Update der RKH zur aktuellen Corona-Lage
„Wie lange halten unsere Mitarbeiter noch durch?“

Inzidenz vollständig geimpfter und ungeimpfter symptomatischer und hospitalisierter COVID-19-Fälle pro 100.000 nach Altersgruppen, Impfstatus und Meldewoche (Datenstand 16.11.2021). Bitte die unterschiedliche Skalierung der y-Achsen beachten.
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  • Inzidenz vollständig geimpfter und ungeimpfter symptomatischer und hospitalisierter COVID-19-Fälle pro 100.000 nach Altersgruppen, Impfstatus und Meldewoche (Datenstand 16.11.2021). Bitte die unterschiedliche Skalierung der y-Achsen beachten.
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Region (hk) „Wie lange halten unsere Mitarbeiter noch durch?“ Diese Frage stellte Professor Dr. Jörg Martin, Geschäftsführer der Regionalen Kliniken Holding (RKH) – zu der auch die Rechbergklinik Bretten sowie die Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal gehören – bei der aktuellen Pressekonferenz zum Corona-Update der RKH. Die Lage spitze sich weiter zu und sei „extrem angespannt“, so Martin. Das erhoffte Licht am Ende des Tunnels, auch und besonders für das medizinische Personal, sei nicht in Sicht, umschrieb Götz Geldner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie im RKH Klinikum Ludwigsburg und Koordinator der Versorgungscluster in Baden-Württemberg, die aktuelle Corona-Lage in der RKH. Es werde immer schwieriger, die Motivation der Pflegekräfte zu bewahren. „Die, die jetzt noch da sind, geben einfach alles. Aber auch die brauchen irgendwann einmal eine Auszeit“, sagte Geldner. Man könne dem Personal nicht versprechen, dass sie es nur noch bis Weihnachten aushalten müssten, bis sich die Lage wieder entspanne. „Es ist kein Ziel zu sehen“, sagte Geldner.

„Gehen von einem exponentiellen in ein lineares Wachstum über“

Dr. Stefan Weiß, ärztlicher Direktor Zentralbereich Katastrophenschutz und Leiter des Corona-Krisenstabsmanagements in den RKH Kliniken, richtete seinen Blick auf die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland. „Wir sehen zum ersten Mal, dass der R-Wert ein wenig zurückgeht“. Weiß machte aber auch klar, dass die Infektionszahlen nach wie vor anwachsen. „Wir gehen von einem exponentiellen Wachstum in ein lineares Wachstum über.“

„Alle Krankenhäuser sind gezwungen, ihre planbaren Operationen zu reduzieren“

Anhand der Entwicklung, die Weiß in der Folge vorstellte, wurde deutlich, dass ein abfallender Druck vor dem Jahreswechsel nicht zu erwarten sei. Man gehe davon aus, dass der Bettenbedarf auf den Normalstationen weiter ansteigen werde. Weiß prognostizierte auch, dass der Covid-Anteil auf Überwachungs- und Intensivstationen weiter steigen und ein Priorisierungsbedarf zunehmend wahrscheinlicher werde. Letzterer werde dem Personal „viel abverlangen“. Deshalb sollen in den RKH Kliniken medizinische Maßnahmen zur Anwendung kommen. „Alle Krankenhäuser sind gezwungen, ihre planbaren Operationen stark zu reduzieren“, teilte Weiß mit. Dabei handele es sich, ergänzte Geldner, um Operationen, deren Verschiebung um mindestens acht Wochen keinen Nachteil für den Patienten bedeuten würden. Die Prognose für den Bedarf an Intensivbetten werde in Baden-Württemberg in den nächsten 14 Tagen auf rund 700 Plätze geschätzt. Am 24. November seien 512 Intensivbetten und 687 Betten auf der Normalstation durch Coronapatienten belegt gewesen.

Erstmals Covid-19-Patienten aus „Cluster Karlsruhe“ verlegt

Bald könne auch die Notfallversorgung nicht mehr in dem Umfang sichergestellt werden wie bisher, betonte Weiß. Nötig werde auch die Personalakquise aus "patientenfernen Bereichen". Insgesamt sei zu erwarten, dass die Versorgung der Patienten flächendeckend nicht auf dem Standardniveau gehalten werden kann. Auch wenn man mit Versorgungsengpässen zu kämpfen haben werde, betonte Weiß, werde man jeden Patienten versorgen können, aber „nicht auf dem Level, wie wir es gewohnt sind“. Bereits jetzt müsse die Orthopädische Klinik in Markgröningen Intensivpatienten ohne Corona aufnehmen. Erstmals seit Beginn der Pandemie wurden heute, laut Geldner, drei Covid-19-Patienten aus dem „Cluster Karlsruhe“ auf Intensivbetten in Rheinland-Pfalz verlegt. Die Länder Hessen, Saarland und Rheinland-Pfalz bilden mit Baden-Württemberg das sogenannte "Kleeblatt Südwest" im Klinik-Bereich.

Besucherstopp gilt nach wie vor

Nach wie vor gibt es in den RKH Kliniken einen Besucherstopp mit „definierten Ausnahmen“, so Weiß. So könnten beispielsweise Angehörige einen Patienten besuchen, der im Sterben liegt, oder von einem Verstorbenen Abschied nehmen. Zutritt erhalten auch Eltern beziehungsweise Sorgeberechtigte eines Kindes in stationärer Behandlung, Väter und Partner bei einer Geburt oder notwendige Begleitpersonen. Nicht immunisierte Mitarbeiter müssen sich täglich testen. Seit letzter Woche dürfe man nun auch (Booster-)Impfungen für Mitarbeiter, Angehörige, Patienten, werdende Väter, Angehörige von Patienten aus vulnerablen Gruppen (zum Beispiel Karzinompatienten in der ambulanten Chemotherapie) anbieten. Um die Belastung der Mitarbeitenden „abzufangen“, werden Mitarbeiter-Kriseninterventionsteams mit Unterstützung der Notfallseelsorge der Landkreise aufgebaut.

„Aktuell verlangsamen wir die Welle nur“

Wie wird es gelingen, die vierte Welle zu brechen? Professor Martin plädierte unter anderem für eine Impfpflicht für Mitarbeiter im medizinischen Bereich. Außerdem fordert der RKH-Geschäftsführer die Politik, einen Lockdown auf den Weg zu bringen. „Aktuell verlangsamen wir die Welle nur, brechen sie aber nicht“, sagte Martin. Laut Weiß sei eine Impfrate von über 90 Prozent nötig, um die Welle signifikant durchbrechen zu können. Nur tue sich in der Impfkurve „aktuell nach wie vor nicht viel“, bedauerte er. Bei den symptomatischen Fällen im wöchentlichen Lagebericht des RKI (siehe Grafiken) sei zu beobachten, dass die Ungeimpften unter 60 Jahren in „deutlichem Maße“ die Impfdurchbrüche übersteigen würden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den hospitalisierten Fällen ab, unter denen sich fast ausschließlich ungeimpfte Patienten befinden.

Inzidenz vollständig geimpfter und ungeimpfter symptomatischer und hospitalisierter COVID-19-Fälle pro 100.000 nach Altersgruppen, Impfstatus und Meldewoche (Datenstand 16.11.2021). Bitte die unterschiedliche Skalierung der y-Achsen beachten.
Inzidenz vollständig geimpfter und ungeimpfter symptomatischer und hospitalisierter COVID-19-Fälle pro 100.000 nach Altersgruppen, Impfstatus und Meldewoche (Datenstand 16.11.2021). Bitte die unterschiedliche Skalierung der y-Achsen beachten.
Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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