Corona-Fälle am Edith-Stein-Gymnasium in Bretten
Aktualisierung: Auswirkungen auch an anderen Brettener Schulen zu spüren

Die Infektion von bisher drei Schülern und einer Lehrerin am ESG schlägt Wellen.
  • Die Infektion von bisher drei Schülern und einer Lehrerin am ESG schlägt Wellen.
  • hochgeladen von Christian Schweizer

Bretten (kn) Eigentlich hätte der heutige Montag, 29. Juni, ein ganz normaler Schultag werden sollen, doch dann wurden vier Corona-Infektionen am Edith-Stein-Gymnasium (ESG) bekannt. Weitere Testergebnisse stehen aus. Die Fälle am ESG haben nun auch Auswirkungen auf die anderen Schulen in Bretten.

Sind auch MGB-Schüler betroffen?

Der geschäftsführende Schulleiter der Brettener Schulen und Rektor der Schillerschule, Wolfgang Mees, wies darauf hin, dass es im Jahrgang J1 Kooperationskurse zwischen dem ESG und dem Melanchthon-Gymnasium (MGB) gebe. Bislang sei jedoch nicht klar, ob sich durch die gemeinsamen Kurse am ESG auch Schüler des MGB mit dem Coronavirus infiziert hätten, so Mees. Dies bestätigt auch die Schulleiterin des MGB, Oberstudiendirektorin Elke Bender. "Diese Schüler sind bis einschließlich Mittwoch zu Hause, beziehungsweise solange, bis das hoffentlich negative Testergebnis von allen vorliegt", sagt sie.

Kontakt zu bestätigt infizierter Person

Weiterhin hätten Schülerinnen des Jahrgangs J2 der Schulleitung einen Erstkontakt zu einer bestätigt infizierten Person am ESG selbst angezeigt. Daraufhin habe diese in Absprache mit dem Regierungspräsidium  beschlossen, es den Schülern der restlichen Jahrgänge J1 und J2 freizustellen, ob sie bis einschließlich Mittwoch zum Präsenzunterricht kommen oder die Unterrichtsmaterialien zu Hause bearbeiten wollen. Diese Entscheidung sei im Hinblick auf die noch ausstehenden mündlichen Abiturprüfungen getroffen worden, so Bender. Auf die Möglichkeit sich privat testen zu lassen habe die Schulleitung hingewiesen.

Kein Grund gegen Präsenzunterricht

Grundsätzlich sehe das Gesundheitsamt jedoch keinen Grund den Präsenzunterricht auszusetzen, da am MGB Hygieneregeln und Mindestabstände eingehalten würden, so Bender. Bei deren Einhaltung und dem Tragen einer Mund-Nasen-Abdeckung halte das Gesundheitsamt eine Ansteckung für unwahrscheinlich. Auch habe das Gesundheitsamt darauf hingewiesen, dass Schulen lediglich die Bedingungen und Verhaltensregeln im eigenen Haus regeln, aber niemand darüber bestimmen könne, wie sich die SchülerInnen außerhalb des Schulgeländes verhalten.

Diskrepanz zwischen Verhalten der Gesellschaft und Regeln in der Schule

"Für uns Schulleitungen ist die Diskrepanz zwischen dem Verhalten der gesamten Gesellschaft außerhalb der Schule durch die Öffnungen einerseits und den Regeln in der Schule andererseits, ein immer größer werdendes Problem. Vorfälle wie jetzt haben wir bereits kommen sehen. Grundsätzlich steigt das Risiko täglich an, dass Corona von der Freizeit in die Schulen hineingetragen wird. Letztlich haben wir so entscheiden, wie wir es an der Schule meinen verantworten zu können. Die Gesundheit und Sicherheit aller steht ganz oben. Darüber hinaus haben wir immer noch die Hoffnung unsere Prüflinge, nach diesem schweren Schuljahr und letztendlich bestandenem Abitur, entlassen zu können. Nicht auszudenken, wenn uns Corona hier einen Strich durch die Rechnung machen würde... Das wäre, neben womöglich erkrankten SchülerInnen und Lehrkräften, erst richtig schlimm", sagt Bender.

Drei verschiedene Modelle an der Schillerschule

"Wir haben auch Geschwisterkinder bei uns an der Schillerschule. Doch wir wissen noch nicht, welche Auswirkungen diese Tatsache hat", so Mees. Es sorge aber für Unruhe an seiner Schule. "Mit großem Bauchkneifen gehts weiter", sagt er.Das Problem an der Schillerschule sei, dass an dieser momentan mit drei verschiedenen Modellen jongliert werden müsse. "Wir haben die komplette Schulöffnung der Grundschule ohne Maskenpflicht, die Werkrealschüler im Präsenzunterricht in kleinen Gruppen und die Kernzeitbetreuung ohne Gruppentrennung", sagt der Schulleiter. Seiner Meinung nach würden die Probleme jedoch von einer anderen Ebene kommen. "Es ist das, was uns vorgegeben ist und was wir tun müssen", sagt Mees. Daher stünden die Schulen letztendlich mit dem Rücken an der Wand.

Warten auf neue Corona-Schulverordnung

Momentan warte er auf eine neue Corona-Schulverordnung des Landes. Bis dahin sollen seine Schüler auf dem Weg zum Sitzplatz Masken tragen, sobald sie das Schulhaus betreten und ebenfalls beim Weg zur Toilette. Doch auf seiner Homepage darf er das nicht schreiben, denn es soll Anwaltskanzleien geben, die die Homepages der Schulen nach solchen Vorgaben absuchten und Mahnbescheide ausstellten, sagt Mees.

Sind Lehrer Versuchskaninchen?

Zudem gebe es Eltern, die die Lockerungen anmahnten. "Das ist im Augenblick mehr als problematisch", sagt der Rektor. Die Lockerungen schürten wiederum Ängste bei seinen Lehrkräften. Denn diese seien nicht wie die Mitarbeiter in Lebensmittelgeschäften mit Plexiglas abgesichert. "Ich frage mich, warum sich die Schüler in der Straßenbahn einer Maskenpflicht unterwerfen müssen, in der Schule jedoch nicht. Das erste wird mit der persönlichen Freiheit des Einzelnen begründet. Wir Lehrer gehen einfach so ins Klassenzimmer. Uns ist es überlassen, ob wir Masken aufziehen oder nicht. Da frage ich mich, ob wir Versuchskaninchen sind", sagt Mees.

Einige MGB-Schüler wurden auch getestet

Dennoch müsse die Schule Buch über die Zusammensetzung von Schülergruppen führen. So soll im Fall der Fälle nachvollzogen werden können, mit wem ein infizierter Schüler Kontakt hatte. Das habe die Rektorin des MGB genutzt, um durchzusetzen, dass die MGB-Schüler, die in einigen Fächern am ESG unterrichtet werden, ebenfalls getestet würden, sagt Mees. Die Ergebnisse werden am morgigen Dienstag erwartet. Aufgrund der Reisezeit in den Sommerferien erwartet Mees jedoch, dass noch "einiges mehr" auf die Schulen zukommen werde. "Die Menschen müssen mehr Verantwortung zeigen. Das Virus ist unsichtbar und kann schnell übertragen werden", sagt Mees.

Erste Ergebnisse gab es im Laufe der vergangenen Woche

Pressesprecherin Susanne Maske wollte vorerst keine weitere Stellung zur weiteren Vorgehensweise der Stadt beziehen. Die Verwaltung habe die Schließung der Schule als reine Vorsichtsmaßnahme angeordnet, sagte sie am Montagmorgen. Das Gesundheitsamt befrage nun die Schüler bezüglich ihrer Kontakte. Die ersten Ergebnisse habe es bereits im Laufe der vergangenen Woche gegeben, so Maske. Darunter seien viele negativ getestete Personen gewesen. Die Mitteilung an die Presse, dass drei Schüler und eine Lehrerin des ESG mit dem Coronavirus infiziert sind, erfolgte erst am Sonntagabend.

Autor:

Beatrix Drescher aus Bretten

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