Schüler in ESG und Kraichgauschule infiziert / Evangelisches Seminar in Maulbronn bis 10. Juli geschlossen
Schulen vom Coronavirus betroffen

Die Infektion von bisher vier Schülern und einer Lehrerin am ESG schlägt Wellen. Auch die Kraichgauschule in Gondelsheim ist betroffen. Das Evangelische Seminar in Maulbronn ist vorerst geschlossen.
  • Die Infektion von bisher vier Schülern und einer Lehrerin am ESG schlägt Wellen. Auch die Kraichgauschule in Gondelsheim ist betroffen. Das Evangelische Seminar in Maulbronn ist vorerst geschlossen.
  • hochgeladen von Christian Schweizer

Region (bea) Fünf Corona-Infektionen sind bislang am Edith-Stein-Gymnasium (ESG) in Bretten bekannt. Weitere Testergebnisse stehen aus. Die Fälle haben Auswirkungen auf weitere Schulen in Bretten und sogar auf die Kraichgauschule in Gondelsheim.

Geschwisterkind an Kraichgauschule positiv getestet

Dort wurde am Wochenende bekannt, dass das Geschwisterkind eines ESG-Schülers ebenfalls positiv auf das Virus getestet worden ist. Dieses sei jedoch bereits seit Dienstag vergangener Woche nicht mehr in der Kraichgauschule gewesen, sagt der Gondelsheimer Hauptamtsleiter Lothar Rapp. Das Gesundheitsamt habe aufgrund der an der Schule umgesetzten Vorsichtsmaßnahmen das Risiko einer weiteren Infektion nur als gering eingeschätzt. Doch der Gemeinde wäre es lieber gewesen, die Schule vorsichtshalber komplett zu schließen, sagt Rapp. Letztendlich sei man dann doch den Empfehlungen des Gesundheitsamtes gefolgt und habe einen guten Kompromiss gefunden: Die Schule könne geöffnet bleiben, doch den Schülern sei es freigestellt, in der laufenden Woche zu Hause zu bleiben.

Bisher sonst nur negative Testergebnisse in Gondelsheim

Inzwischen haben die Gondelsheimer auch die ersten negativen Testergebnisse erhalten. Weitere Testergebnisse stehen noch aus. "Den Eltern wurde von Seiten der Schulleitung auch kommuniziert, dass sie ihre Kinder freiwillig testen lassen können", so Rapp. Eine generelle Testung sei jedoch nicht vorgesehen. Der Leiter des Büros des Landrats Christoph Schnaudigel, Martin Zawichowski, bestätigt, dass nach Auftreten der ersten Symptome am ESG der betroffene Schüler sofort in Quarantäne geschickt wurde. Kurz darauf folgten die ermittelten Kontaktpersonen. Daraufhin seien alle Personen des Kurses sowie die ermittelten Kontaktpersonen getestet worden. Das erste positive Ergebnis habe am Freitag, 26. Juni, vorgelegen, so Zawichowski. Sämtlichen Schülern und Lehrern der Jahrgangsstufe seien Testungen angeboten worden, von denen noch nicht alle abgeschlossen seien. Weitere Kontaktpersonen, die noch ermittelt werden könnten, würden ebenfalls getestet.

Kontakte zu Beruflichen Schulen recherchiert und bewertet

Seitens des Landkreises als Träger der Beruflichen Schulen Bretten (BSB) wurde dort recherchiert, ob es Kontakte zwischen hiesigen Schülern und Schülern des betroffenen Kurses am ESG gegeben habe. Festgestellte Kontakte seien dem Gesundheitsamt gemeldet und dort bewertet worden. Ferner habe der Landkreis die Infektion zum Anlass genommen, an alle Schulen in Trägerschaft des Landkreises ein weiteres Mal zu appellieren, das Hygienekonzept strikt zu beachten, so Zawichowski. Dennoch habe das Kultusministerium für alle Schulen im Land ein sehr stringentes Hygienekonzept verordnet, das die Ausbreitung einer Infektion generell verhindern soll. Zum anderen soll es ermöglichen, dass beim Auftreten von Infektionen schrittweise vorgegangen werden könne. So soll verhindert werden, dass eine ganze Schule geschlossen werden müsse.

"Unter Hochdruck beraten, um das Richtige zu entscheiden"

Eine komplette Schließung hat jedoch die Stadt Bretten als Träger des ESG angeordnet. Oberbürgermeister Martin Wolff betont, dass die Verwaltung vom Gesundheitsamt am Donnerstag, 25. Juni, über den ersten Corona-Fall am ESG informiert worden sei. Erst als am Freitag und Samstag weitere Infektionen bestätigt worden seien, habe man schließlich am Sonntagnachmittag den Beschluss gefasst die Schule in der laufenden Woche, vorerst von Montag bis Mittwoch, zu schließen, so Wolff. Nachdem man sich für eine Vorgehensweise entschieden habe, habe man die Öffentlichkeit informiert. "Wir haben am Samstag und Sonntag unter Hochdruck beraten, um das Richtige zu entscheiden", sagt Wolff. Neu entscheiden müsse man, falls es jetzt weitere Fälle gebe.

Unklar, ob sich MGB-Kooperationsschüler angesteckt haben

Daher verwies der geschäftsführende Schulleiter der Brettener Schulen und Rektor der Schillerschule, Wolfgang Mees, darauf, dass es im Jahrgang J1 Kooperationskurse zwischen dem ESG und dem Melanchthon-Gymnasium (MGB) gebe. Bislang sei jedoch nicht klar, ob sich durch die gemeinsamen Kurse am ESG auch Schüler des MGB mit dem Coronavirus infiziert hätten, so Mees. Dies bestätigt auch MGB-Schulleiterin, Oberstudiendirektorin Elke Bender. "Die Schüler sind bis einschließlich Mittwoch zu Hause, beziehungsweise solange, bis das hoffentlich negative Testergebnis von allen vorliegt", sagt sie.

Schülern wurde freigestellt, ob sie an der Schule präsent sein wollen

Weiterhin hätten Schülerinnen des Jahrgangs J2 der Schulleitung einen Erstkontakt zu einer bestätigt infizierten Person am ESG selbst angezeigt. Daraufhin habe diese in Absprache mit dem Regierungspräsidium beschlossen, es den Schülern der restlichen Jahrgänge J1 und J2 freizustellen, ob sie bis einschließlich Mittwoch zum Präsenzunterricht kommen oder die Unterrichtsmaterialien zu Hause bearbeiten wollen. Diese Entscheidung sei im Hinblick auf die noch ausstehenden mündlichen Abiturprüfungen getroffen worden, so Bender.

Gesundheitsamt: Kein Anlass Präsenzunterricht auszusetzen

Grundsätzlich ehe das Gesundheitsamt jedoch keinen Anlass, den Präsenzunterricht auszusetzen, da am MGB Hygieneregeln und Mindestabstände eingehalten würden, so Bender. Bei deren Einhaltung und dem Tragen einer Mund-Nasen-Abdeckung halte das Gesundheitsamt eine Ansteckung für unwahrscheinlich. Auch habe es darauf hingewiesen, dass Schulen lediglich die Bedingungen und Verhaltensregeln im eigenen Haus regeln, aber niemand darüber bestimmen könne, wie sich die Schüler außerhalb des Schulgeländes verhielten.

Diskrepanz zwischen Verhalten der Gesellschaft und Regeln in der Schule

"Für uns Schulleitungen ist die Diskrepanz zwischen dem Verhalten der gesamten Gesellschaft außerhalb der Schule durch die Öffnungen einerseits und den Regeln in der Schule andererseits, ein immer größer werdendes Problem. Vorfälle wie jetzt haben wir bereits kommen sehen. Grundsätzlich steigt das Risiko täglich, dass Corona von der Freizeit in die Schulen hineingetragen wird", sagt Bender. Und weiter: "Letztlich haben wir so entschieden, wie wir es an der Schule meinen verantworten zu können. Die Gesundheit und Sicherheit aller steht ganz oben. Darüber hinaus haben wir immer noch die Hoffnung, unsere Prüflinge, nach diesem schweren Schuljahr und letztendlich bestandenem Abitur, entlassen zu können. Nicht auszudenken, wenn uns Corona hier einen Strich durch die Rechnung machen würde. Das wäre, neben womöglich erkrankten Schülern und Lehrkräften, erst richtig schlimm", sagt Bender.

Drei verschiedene Corona-Modelle an Schillerschule

Geschwisterkinder von betroffenen ESG-Schülern würden auch an der Schillerschule unterrichtet. "Doch wir wissen noch nicht, welche Auswirkungen diese Tatsache hat", sagt Mees. Sie sorge jedoch für Unruhe an seiner Schule. "Mit großem Bauchkneifen gehts weiter", sagt er. Das Problem an der Schillerschule sei, dass an dieser momentan mit drei verschiedenen Modellen jongliert werden müsse. "Wir haben die komplette Schulöffnung der Grundschule ohne Maskenpflicht, die Werkrealschüler im Präsenzunterricht in kleinen Gruppen und die Kernzeitbetreuung ohne Gruppentrennung", sagt der Schulleiter. Seiner Meinung nach würden die Probleme jedoch von einer anderen Ebene kommen. "Es ist das, was uns vorgegeben ist und was wir tun müssen", sagt Mees. Daher stünden die Schulen letztendlich mit dem Rücken an der Wand.

Lockerungen schüren Ängste bei Lehrern

Momentan warte er auf eine neue Corona-Schulverordnung des Landes. Bis dahin sollen seine Schüler auf dem Weg zum Sitzplatz Masken tragen, sobald sie das Schulhaus betreten und ebenfalls beim Weg zur Toilette. Zudem gebe es Eltern, die die Lockerungen anmahnten. "Das ist im Augenblick mehr als problematisch", sagt der Rektor. Die Lockerungen schürten wiederum Ängste bei seinen Lehrkräften. Denn diese seien nicht wie zum Beispiel die Mitarbeiter in Lebensmittelgeschäften durch Plexiglasscheiben gechützt. "Ich frage mich, warum sich die Schüler in der Straßenbahn einer Maskenpflicht unterwerfen müssen, in der Schule jedoch nicht. Das erste wird mit der persönlichen Freiheit des Einzelnen begründet. Wir Lehrer gehen einfach so ins Klassenzimmer. Uns ist es überlassen, ob wir Masken aufziehen oder nicht. Da frage ich mich, ob wir Versuchskaninchen sind", sagt Mees.

Mees erwartet "noch einiges mehr"

Dennoch müsse die Schule Buch über die Zusammensetzung von Schülergruppen führen. So soll im Fall der Fälle nachvollzogen werden können, mit wem ein infizierter Schüler Kontakt hatte. Aufgrund der Reisezeit in den Sommerferien erwartet Mees jedoch, dass noch "einiges mehr" auf die Schulen zukommen werde. "Die Menschen müssen mehr Verantwortung zeigen. Das Virus ist unsichtbar und kann schnell übertragen werden", sagt Mees. Auch das Evangelische Seminar Maulbronn ist aufgrund einer Coronainfektion bis 10. Juli geschlossen, da ein Schüler positiv auf das Virus getestet wurde. Die Eltern wurden bereits am Samstag über die Schließung informiert.

Autor:

Beatrix Drescher aus Bretten

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