Vom Wertstoffhof zur Lösswand: Grünen-Landtagsabgeordnete Andrea Schwarz besuchte Kraichtal

Besuch in Kraichtal: (von links) Die Grünen-Landtagsabgeordnete Andrea Schwarz mit Karl-Heinz Kempf, Herbert Fürstenberger und Georg Scheidl.
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Einen ganzen Tag lang besuchte die Grünen-Landtagsabgeordnete Andrea Schwarz die Stadt Kraichtal, die im Nordosten des Wahlkreises Bretten liegt

KRAICHTAL (pm) Einen ganzen Tag lang besuchte die Grünen-Landtagsabgeordnete Andrea Schwarz die Stadt Kraichtal, die im Nordosten des Wahlkreises Bretten liegt. „Es ist mein Anspruch an mich, so oft wie möglich Kommunen zu besuchen, um mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen, um die Sorgen und Nöte, aber auch Kritik und Anregungen aufzunehmen“, so Andrea Schwarz.
Begleitet von Herbert Fürstenberger, grüner Gemeinderat in Kraichtal, Georg Scheidl, Vorsitzender des Grünen Ortsverbandes Kraichtal, und ihrer Wahlkreismitarbeiterin Laura Paffrath besuchte Schwarz Kraichtaler Betriebe, traf den Bürgermeister Ulrich Hintermayer, nahm sich in der Bürgersprechstunde der Sorgen und Probleme der Kraichtaler an und tauschte sich mit dem grünen Ortsverband in Kraichtal aus.

Landwirtschaft und Wertstoff-Recycling

Der Stadtrundgang begann mit einem Besuch bei der Frank GmbH in Kraichtal-Neuenbürg. Die Familie Frank hatte Schwarz eingeladen, ihren Betrieb kennenzulernen, und führte sie nun über das Gelände. Neben der Landwirtschaft stellen die Franks Rindenmulch, Hackschnitzel und Kompost her. Außerdem dient ihr Gelände als Wertstoffhof für die Stadt Kraichtal. Bürgerinnen und Bürger können dort unter anderem Altpapier, Grünschnitt und Altholz abgeben. Besonders wichtig war es Schwarz, zu erfahren, woher das zu Hackschnitzeln verarbeitete Holz kommt, wie streng von außen angekauftes Material wie Holz, Rinde und Grünschnitt kontrolliert wird und wie die Familie ihren Ackerbau betreibt. Sie freute sich über die Erkenntnis von Günter Frank, dass kleinparzellige Felder mit Blüh- und Baumstreifen eine höhere Artenvielfalt und somit auch positive Auswirkungen auf das Gedeihen der Feldfrüchte haben. Bei Themen wie Einsatz von Glyphosat und anderen Spritzmitteln machte sie dagegen deutlich, dass sie sich wünsche, der Betrieb würde schnell auf umweltfreundliche Alternativen umsteigen.

Biofarben nur wenig gefragt

Nach einem Tässchen Kaffee und fünf Minuten Aufwärmzeit ging es weiter nach Kraichtal-Oberöwisheim zur KAWE GmbH, einem holzverarbeitenden Industrieunternehmen, das im Garten- und Landschaftsbau sowie der Terrassengestaltung tätig ist. Dort wurde man bereits von Karl-Heinz Kempf, einem der beiden Geschäftsführer, empfangen. Gemeinsam mit seinem Bruder Harald Kempf führt er die KAWE GmbH bereits in der dritten Generation. Er berichtete den interessiert lauschenden Grünen über die Geschichte und Entwicklung des Unternehmens, stellte seine Produkte vor, erklärte die Unterschiede der unterschiedlichen verarbeiteten Hölzer und führte durch die Werkstätte und über das Firmengelände. Auch hier erkundigte sich Schwarz besonders nach den Umweltstandards, welche Farben eingesetzt werden, woher die verarbeiteten Hölzer kommen. Erstaunt zeigte sie sich darüber, dass die von Karl-Heinz Kempf selbst bevorzugte und gepriesene Biofarblinie nur von etwa 20 Prozent der Kunden nachgefragt wird, trotz des kaum höheren Preises im Vergleich zu den konventionellen Farben und Lacken. „Wie kann es sein, dass sich Menschen so wenig sensibel zeigen", wunderte sich Schwarz. "Es darf einem doch nicht egal sein, welche Luft man in seinen eigenen Räumen atmet.“ Man hätte sich noch über vieles unterhalten können, doch der nächste Termin wartete bereits.

Bienensterben bereitet große Sorgen

In Kraichtal-Münzesheim stand nun ein Besuch bei der Brennerei Weber an. Peter und Beate Weber führen diese in ihrer Freizeit. Ihr Ziel ist es, durch den Betrieb der Brennerei nicht nur eine alte Tradition aufrecht zu erhalten, sondern vor allem auch dazu beizutragen, die für den Kraichgau so typische Kulturlandschaft mit ihren Streuobstwiesen zu bewahren. So bewirtschaften sie ihre Streuobstwiesen ausschließlich ökologisch und verzichten auf jeglichen Einsatz von Spritzmitteln und Kunstdünger. Seit 2014 haben sie eigene Bienenvölker, die die Bestäubung übernehmen. Hier hatte das Ehepaar traurige Entwicklungen zu berichten. Bereits im letzten Jahr und aller Voraussicht nach auch 2018 habe man über den Winter Bienenvölker verloren. Das Bienensterben bereite ihnen große Sorgen und bringe sie zur Überzeugung, dass es dringend strengere Regeln in der Landwirtschaft brauche. Flurbereinigungen nehmen den Tieren ihren Lebensraum, und Insektizide und Herbizide machen unsere Honig- und Wildbienen krank. Auch wenn noch großer Forschungsbedarf besteht, so ist mittlerweile doch klar, dass einige Pestizidwirkstoffe aus der Klasse der Neonicotinoide eine schädliche Wirkung auf Bienen haben und zu ihrem Schwund beitragen. Man wisse, dass man die Welt nicht ändern könne, so Beate Weber, doch man wolle zumindest im Rahmen eigener Möglichkeiten verantwortungsbewusst und nachhaltig handeln. Ein weiterer Grund, ihre Freizeit mit der Brennerei und allem, was dazugehört, zu verbringen: Vorbild für andere sein und für Themen wie ökologischer Obstanbau, Erhalt der Streuobstwiesen, Bienenschutz zu sensibilisieren. Schwarz zeigte sich beeindruckt: „Würde jeder in seinem persönlichen Umfeld so viel Verantwortung übernehmen, wie es die Webers tun, dann wäre diese Welt sehr viel besser.“

Bedeutung der Lösswand für die Artenvielfalt

Und weiter ging es zum Gespräch mit Bürgermeister Ulrich Hintermayer. Man sprach über die Themen des Tages: Landwirtschaft, Blühstreifen, Artenvielfalt und Biodiversität. Schwarz wünschte sich in diesen Bereichen noch mehr Einsatz von der Gemeinde Kraichtal und informierte den Bürgermeister, dass das Land viel Geld für Förderungen investiere, die nur abgerufen werden müssen. Außerdem ging es um das Naturdenkmal Lösswand am östlichen Ortseingang von Unteröwisheim. Vielen Bürgern sei die karge Lösswand seit Jahren ein Dorn im Auge, berichtete Hintermayer, und bat die Abgeordnete sowie die Kraichtaler Grünen um Hilfe für mehr Akzeptanz und Verständnis für die Mauer in Form von positiver Öffentlichkeits- und Informationsarbeit. Schwarz, Fürstenberger und Scheidl waren sich darin einig, dass vielen Leuten die besondere Bedeutung, ja die Einmaligkeit der Lösswände für die Erhaltung der Artenvielfalt nicht bewusst ist und dass dieses Bewusstsein geschaffen werden muss.

Viel Lob für Einzelgespräche mit Bürgern

In der anschließenden Bürgersprechstunde empfing Schwarz Bürgerinnen und Bürger aus Kraichtal zu Einzelgesprächen. Zahlreiche sozial- und umweltpolitische Themen prägten den Austausch mit den Kraichtalern und Kraichtalerinnen. Alle Sprechstundenteilnehmer und -teilnehmerinnen lobten das Angebot des persönlichen Gesprächs und wünschten sich mehr solcher Möglichkeiten, mit den Politikern direkt in den Austausch treten zu können. Schwarz freute sich über das Interesse und den Mut der Leute, diese Gelegenheiten, direkt mit den Politikvertretern ins Gespräch zu kommen und Anliegen sowie Missstände vortragen zu können, auch zu nutzen.
Den Abend beendete Schwarz mit der Teilnahme am Treffen des grünen Ortsverbandes Kraichtal, wo man sich über aktuelle Debatten wie Kita-Gebühren und Frauenrechte sowie über die Themen des Tages austauschte.

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Besuch in Kraichtal: (von links) Die Grünen-Landtagsabgeordnete Andrea Schwarz mit Karl-Heinz Kempf, Herbert Fürstenberger und Georg Scheidl.
Günther Frank erläutert der Grünen-Landtagsabgeordneten Andrea Schwarz und dem Kraichtaler Grünen-Stadtrat Herbert Fürstenberger die Herstellung von Humus.
Autor:

Chris Heinemann aus Bretten

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