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Warum steigen die Corona-Zahlen in Pforzheim und dem Enzkreis stetig an?
„Wir müssen mit allen geeigneten Mitteln gegensteuern"

Der Enzkreis steht bei nahezu 200 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage, in Pforzheim sind es deutlich über 300.
  • Der Enzkreis steht bei nahezu 200 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage, in Pforzheim sind es deutlich über 300.
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Enzkreis/Pforzheim (kn) Der Enzkreis steht bei nahezu 200 Corona-Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage, in Pforzheim sind es deutlich über 300: „Bei diesen hohen Zahlen schaffen wir es nicht, die Kontaktpersonen aller Infizierten zeitnah abzutelefonieren und zu isolieren, um eine unkontrollierbare Weiterverbreitung des Corona-Virus zu verhindern“, betont Dr. Brigitte Joggerst, Leiterin des Gesundheitsamts, in einer Mitteilung. Und weiter: „Wir müssen daher mit allen geeigneten Mitteln gegensteuern, um die aktuell sehr angespannte Lage in den Krankenhäusern der Region nicht weiter zu belasten.“ Viele Bürger würden sich indes fragen, warum die Corona-Zahlen trotz fünf Wochen „Lockdown light“ und strenger Maßnahmen in der Stadt und im Landkreis dennoch anstiegen.

Gibt es Häufungen bei den Fallzahlen?
„In unseren Statistiken sehen wir keine geografischen Schwerpunkte“, sagt Joggerst. Die Fälle in den Kreisgemeinden entsprächen fast durchweg der jeweiligen Einwohnerzahl. „Es gibt zwar immer wieder einzelne Abweichungen, aber da dies wechselt, sehen wir kein erkennbares Muster“, so Joggerst. Zu einem ähnlichen Ergebnis war man kürzlich im Verwaltungsstab der Stadt Pforzheim gekommen: Auch dort gebe es keine erkennbare Häufung in einzelnen Stadtteilen. Hingegen zeigten die Zahlen des Gesundheitsamts, dass inzwischen wieder ganz massiv Menschen über 80 infiziert seien: „Noch im Oktober waren sie unterdurchschnittlich betroffen, was die Fallzahlen in Bezug zur Gesamtzahl dieser Altersgruppe betrifft“, sagt Joggerst. Seit November hingegen stiege die Inzidenz hier deutlich an, nicht zuletzt durch Ausbrüche in mehreren Seniorenheimen in der Region. Aktuell seien etwa 15 Heime betroffen. „Diese Entwicklung sehen wir natürlich mit großer Sorge, denn gerade die Ältesten haben ja ein besonders hohes Risiko für schwere und tödliche Verläufe einer Erkrankung“, sagt Wolfgang Herz, Erster Landesbeamter und Leiter des Enzkreis-Verwaltungsstabs.

Was ist mit den Jüngeren?
„Die 20- bis 29-Jährigen waren im November überproportional vertreten“, berichtet Brigitte Joggerst – allerdings mit abnehmender Tendenz. Auch bei den Teenies zwischen zehn und 19 Jahren sei die Zahl nach einem Zwischenhoch Ende Oktober mittlerweile auf „Normalmaß“ zurückgegangen. Allerdings sei es möglich, dass der Rückgang zumindest zum Teil mit einer Änderung der Teststrategie zu tun habe: Seit Mitte Oktober würden bei einem Coronafall nicht mehr ganze Schulklassen in Quarantäne geschickt und getestet, sondern lediglich die direkten Nachbarn im Klassenzimmer. Dennoch seien Schulen und Kitas wohl nicht die Hotspots der Pandemie, wie Joggerst betont: Zwar gebe es positiv getestete Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte an 18 Schulen in Pforzheim und im Enzkreis – jedoch handele es sich insgesamt um nur 30 Personen. Noch weniger betroffen seien die Kitas in der Region: Hier habe das Amt aktuell lediglich zwei Einrichtungen auf der Liste – mit jeweils einem Fall. Ungleich größer sei hingegen die Zahl der Kontaktpersonen: Fast 200 sind es bei den Schulen, knapp 20 bei den Kitas.

Warum wirken die Maßnahmen nicht?
„Wenn wir auf diese Frage eine schlüssige Antwort hätten, würden wir entsprechend handeln“, betont Wolfgang Herz. Tatsache sei, dass der teilweise Lockdown im November die zweite Welle vermutlich verlangsamt habe, sie aber nicht brechen konnte. „Das ist für uns besonders bitter, weil wir den Menschen in der Region noch viel strengere Beschränkungen auferlegen müssen.“ Ob diese nun den erhofften Erfolg bringen, „werden wir erst Ende nächster Woche sehen“, erklärt Joggerst: „Alle Maßnahmen haben einen langen Bremsweg, denn sie können sich nur auf zukünftige Infektionen auswirken, nicht aber auf Menschen, die das Virus bereits in sich tragen.“ So gehe das Robert Koch-Institut (RKI) davon aus, dass die Inkubationszeit von Covid-19 bei fünf bis sechs Tagen liegt. Werden Betroffene dann getestet, vergehe nochmals Zeit, ehe dem Gesundheitsamt ein positives Ergebnis vorliege. „Entsprechend schlagen sich neue Infektionen erst nach etwa zehn bis vierzehn Tagen in den Fallzahlen nieder; und so lange dauert es daher auch, bis Maßnahmen Wirkung zeigen“, so Joggerst. Erschwerend komme hinzu, dass Infizierte das Virus auch dann weitergeben könnten, wenn sie gar nichts über ihre Infektion wissen. „Bereits zwei Tage vor den ersten Symptomen sind die Menschen ansteckend – und bei nicht wenigen verläuft die Erkrankung so mild, dass sie gar nichts davon wahrnehmen“, erklärt die Ärztin.

Welchen Sinn hat eine Ausgangssperre im Dezember?
Das Virus verbreitet sich überall dort, wo Menschen zusammenkommen. Besonders hoch sei das Risiko, wenn sich Menschen ohne Abstand und Maske treffen würden, wie dies in der Regel bei privaten Treffen der Fall sei. „Daher sind Maßnahmen wie die derzeit in Pforzheim geltenden Ausgangssperre sinnvoll, denn sie sind ein Signal an die Bevölkerung, dass man sich auch im privaten Rahmen am besten nicht treffen soll“, sagt Herz. Denn die zentrale Botschaft sei: „Es kommt auf das Verhalten der Menschen an, nicht auf die Ausgangssperre, wenn wir die 7-Tage-Inzidenz möglichst rasch wieder unter den Schwellenwert von 50 drücken wollen.“

Autor:

Christian Schweizer aus Bretten

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