zu installieren. Das Weingut Plag baut schon seit zehn oder 15 Jahren internationale Rebsorten wie Cabernet oder Chardonnay an. Vincon-Zerrer, die ihre Wurzeln in den Waldenser-Dörfern des Piemont haben, beginnen dieses Jahr mit dem Anbau des von dort stammenden Nebbiolo. Im Weingut Lutz legt man Wert darauf, Sorten und Lagen gut aufeinander abzustimmen. „Insgesamt muss man aber wachsamer sein im Weinberg und auch dort an Stellschrauben drehen“, verdeutlicht Gugel. So habe man letztes Jahr schon bald den Ertrag verringert, weil die Reben so vollhingen. Auch die frühzeitige Lese letztes Jahr bereits im August ist in allen drei Weingütern noch in lebhafter Erinnerung.

Autor:

Katrin Gerweck aus Bretten

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