Ferienaktion der Brettener Woche im Römermuseum Remchingen
Von den Römern am Oberrhein zum mythischen Jerusalem

Anhand einer 360-Grad-Panorama-Aufnahme erläuterte Professor Norbert Rieder (im schwarzen T-Shirt) die mythischen Orte und heiligen Stätten in Jerusalem.
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  • Anhand einer 360-Grad-Panorama-Aufnahme erläuterte Professor Norbert Rieder (im schwarzen T-Shirt) die mythischen Orte und heiligen Stätten in Jerusalem.
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REMCHINGEN-WILFERDINGEN (ch) Was Römer und Juden im Altertum mit den heutigen Menschen am Oberrhein zu tun haben, konnten die Teilnehmer an der Ferienaktion der Brettener Woche am Montagnachmittag im Römermuseum in Remchingen-Wilferdingen erfahren. Nach einer allgemeinen Einführung im vollverglasten Vorraum, der über den Grundmauern eines altrömischen Wirtschaftsgebäudes errichtet wurde, ging es mit Professor Norbert Rieder in die Ausstellungsräume, wo noch bis Ende November die Sonderausstellung „Mythos Jerusalem“ gezeigt wird.

Museum unter dem Kindergarten

Zuvor war Professor Rieder kurz auf die Entstehungsgeschichte des Museums als Folge der Entdeckung von Resten eines römischen Gutshofs bei der Erschließung des benachbarten Wohngebiets eingegangen. Dennoch wurde das Museum nach seinen Worten nicht am inzwischen wieder zugeschütteten Fundort der Villa auf dem benachbarten Hügel errichtet, sondern neben den Resten des ehemaligen römischen Wirtschaftsgebäudes, auf dessen Fläche eigentlich ein Kindergarten geplant war. Durch geschickte Ausnützung der Hanglage ließen sich beide Projekte im gleichen Gebäude unterbringen: das Museum im Unter- und der Kindergarten im Obergeschoss.

Rundblick über mythisches Jerusalem

Da es im ehemals römisch besiedelten Südwesten zahlreiche Reste von Römervillen gibt – allein im Enzkreis sind 64 antike römische Gutshöfe nachgewiesen – wurde das Römermuseum von Anfang an auch als religionsgeschichtliches Museum konzipiert. Ergänzend zur Dauerausstellung ziehen wechselnde Sonderausstellungen stets neue Besuchergruppen an. Den rund 20 Leserinnen und Lesern von Brettener Woche und kraichgau.news erläuterte Professor Rieder anhand des im Vorraum über den Köpfen der Besucher gespannten 360-Grad-Banners mit Rundblick über das heutige Jerusalem die bedeutendsten mythischen Orte und heiligen Stätten der Stadt: angefangen beim von den Muslimen nach ihrer Eroberung Jerusalems errichteten Felsendom mit seiner vergoldeten Kuppel über die jüdische Klagemauer bis zum Turm der christlich-lutheranischen Erlöserkirche.

„Wir gehören alle zusammen“

Zu jedem Bauwerk hatte er eine oder mehrere Geschichten über Mythen und historische Missverständnisse parat, mal erhellend, mal kurios. So erklärte er unter anderem, dass sowohl christlicher als auch muslimischer Glaube auf dem jüdischen Glauben beruhen: „Wir gehören alle zusammen, ohne Jerusalem und Rom wären wir nicht, was wir heute sind.“ Er wies auf die für muslimische Bauten untypische achteckige Form des Felsendoms hin, der „mit großer Wahrscheinlichkeit“ dort stehe, wo in vorchristlicher Zeit das Allerheiligste des jüdischen Tempels war.

Juden am Oberrhein

In den Ausstellungsräumen tauchten die Besucher mit Professor Rieder tief in die jüdische Geschichte ein, wiederum gewürzt mit einer Vielzahl Episoden aus dem reichen Schatz religiöser Legenden. An einer Karte des Oberrheins verdeutlichte er, dass Juden im Frühmittelalter an allen Bischofssitzen Schutz genossen und Gemeinden gründeten. Adelige wie die Grafen von Eberstein errichteten Klöster wie Herrenalb – zum Dank für ihre glückliche Heimkehr von Kreuzzügen nach Jerusalem. Auch das über 500 Jahre alte Tagebuch einer Pilgerreise von Konstanz nach Jerusalem ist ausgestellt.

„Himmlisches Jerusalem ist überall“

Zum Schluss der ehrenamtlichen Führung zeigte Professor Rieder an einer Nachbildung des Tiefenbronner Altars, wie sich die tief gläubigen Menschen vor über 500 Jahren ihr „himmlisches Jerusalem“ vorstellten: nämlich wie ihre jeweilige Heimatstadt. So auch der Tiefenbronner Altarmaler Hans Schüchlin, der mangels Kenntnissen des realen Jerusalems seine Heimatstadt Ulm ins Bild setzte. Schlussfolgerung Professor Rieders: „Das himmlische Jerusalem ist überall.“

Lob für den Museumsführer

Beim Ausklang im Museumscafé mit Kaffee und Kuchen konnten die Teilnehmer/innen ihre Eindrücke austauschen. „Ich würde Professor Rieder jederzeit wieder zuhören, er bringt alles sehr spannend rüber“, fanden übereinstimmend Veronika Schreiber aus Wössingen und ihr Enkel Lukas. Auch Manfred Lotsch, ebenfalls aus Wössingen, lobte die „tolle Aufbereitung der Ausstellung“ und den „kompetenten Vortrag“, während Doris Lotsch vor allem interessant fand, dass sich Juden, Christen und Muslime gleichermaßen auf das Alte Testament berufen. Im Grunde sei unverständlich, wie so ein Unfrieden zwischen den Religionen entstehen konnte, meinte Marliese Rostan-Sigmund aus Oberderdingen. Sie selbst habe sich bei einem Israel-Besuch in den 1970er Jahren „mit Muslimen genauso gut verstanden wie mit Juden.“

Weitere Berichte von Ferienaktionen der Brettener Woche finden Sie auf unserer Themenseite Ferienprogramm Brettener Woche

Autor:

Chris Heinemann aus Bretten

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